Volkswagen: Piëch als Aufsichtsratschef wiedergewählt
zuletzt aktualisiert: 19.04.2007 - 21:24Hamburg (RPO). Volkswagen-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch bleibt für weitere fünf Jahre im Amt. Er wurde einstimmig bis April 2012 gewählt. Zuvor hatten die Aktionäre Piëch auf der Hauptversammlung scharf kritisiert. Der Aufsichtsratschef hatte erstmals eingeräumt, die Wahl Bernd Pischetsrieders zum Konzernchef sei ein Fehler gewesen.
Piëchs Wiederwahl galt trotz der Kritik der Aktionäre als sicher. Piech hat den Vorsitz im Aufsichtsrat des Konzerns 2002 übernommen. Zuvor war er Vorstandsvorsitzender des Unternehmens.
Er habe Pischetsrieder bei seinem Abgang als VW-Chef 2002 selber als seinen Nachfolger vorgeschlagen, sagte Piëch am Donnerstag vor den Aktionären in Hamburg: "Zu spät habe ich erkannt, den Falschen gewählt zu haben". Mit Mühe habe er diese Entscheidung im November vergangenen Jahres korrigiert und Audi-Lenker Martin Winterkorn hinter das VW-Steuer gesetzt.
Wegen dessen Machtfülle haben die Aktionäre von Volkswagen den Porsche-Enkel Piëch scharf kritisiert. Es gebe "unüberbrückbare Interessenskonflikte", sagte Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) auf der Hauptversammlung. Er spielte damit auf die Verflechtungen von Piëchs Familienclan mit dem Sportwagenbauer und neuen Großaktionär Porsche an.
Der britische Pensionsfonds Hermes forderte massiv Piëchs Rücktritt. Die Wiederwahl des Österreichers, der am Dienstag 70 Jahre alt geworden ist, galt angesichts der Stimmmacht von Porsche und dem Land Niedersachsen dennoch als sicher.
Es sei "katastrophal", wie Konzernchef Bernd Pischetsrieder auf Betreiben von Piëch im vergangenen Jahr abgesägt worden sei, sagte Aktionärsschützer Hocker und erntete dafür den Applaus der anwesenden Kleinaktionäre. Pischetsrieder hatte kurz vor seiner Entlassung noch einen neuen Fünf-Jahres-Vertrag erhalten. Der Aufsichtsrat sei "damals überzeugt" gewesen, dass Pischetsrieder "weiterhin das Unternehmen leiten sollte", sagte Piëch. "Davon waren wir später nicht mehr überzeugt." Der einstige Konzernchef ist weiterhin bei Volkswagen zu seinem alten Gehalt beschäftigt.
Die Erfolge des größten europäischen Autobauers und der rasante Kursanstieg des vergangenen Jahres besänftigten die Anteilseigner. Die Kursverdopplung sei jedoch zum Großteil "hausgemacht" durch den Einstieg von Porsche und daraus folgende Übernahmephantasien, warnte Hans-Christoph Hirt vom größten britischen Pensionsfonds Hermes.
Die VW-Aktionäre hatten im zurückliegenden Jahr viel zu verdauen. Nicht nur, dass der Sportwagen-Bauer Porsche zum größten Aktionär des Unternehmens aufgestiegen ist und inzwischen sogar ein offizielles Übernahmeangebot vorgelegt hat. Zugleich ist auch absehbar, dass das Land Niedersachsen seine gesetzlich verankerte Sonderstellung bei VW verlieren wird.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum
