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Merkel lehnt Magna-Angebot ab: Opel-Konzepte enttäuschen Berlin

zuletzt aktualisiert: 24.05.2009 - 13:07

Berlin/Düsseldorf/München (RPO). Die Konzepte der potentiellen Opel-Investoren enttäuschen die Politik: Kanzlerin Angela Merkel (CDU) lehnte am Sonntag das Angebot von Magna ab. Der österreichisch-kanadische Zulieferer galt bislang als Favorit im Rennen um die Opel-Übernahme. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hält alle drei Konzepte für bislang nicht ausreichend. Derzeit hält er eine Insolvenz von Opel für die beste Option. Doch jetzt geht Fiat in die Offensive und verspricht den Erhalt fast aller Jobs in Deutschland.

Kein überzeugendes Konzept: Kanzlerin Merkel lehnte am Sonntag das Angebot des Zulieferers Magna für Opel ab.  Foto: ddp, ddp
Kein überzeugendes Konzept: Kanzlerin Merkel lehnte am Sonntag das Angebot des Zulieferers Magna für Opel ab. Foto: ddp, ddp

Sollte es bei der Streichung von 22.000 Stellen im Bochumer Opel-Werk bleiben, lehne sie das Magna-Konzept ab, sagte Merkel der "Bild am Sonntag". Auch Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zeigte sich von den Konzepten enttäuscht: "Uns liegen jetzt drei Angebote für eine Übernahme von Opel vor. Das bedeutet aber nicht, dass eines davon automatisch und zwingend zum Tragen kommt", sagte der CSU-Politiker der in einem Interview mit der Zeitung.

"Zuvor müssen wir eine hohe Sicherheit dafür haben, dass die erheblichen Steuermittel, die wir dafür einsetzen müssen, nicht verloren gehen. Diese Sicherheit gewährleistet bislang aus meiner Sicht noch keines der drei Angebote in ausreichender Weise", fügte zu Guttenberg in der "Bild am Sonntag" hinzu.

Bliebe es bei diesen Defiziten, "wäre eine geordnete Insolvenz die klar bessere Lösung - auch sie könnte Chancen für die Zukunft Opels eröffnen", sagte der Minister weiter.

Doch Fiat lässt nicht locker und geht in die Offensive: Fiat-Chef Sergio Marchionne versprach in der "Bild am Sonntag" mindestens 23.000 der 25.000 Opel-Arbeitsplätze in Deutschland zu erhalten, sollte Fiat den Zuschlag erhalten. Gleichzeitig warnte er vor den Risiken eines Verkaufs an Magna.

"Magna tut so, als hätten sie Russland entdeckt", sagte Marchionne dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". "Dabei kennen wir den dortigen Markt vermutlich besser." Der Konzernchef verwies darauf, dass der russische Automarkt in den letzten sechs Monaten um die Hälfte eingebrochen sei. "Die können die Opel-Halden nicht aufnehmen, ohne die einheimische Industrie zu gefährden", sagte Marchionne.

Wenn einer seiner Leute mir mit einem solchen Plan käme, wäre er am nächsten Morgen seinen Job los", sagte der Fiat-Chef. Zugleich warb er noch einmal für die Fusionspläne seines eigenen Konzerns. "Die Opel-Beschäftigten würden zur zweitgrößten Autogruppe Europas gehören, mit großen internationalen Wachstums- und Beschäftigungschancen, besonders durch die Allianz mit Chrysler", sagte Marchionne. Das Ingenieurstalent, das heute auf Opel beschränkt sei, wird dann sehr viel stärker international eingebracht werden können.

Kommt es nicht zu einem Einstieg bei Opel, will sich der Manager vorerst um keinen weiteren industriellen Partner in Europa bemühen. "Wenn Opel uns nicht will, werde ich deshalb nicht in Depression verfallen", sagte Marchionne. Der Fiat-Chef stellte klar: "Ich bettle nicht."

SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier warnte bei einer Wahlkampfveranstaltung in München davor, Opel an den "Erstbesten zu verschachern". Vielmehr müsse ein "vernünftiges Konzept" gesucht werden, sagte Steinmeier am Sonntag. Dann könne Opel auch wieder eine Zukunft haben.

Der Vizekanzler und Außenminister bezeichnete es als das Verdienst der SPD, dass es überhaupt noch eine Chance für Opel gibt. Er kritisierte, "ganz schlaue Leute" hätten in diesem Zusammenhang gesagt, man müsse auch den Mut haben, ein Unternehmen insolvent gehen zu lassen. Ohne den Widerspruch der SPD "würden heute an den Opel-Toren schon die schwarzen Fahnen wehen".

Im Übernahmepoker um Opel hatte Magna am Freitag weitere Details zu seinem Konzept genannt, während Fiat mit einem erweiterten Angebot sein Interesse bekräftigte. Magna will 700 Millionen Euro in Opel investieren, die Summe soll teils von der Bundesregierung garantiert werden. Ein "Spiegel"-Bericht, wonach Magna die Übernahme der Opel-Pensionslasten auf den Bund abwälzen will, wurde dementiert.


 
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