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Brasilianischer Ölkonzern
Petrobras mit Milliardenverlust wegen Korruptionsskandal

Petrobras mit Milliardenverlust wegen Korruptionsskandal
FOTO: ap
Rio de Janeiro. Mit der Veröffentlichung einer Bilanz der Korruptionsaffäre bei Petrobras will der brasilianische Ölkonzern ein neues Kapitel aufschlagen. Wie Petrobras am Mittwoch in Rio de Janeiro mitteilte, kostete die Korruptionsaffäre den Staatskonzern im vergangenen Jahr 6,2 Milliarden Real (etwa 1,9 Milliarden Euro).

Insgesamt habe der Konzern 2014 Verluste in Höhe von 21,6 Milliarden Real eingefahren. Der neue Petrobras-Chef Aldemir Bendine warb um Vertrauen. Das Unternehmensvermögen sei um 44,6 Milliarden Real geschrumpft, teilte Petrobras mit. Seit November war das Unternehmen Auskünfte darüber schuldig geblieben, welche Kosten der Korruptionsskandal verursacht hatte. Das hatte zu einem Kurssturz der Petrobras-Aktien geführt.

Nun präsentierte der Konzern die Ergebnisse, die von der Unternehmensberatung PriceWaterhouseCoopers bestätigt wurden. Die Veröffentlichung der Zahlen sei "ein fundamentaler Schritt in Richtung einer vollständigen Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit des Unternehmens", sagte der neue Petrobras-Chef Bendine bei einer Pressekonferenz.

"Von nun an garantiert Petrobras wieder die Normalität seiner Beziehungen zu den Investoren", versicherte Bendine, der das Unternehmen seit Februar leitet. Die Veröffentlichung der Zahlen von 2014 erfolge daher "mit Transparenz und Klarheit". Die nächste Herausforderung sei nun die Erstellung eines Geschäftsplans für die kommenden fünf Jahre, der binnen 30 Tagen veröffentlicht werden solle. Petrobras hat mit Schulden von umgerechnet rund 130 Millionen Euro zu kämpfen.

Von 2004 bis 2012 sollen 27 Firmen, zumeist große Baukonzerne, an Petrobras Schmiergeld gezahlt haben, um an lukrative Aufträge zu kommen. Der Ölkonzern soll zudem Auftragssummen durch illegale Aufschläge aufgebläht haben. Die dadurch erzielten Mehreinnahmen sollen an andere Unternehmen weitergeleitet worden sein.

Nachdem das Geld auf diese Weise gewaschen wurde, wurde es nach Angaben der Ermittler als Bestechungsgeld ausgezahlt. Bei der Berechnung der Unternehmensverluste durch den Skandal legte Petrobras künstliche Aufschläge von drei Prozent zugrunde. In den Skandal sind auch Regierungskreise verstrickt. Gegen 13 Senatoren, 22 Abgeordnete, zwei Gouverneure und mehrere frühere Kabinettsmitglieder wird ermittelt.

Einem ehemaligen Petrobras-Manager zufolge erhielt die Arbeiterpartei von Staatschefin Dilma Rousseff bis zu 200 Millionen Dollar (etwa 185 Millionen Euro) an Schmiergeldern von dem Staatskonzern. Insgesamt geht es in der Affäre um rund 3,8 Milliarden Dollar. Rousseff selbst saß dem Petrobras-Aufsichtsrat in den Jahren 2003 bis 2010 vor. Sie versichert aber, keine Kenntnis von den Vorgängen gehabt zu haben.

Im ersten Urteil gegen einen früheren Petrobras-Manager wurde gegen Paulo Roberto Costa am Mittwoch Hausarrest bis Oktober 2016 verhängt. Der Ex-Manager wurde wegen Geldwäsche und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung verurteilt. Er soll zudem sechs Millionen Dollar zurückzahlen. Costa hatte mit den Ermittlern zusammengearbeitet und damit eine Gefängnisstrafe von bis zu sieben Jahren abgewendet.

 

(AFP)
 
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