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"Fiat hätte uns platt gemacht": Opelaner freuen sich über Magna-Übernahme

zuletzt aktualisiert: 01.06.2009 - 13:44

Rüsselsheim (RPO). "Wir waren alle für Magna" - mit Sätzen wie diesen bringen Opel-Mitarbeiter ihre Meinung auf den Punkt. Die Stimmung ist positiv, die Mitarbeiter sind erleichtert über die vorläufige Rettung. Auch Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz atmet erst einmal tief durch: "Es war eine Zitterpartie", sagte er. Wieviele Arbeitsplätze erhalten bleiben, ist noch unklar.

Über Tor 60 in der Nähe des Rüsselsheimer Zentralgebäudes geht langsam die Sonne auf. Der Parkplatz ist voll, an einigen Autos wehen gelbe Fahnen mit der Aufschrift "Wir sind Opel". Ein Dutzend Arbeiter der Sonderschicht eilt durch die Drehkreuze. "Heute gehe ich voller Hoffnung auf die Arbeit", strahlt Maigorzata Astheimer. Die 33-Jährige arbeitet seit zwei Jahren im Opelwerk.

Eine Zukunft mit dem österreichisch-kanadisch-russischen Konsortium sei für Opel einfach die beste, meint die Arbeiterin: "Wir waren alle für Magna." Angst um ihren Arbeitsplatz habe sie zwar nicht gehabt, aber erleichtert sei sie nun: "Ich fühle mich mit Magna besser als mit Fiat." Dass schon in der nächsten Zeit Personal abgebaut werden könnte, glaubt sie nicht.

"Fiat hätte uns platt gemacht"

Josip Papic hält das dagegen für wahrscheinlich. "Schauen wir mal, wie viele Arbeitsplätze erhalten bleiben", sagt er voller Skepsis. Er ist seit 29 Jahren Opelaner und in der Fachabteilung Facility Management tätig. Vor Arbeitsbeginn um 05:45 Uhr hat er noch nichts von der Einigung mit Magna gehört, überrascht wirkt er aber nicht. "Das war die beste Entscheidung von den dreien. Magna war unser Favorit, weil die das beste Konzept hatten", freut sich der 45-Jährige. "Fiat hätte uns platt gemacht, die wollten eigentlich nur an unsere Technologie." Und auch er gebraucht das Wort seines Betriebsratschefs: Eine Zitterpartie seien die vergangenen Tage gewesen.

"Da wollten sich ein paar Politiker profilieren"

Mit der Arbeit der Bundesregierung ist der Opelaner alles andere als zufrieden: "Da wollten sich ein paar Politiker auf unsere Kosten profilieren, das hätte man auch ein bisschen eleganter lösen können", meint Papic. Besonders für Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der bis zuletzt für eine Insolvenz votierte, hat er kein Verständnis: "Wir haben Aufträge, es sind 100.000 Autos vorbestellt und es läuft gut."

Auch der Opelaner Eduard Deckel versteht die Welt nicht, wenn von Werksschließungen die Rede ist: "Wir arbeiten jeden Samstag, schaffen praktisch Tag und Nacht." Der 56-Jährige, der seit vielen Jahren in der Instandhaltung arbeitet, kann sich über mangelnde Arbeit nicht beklagen.

"Leute standen mit dem Rücken zur Wand"

Sein 51-jähriger Kollege kommt gerade von der Nachtschicht. Von der Opel-Rettung hat er dort im Radio erfahren, seine Reaktion ist noch zurückhaltend: "Eigentlich heißt es ja, neue Besen kehren gut, aber mal gucken, was sie machen", sagt er. Mit der Entscheidung ist er trotzdem zufrieden und froh, dass nicht Fiat den Zuschlag bekommen hat: "Die fahren doch dieselbe Palette wie wir." Die Angst um den Arbeitsplatz sei in den vergangenen Wochen immer größer geworden, berichtet er. "Es gibt Leute, die haben ein Haus gekauft und mit dem Rücken an der Wand gestanden."

Das weiß auch Betriebsratschef Klaus Franz: Er bedankte sich bei allen Mitarbeitern, "dass sie diesem Druck standgehalten haben über die letzten Monate, der auf sie eingeprasselt ist". Trotz all der Ungewissheiten hätten sie immer treu zum Unternehmen gestanden, betont er.

Kort Ödemis ist noch müde und in Eile, er will nicht zu spät kommen. Vom in der Nacht ausgehandelten Vorvertragsabschluss mit Magna zeigt sich der der 22-Jährige völlig überrascht, dass sein Arbeitsplatz nun wohl vorerst gerettet ist, findet er "cool". Kaum ist er durch das Drehkreuz getreten, überbringt er einem Kollegen die gute Neuigkeit.

Quelle: AP

 
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