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Peugeot will sein Geld zurück
PSA-Chef wirft Opel Täuschung bei Abgasstrategie vor

Paris: Peugeot fordert Rückzahlung von Opel für schmutzige Motoren
Ein Opel Grandland X steht vor der Opel-Zentrale in Rüsselsheim (Hessen). FOTO: dpa, ade gfh
Paris. Rund vier Monate nach der Opel-Übernahme will der Autobauer PSA Peugeot Citroen Insidern zufolge rund die Hälfte des Kaufpreises vom früheren Eigner General Motors zurück. Beide Konzerne wollten sich selbst nicht äußern.

PSA fordere von den Amerikanern mehr als 500 Millionen Euro zurück. Das meldete die Narichtenagentur "Reuters" unter Berufung auf mehrere Insider. PSA hatte den chronisch defizitären Rüsselsheimer Autobauer Opel im Sommer übernommen - mit dem Ziel, die Marke mit dem Blitz bis spätestens 2020 in die schwarzen Zahlen zu führen. Bezahlt hatten die Franzosen rund 1,3 Milliarden Euro. 

Den Insidern zufolge geht PSA davon aus, dass GM während der Verkaufsverhandlungen Opels Probleme beim Thema CO2 falsch dargestellt hat. Die Franzosen hätten den Amerikanern deshalb mitgeteilt, dass sie mehr als eine halbe Milliarde Euro zurückfordern wollten. Entsprechende rechtliche Schritte seien beabsichtigt. Die beiden Unternehmen hätten über das Thema gesprochen.

Eine unschöne Überraschung für PSA schilderten zwei Insider im Detail: Opel habe einen Plan zur Einhaltung der Abgasvorschriften verfolgt, der auf hohen Absatzzahlen des Elektroautos Ampera-e basiert habe - bei einem Verlust von annähernd 10.000 Euro pro verkauftem Fahrzeug. "Ihre technische Lösung war unrentabel und hätte zu enormen Verlusten geführt", sagte ein Insider. Stoppe man allerdings die Produktion des E-Modells, "explodieren die Abgaswerte der Flotte".

"Kein Kommentar"

Der französische Autobauer PSA hat sich nicht zu einem Medienbericht geäußert, wonach er einen Teil des Kaufpreises für Opel vom amerikanischen Konzern General Motors zurückfordern will. "Kein Kommentar von unserer Seite", teilte ein PSA-Sprecher am Mittwoch auf Anfrage in Paris mit.

Auch Opel äußerte sich auf Anfrage nicht zu dem Bericht. PSA hatte Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall im Sommer für 1,3 Milliarden Euro von GM übernommen.

PSA-Chef Tavares hatte zuletzt mehrfach öffentlich die CO2-Bilanz von Opel kritisiert, wo der Flottendurchschnitt zuletzt bei 127 Gramm CO2 pro Kilometer lag. PSA kommt nach eigenen Angaben auf 101 Gramm. Von 2020 an sind 95 Gramm vorgeschrieben.

Es drohen hohe Strafzahlungen

Angesichts von Dieselkrise und strenger werdenden CO2-Vorschriften haben die meisten Hersteller zuletzt bei der Elektromobilität kräftig Gas gegeben und eine Fülle neuer Modelle angekündigt. Volkswagen beispielsweise will bis zum Jahr 2025 Weltmarktführer bei E-Autos werden und investiert mehr als 70 Milliarden Euro in saubere Fahrzeuge.

Erreicht ein Hersteller die CO2-Ziele nicht, laufen schnell Hunderte Millionen Euro an Strafzahlungen auf. Die EU-Kommission hatte erst Anfang des Monats eine weitere Absenkung der Grenzwerte um 30 Prozent bis 2030 gefordert. Den Insidern zufolge könnte Opel die CO2-Ziele um mehr als zehn Gramm verfehlen - weit mehr, als die "leichte Überschreitung", von der in den Verkaufsverhandlungen die Rede gewesen sei. Für den Fall, dass Opel soweit über den Grenzwerten läge, drohten Strafen von fast einer Milliarde Euro. 

(laha/dpa/reu)
 
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