Drohende Zahlungsunfähigkeit: Opel immer stärker in Bedrängnis
zuletzt aktualisiert: 21.02.2009 - 15:36Frankfurt/Main (RPO). Der deutsche Autobauer Opel gerät Medienberichten finanziell immer stärker in Bedrängnis. Schon im Mai oder Juni könnte das Unternehmen zahlungsunfähig sein. Der Streit um Staatshilfen für Opel dauert unterdessen an.
Nach Informationen der "Bild"-Zeitung befürchtet der Bürgschaftsausschuss von Bund und Ländern schon für Mai oder Juni eine Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens. Ein Firmensprecher lehnte einen Kommentar dazu ab. Das Bundeswirtschaftsministerium verwies am Samstag auf die vertraulichen Beratungen in dem Ausschuss und mahnte von Opel ein Sanierungskonzept an.
Streit um Staatshilfen
Der CDU-Mittelstandspolitiker Michael Fuchs wandte sich in der "Berliner Zeitung" gegen eine Rettung von Opel mit Hilfe von Staatsbürgschaften und sagte: "Eine Insolvenz von Opel wird nicht zu vermeiden sein."
Dagegen plädierte SPD-Kanzlerkandidat und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier nach einem Gespräch mit Opel-Europachef Carl Peter Forster für eine europäische Lösung zur Rettung der Standorte. "Kein Werk ist für sich und einzeln überlebensfähig, weder in Deutschland noch anderswo", sagte Steinmeier gegenüber unserer Redaktion. Nach Informationen unserer Redaktion hat Steinmeier Forster bei der Unterredung am Freitagabend befristete staatliche Hilfen wie Bürgschaften und Garantien in Aussicht gestellt.
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) plädierte für staatliche Hilfe und stellte Opel vor allem Bürgschaften in Aussicht. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte er: "In Krisenzeiten muss sichergestellt werden, dass die Wirtschaft arbeiten kann und dass auch die Kreditversorgung der Wirtschaft gewährleistet sein muss. Weil das immer noch nicht funktioniert, muss der Staat helfen."
Der thüringische Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz (CDU) ist notfalls auch für eine staatliche Beteiligung zur Rettung der Opel-Standorte, wie er "Bild am Sonntag" sagte. Dagegen wird CSU-Chef Horst Seehofer vom "Kölner Stadt-Anzeiger" zitiert, der Staat solle nicht direkt als Unternehmer tätig werden.
Bislang keine Bankkredite
Die Lage bei Opel verstärkt auch den Druck auf eine Lösung des Rüsselsheimer Autobauers vom amerikanischen Mutterkonzern General Motors. Ohne finanzielle Selbstständigkeit kann Opel kaum von den Banken die zur Rettung des Unternehmens dringend benötigten Kredite bekommen. Nach den Erklärungen von GM-Chef Rick Wagoner zur Zukunft des Konzerns wächst aber die Hoffnung auf größere Beweglichkeit der deutschen Autotochter.
Nach Ansicht des Bochumer Betriebsratschefs Rainer Einenkel muss ein potenzieller Partner das Produktportfolio von Opel deutlich erweitern. "Das muss sich ergänzen und darf nicht im Wettbewerb stehen", sagte er der "Automobilwoche".
"Bild" berichtete, Opel brauche nach derzeitigem Stand bis zu 3,3 Milliarden Euro frisches Geld. Das Unternehmen finde aber bislang keine Bank für die nötigen Kredite. Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums sagte der AP, Opel habe noch kein Konzept vorgelegt, auf dessen Grundlage entschieden werden könne, ob und welche Schritte nötig und möglich seien.
Der Autohersteller selbst räumte ein, dass sich die für Opel so wichtige Absatzsituation auf großen europäischen Märkten "dramatisch verändert" hat. So seien die Pkw-Verkäufe auf Märkten wie Spanien regelrecht zusammengebrochen. Besonders schmerzlich seien auch die Folgen der Wechselkursveränderungen in Märkten wie Großbritannien und Russland, heißt es weiter in eine Erklärung aus Rüsselsheim. Opel-Finanzchef Marco Molinari räumte ein, das sein Haus einen Bürgschaftsrahmen von mehr als den ursprünglich diskutierten 1,8 Milliarden Euro benötigen werde.
Barroso warnt vor Verstoß gegen Binnenmarktregeln
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso warnte die Bundesregierung davor, bei einer Rettung von Opel gegen europäische Binnenmarktregeln zu verstoßen. "Die EU-Kommission versteht, dass die Mitgliedstaaten zu außergewöhnlichen Maßnahmen greifen, um Arbeitsplätze zu erhalten", sagte er dem "Hamburger Abendblatt". Wenn aber Maßnahmen ohne Rücksicht auf die Nachbarstaaten getroffen würden, "wird sich die Krise weiter verschärfen und es werden noch mehr Jobs verloren gehen".
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