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Laut IWH: Ostdeutschland leidet stärker unter Krise

zuletzt aktualisiert: 01.08.2009 - 10:02

Leipzig/Landau (RPO). Die globale Finanzkrise hat Ostdeutschland nach Einschätzung von Konjunkturexperten wesentlich stärker erfasst als bislang angenommen. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) sagt allein für die Industrie in den neuen Ländern einen Rückgang von mehr als 15 Prozent in diesem Jahr voraus. Für Gesamtdeutschland gibt es dagegen positive Nachrichten.

Insgesamt werde die Produktion 2009 um 4,5 Prozent sinken und damit unter den Stand von 2006 zurückfallen, heißt es nach einem Bericht der "Leipziger Volkszeitung" in der jüngsten IWH-Einschätzung, die in der kommenden Woche veröffentlicht werden soll.

Demnach setzt der weltweite Nachfrageeinbruch vor allem dem verarbeitenden Gewerbe als bisherigem Wachstumsführer immer stärker zu. Auch die ostdeutschen Ausfuhren stiegen dem Bericht zufolge 2008 mit sieben Prozent nur noch halb so stark wie in den vorangegangenen fünf Jahren. Der Abwärtstrend bei der Zahl der Erwerbstätigen, die im vierten Quartal 2008 um 13.000 Personen zurückgegangen sei, setzte sich laut IWH 2009 ebenfalls fort. Allein in den ersten drei Monaten diesen Jahres verloren demnach weitere 36 000 Beschäftigte ihren Job.

Insgesamt sei das Stellenangebot in der ostdeutschen Wirtschaft dramatisch eingebrochen, heißt es der Zeitung zufolge in dem IWH-Papier. Es habe im vergangenen Jahr rund 18 Prozent unter dem Vorjahresniveau gelegen. Für die zweite Jahreshälfte drohe eine weitere deutliche Verschlechterung. Viele Unternehmen, die zur Kurzarbeit übergegangen seien, müssten nun ihren Personalbestand anpassen. Die Arbeitslosenquote werde von 13,3 Prozent im vergangenen Jahr 2009 auf 14 Prozent zunehmen. Würde die Zahl der Pendler in die alten Länder mit hinzugerechnet, fehlten im Osten mehr als 1,65 Millionen Arbeitsplätze.

IWH-Ost-Experte Udo Ludwig rechnet aber dennoch mit keinem Dammbruch. Hätte eine derartige globale Rezession die ostdeutschen Wirtschaft vor zehn Jahren getroffen, wären die Folgen weitaus dramatischer gewesen, sagte Ludwig der Zeitung.

Deutschland über dem Berg

In der gesamten Bundesrepublik wird sich die Krise nach Überzeugung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) nicht weiter verschärfen. Die Auftragseingänge und auch die Produktionszahlen gingen wieder nach oben, sagte IW-Direktor Michael Hüther der "Rheinpfalz am Sonntag". Auch der Rückgang der offenen Stellen habe sich deutlich verlangsamt. Zudem seien die Milliarden aus den Konjunkturpaketen bislang weitgehend noch nicht zur Wirkung gekommen.

Als ein deutliches Zeichen, dass die Talsohle der Krise durchschritten ist, bewertete Hüther die Ankündigung von immer mehr Unternehmen, die Kurzarbeit zu halbieren oder im zweiten Halbjahr ganz darauf zu verzichten. Daher geht der IW-Chef davon aus, dass das laufende Wirtschaftswachstum ab dem zweiten Quartal diesen Jahres nicht weiter im Minus verbleiben wird. Für das kommende Jahr prognostizierte Hüther eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von einem halben bis einen Prozentpunkt.

In diesem Jahr sei allerdings angesichts der Vorbelastung aus 2008 und dem extrem schwachen ersten Quartal im Jahresdurchschnitt mit einem Minus von mindestens 4,5 Prozent zu rechnen. Die Vorhersage der Bundesregierung von einem Rückgang von sechs Prozent markiere die Obergrenze, sagte Hüther. Steigerungsraten von zwei Prozent und mehr seien jedoch erst nach 2010 wieder erreichbar, wenn die Banken ihre Bilanzkorrekturen abgeschlossen hätten.

Quelle: AP/sdr

 
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