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Neue Regeln in der Apotheke seit 1. September: Patienten müssen bei 3000 Medikamenten zuzahlen

VON ANTJE HÖNING UND EVA QUADBECK - zuletzt aktualisiert: 01.09.2010 - 10:32

Düsseldorf (RP). Seit dem heutigen 1. September gelten neue Regeln in der Apotheke. 3000 Medikamente sind von nun an nicht mehr von der Zuzahlung befreit. Damit steigen durch die Gesundheitsreform die Belastungen für die gesetzlich Versicherten weiter.

Kassenpatienten müssen sich darauf einstellen, dass sie ab heute häufiger für ihre Medikamente in der Apotheke zuzahlen müssen. Der Grund ist, dass zum heutigen Stichtag rund 3000 Medikamente aus der Zuzahlungsbefreiung herausfallen.

Dazu zählen laut Apothekerverband unter anderem verschiedene Blutdruckmittel (ACE-Hemmer), Antidepressiva (wie Doxepine), Migränemittel und Prostata-Mittel (wie manche Terazosine). Thomas Preis, Chef des Apothekerverbands Nordrhein, erwartet viel Ärger in den Apotheken: "Plötzlich müssen Patienten für ein Medikament zuzahlen, das sie bislang kostenfrei erhalten haben", sagte Preis unserer Redaktion. Das sei besonders für chronisch Kranke, die regelmäßig Arzneien nehmen müssten, ärgerlich und teuer. Auf die Apotheken komme viel Beratungsaufwand zu.

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Internet Die aktuelle Liste mit allen zuzahlungsfreien Arzneimitteln findet man unter aponet.de.

Preis rät betroffenen Patienten, beim Apotheker nachzufragen, ob es nicht alternativ ein zuzahlungsfreies Mittel eines anderen Herstellers gibt. Da manchmal auch nur bestimmte Packungsgrößen von der Zuzahlung betroffen sind, lohnt es sich auch, beim Arzt nachzufragen, ob der nicht eine größere oder kleinere Packung aufschreiben kann, die weiter frei ist.

Laut Apothekerverband sind ab heute 5500 von 30.000 Arzneimitteln, die einem Festbetrag unterliegen, von der Zuzahlung befreit. Das sei nicht mal jede fünfte Packung. Vor einem Jahr war es noch mehr als jede dritte Packung. Wenn ein Medikament zuzahlungspflichtig ist, muss der Patient zehn Prozent des Preises tragen, und zwar mindestens fünf Euro und höchstens zehn Euro.

Ursache für die deutlich geringere Zahl an zuzahlungsfreien Artzneien sind schwankende Festbeträge für die Arzneien, wie ein Sprecher des Spitzenverbandes der Krankenkassen erklärte. Der Verband bestimmt die Festbeträge für die Medikamente.

Wenn ein Hersteller diesen Preis um 30 Prozent unterschreitet, muss der Versicherte in der Apotheke keine Zuzahlung leisten. Die Krankenkassen haben keine schwankenden Einnahmen. Sie profitieren entweder von der Zuzahlung ihrer Versicherten oder von den niedrigen Preisen der Pharma-Hersteller.

Für die Versicherten ist die Regelung sehr unübersichtlich: Da die Festbeträge immer wieder neu angepasst werden, fallen auch immer wieder Arzneien aus der Zuzahlungsbefreiung heraus. Wenn der Hersteller seinen Preis dann erneut senkt, können die Medikamente wieder in die Zuzahlungsbefreiung rutschen. Die Pharma-Produzenten können die Preise alle 14 Tage neu festlegen.

Zurzeit ist die Lage für die Versicherten, die regelmäßig auf Medikamente angewiesen sind, sehr unkomfortabel. Denn die Zahl der zuzahlungsfreien Medikamente ist deutlich unter die Schwelle normaler Schwankungen gefallen. Weniger als 5500 zuzahlungsfreie Arzneien gab es zuletzt im Oktober des Jahres 2006.

Quelle: RP

 
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