Bilanz: Pharmakonzern Schering mit Rekordjahr 2005
zuletzt aktualisiert: 20.02.2006 - 16:53Berlin (rpo). Der Pharmakonzern Schering hat im Jahr 2005 seinen Gewinn deutlich gesteigert und blickt auf das beste Jahr der Unternehmensgeschichte zurück. Der Umsatz kletterte um acht Prozent und durchbrach mit 5,308 Milliarden Euro erstmals die Fünf-Milliarden-Marke. Das Betriebsergebnis wuchs um 21 Prozent auf 928 Millionen Euro und der Konzerngewinn um 23 Prozent auf 619 Millionen Euro.
Vorstandschef Hubertus Erlen sagte am Montag, Schering wolle auch 2006 dynamisch wachsen, und zwar beim Umsatz im "mittleren bis hohen einstelligen Bereich". Die operative Marge - ein Gradmesser für die Ertragskraft - verbesserte sich auf 17,5 Prozent und liegt nahe den für 2006 angepeilten 18 Prozent. Bis 2008 soll sie weiter auf 20 Prozent steigen, wie Erlen als neues Ziel ausgab.
Das Ergebnis je Aktie stieg um 23 Prozent auf 3,26 Euro. Die Börse honorierte die Jahresbilanz: Bis zum späten Nachmittag legte das Schering-Papier um gut 3,4 Prozent auf 58,48 Euro zu.
Zu den Wachstumstreibern in der Bilanz gehörte das traditionell umsatzstärkste Schering-Produkt, das Multiple-Sklerose-Präparat Betaferon. Es verbuchte ein Umsatzplus von zehn Prozent. Die Anti-Baby-Pille Yasmin legte 2005 sogar um 34 Prozent zu. "Sie ist das Verhütungsmittel Nummer eins in der Welt", sagte Erlen. Beide Produkte trugen auch maßgeblich zu den Steigerungsraten in den USA (plus 13 Prozent), Lateinamerika/Kanada (plus 9 Prozent) sowie Asien/Pazifik (plus 7 Prozent) bei. In Europa wuchs das Geschäft hingegen nur um fünf Prozent.
Trotz der glänzenden Zahlen schrumpfte das Personal weltweit um vier Prozent auf 24.658. Laut Erlen wurden allein im Werk Bergkamen 680 Stellen abgebaut, der Großteil jedoch sozialverträglich. Der Stellenabbau sei damit zunächst beendet, doch werde es je nach Geschäftsentwicklung ein Plus und Minus in den verschiedenen Regionen geben, sagte er.
Angesichts der guten Geschäfte will der Vorstand der Hauptversammlung am 19. April vorschlagen, eine Dividende von 1,20 Euro auszuschütten. Das sind 20 Cent mehr als im Vorjahr. Schering kündigte zugleich das größte Aktienrückkaufprogramm in der Firmengeschichte an. Vom 1. März bis zum 30. September sollen Aktien im Wert bis zu 500 Millionen Euro über die Börse erworben werden.
Erlen sagte, mit dem Aktienrückkaufprogramm und der Dividende würden rund 700 Millionen Euro an die Aktionäre zurückgeben. "Damit setzen wir unsere aktionärsorientierte Ausschüttungspolitik fort, ohne den finanziellen Spielraum für mögliche Akquisitionen maßgeblich einzuschränken."
Kasse für Zukäufe gefüllt
Die Kasse für Zukäufe ist gefüllt: Bei einer Eigenkapitalquote von 54 Prozent verfügt Schering über liquide Mittel in Höhe von knapp einer Milliarde Euro. Zu Gerüchten über mögliche Kooperationen mit den Pharmafirmen Merck oder Altana sagte Finanzvorstand Jörg Spiekerkötter allerdings, er sehe darin keinen Sinn, weil sich Schering auf seine Kerngeschäftsfelder konzentriere: "Wir sind keine Konglomeratsspieler."
Schering will zudem mittelfristig von der Chiron Corporation alle zur Herstellung des Topprodukts Betaferon notwendigen Produktrechte kaufen. Nach dieser Transaktion würde Schering den Liefervertrag mit Chiron beenden und Lizenzkosten entfielen. Zu einem möglichen Kaufpreis und dem Zeitplan wollte sich Erlen nicht konkret äußern. Dies gehe sicher "nicht schnell" und es bestehe kein Zeitdruck, weil der Vertrag bis 2008 ein "stabiles Lieferverhältnis" garantiere.
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