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  Foto: AP, AP
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Experten sehen Schritt kritisch: Opel-Mutter GM beantragt Börsengang

zuletzt aktualisiert: 19.08.2010 - 06:33

New York/Detroit (RPO). Gut ein Jahr nach der überstandenen Insolvenz strebt der einst weltgrößte Autobauer General Motors wieder an die Börse. Die Opel-Mutter reichte am Mittwoch ihren Antrag für ein Listing in New York und Toronto ein, nannte dabei aber kaum finanzielle Details.

Experten indes erwarten ein Platzierungsvolumen von bis zu 20 Milliarden Dollar, womit der Börsengang einer der größten der Wirtschaftsgeschichte wäre. Die US-Regierung, die GM 2009 mit rund 50 Milliarden Dollar Steuergeldern vor dem Aus gerettet hatte, wird im Zuge des Vorhabens ihren Anteil an dem Autobauer auf unter 50 Prozent senken dann dort weniger Einfluss haben.

Beobachter erwarten die Erstnotiz an den Börsen noch vor den US-Kongresswahlen im November. Sollte der Börsengang gut verlaufen, könnte sich US-Präsident Barack Obama unmittelbar vor der Wahl als erfolgreicher Krisenmanager präsentieren. Experten warnen aber, GM gehe in einer Zeit an die Börse, in der die Wirtschaftaussichten unsicher sind und der Weltmarkt für Autos anfällig für einen erneuten Abschwung ist.

Volumen von nur 100 Millionen Dollar

Den Unterlagen vom Mittwoch zufolge beantragte GM einen Börsengang im Volumen von lediglich bis zu 100 Millionen Dollar. In Kreisen hieß es, diese Summe spiegele nicht das Volumen wider, das GM bei der Notierung anstrebe. Wie viele Aktien GM tatsächlich ausgegeben werden sollen und was sie kosten könnten, teilte GM nicht mit.

Analysten erklärten, das Volumen werde auch von der Nachfrage der Investoren abhängen, die bislang noch weitgehend unklar sei. Zudem müsse bedacht werden, dass GM erst seit zwei Quartalen wieder Gewinne schreibe. Der Handel an den Börsen wird Kreisen zufolge zwischen Ende Oktober und dem Thanksgiving-Feiertag in den USA am 25. November erwartet.

GM war im Juni 2009 in die Insolvenz gegangen, hatte dies aber schon eineinhalb Monate später wieder hinter gelassen. Durch die Insolvenz hatte sich GM 40 Milliarden Dollar Schulden entledigt. Der Konzern hat zudem in einer Rosskur Kosten gesenkt, Werke geschlossen und Marken wie Pontiac, Saab und Hummer fallen gelassen. Gleichwohl benötigt GM Geld, etwa für den Umbau bei seiner verlustbringenden deutschen Tochter Opel und die Bedienung von Pensionsansprüchen.

Mit dem IPO-Projekt "Morgendämmerung" will die Opel-Mutter auch Schulden beim Staat zurückzahlen. Obama wird Beobachtern zufolge versucht sein, die GM-Rettung als finanziellen Erfolg zu werten. Die Öffentlichkeit hat sein Eingreifen 2009 mit Skepsis verfolgt.

Großes Risiko des Scheiterns

Die Regierungen der USA und Kanadas - auch dort ist GM ein wichtiger Arbeitgeber - hatten GM damals mit Milliarden an Steuergeldern vor dem Aus gerettet und halten seither die Mehrheit an der einstigen Industrie-Ikone. Die US-Regierung hatte insgesamt etwa 50 Milliarden Dollar in das Unternehmen gepumpt. 43 Milliarden davon wurden in GM-Anteile ungewandelt, die Regierung besitzt seitdem 61 Prozent. Kanada bekam knapp zwölf Prozent. Anteile erhielt auch die Automobilgewerkschaft UAW im Gegenzug für einen Verzicht auf Sozialleistungen.

GM hatte wiederholt erklärt, den Rückzug der Regierungen anzustreben, um nicht mehr länger als "GM - Government Motors" belächelt zu werden und zudem neuen Schub im Geschäftsbetrieb zu gewinnen. Die US-Regierung wird aber auch dann noch Macht bei GM haben, wenn ihr Anteil auf unter 50 Prozent fällt. So wird sie die Ernennung von Vorständen und deren Bezahlung ebenso beeinflussen können wie die Firmenstrategie und Fragen im Umgang mit den Mitarbeitern und Gewerkschaften.

Analysten halten einen GM-Börsenwert nach einem Listing von bis zu 80 Milliarden Dollar für denkbar, auch in Anlehnung an den kleineren Rivalen Ford, der mit 40 Milliarden Dollar bewertet ist. Der weltgrößte Autobauer Toyota aus Japan ist an der Börse aktuell rund 121 Milliarden Dollar wert. Um die gesamten 43 Milliarden Dollar Steuergelder, die die US-Regierung in GM-Anteile investiert hat, wieder zurückzubekommen, müsste die Börsenbewertung bei rund 70 Milliarden Dollar liegen.

Konsortialführer bei dem Börsengang sollen GM zufolge die Banken Morgan Stanley, JPMorgan, Bank of America Merrill Lynch und Citigroup sein. Erwartet wird, dass GM unter seinem einstigen Börsenkürzel "GM" gelistet wird.

Experten sehen den Börsengang skeptisch. "Ich glaube, das Risiko eines Scheiterns bei dem IPO ist größer als das, weiterhin als 'Government Motors' bezeichnet zu werden", sagte Brad Coulter, Spezialist für Restrukturierungen bei O'Keefe & Associates. Der Präsident der Automotive Consulting Group, Dennis Virag, äußerte sich ähnlich: "Ich glaube nicht, dass jetzt eine gute Zeit für einen Börsengang ist.

Quelle: RTR/nbe

 
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