Trotz Kritik der Aktionäre: Piëch in MAN-Aufsichtsrat gewählt
zuletzt aktualisiert: 10.05.2007 - 16:27München (RPO). VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hat nun auch einen Sitz im Aufsichtsrat von MAN. Doch vor der Wahl hagelte es Kritik. Die Aktionäre werfen VW vor, mit MAN gespielt zu haben.
Schweigend hat Ferdinand Piëch die Rolle des Buhmanns auf der MAN-Hauptversammlung erduldet. Sieben Jahre nach dem Einstieg bei Scania sieht der VW-Aufsichtsratschef seinen Traum vom Aufstieg seines Autokonzerns zu einem Global Player auch im Lastwagengeschäft zum Greifen nahe.
Als größter MAN-Aktionär und mit Rückendeckung der Gewerkschaften konnte Piëch vor seiner Wahl zum Aufsichtsratschef des Münchner Lkw-Konzerns die wütende Kritik von Aktionärsschützern und Fondsmanagern einfach abperlen lassen. Er sitzt jetzt am Steuer.
Als einziger von 1.800 anwesenden MAN-Aktionären warb Stefano Laggetta für Piëchs Wahl - und hörte ein Pfeifkonzert als Echo. Viel Beifall bekam dagegen Harald Petersen von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Er warf VW vor, "mit MAN gespielt" zu haben beim gescheiterten Versuch, Scania zu übernehmen. Nicht MAN, sondern VW müsse den Ton angeben. Piëch habe den Arbeitnehmern im Aufsichtsrat Zusagen gemacht für ihre Stimmen bei seiner Wahl zum Chef des MAN-Kontrollgremiums und führe sich auf "wie die Axt im Walde", schimpfte der SdK-Vorstand.
Der DWS-Fonds-Banker und Corporate-Governance-Kommissionsmitglied Christian Strenger warf Piëch einen "defizitären Umgang mit guten Aktionärssitten" vor. VW wolle als "abgeschlagener Lkw-Hersteller mit an die Spitze" und MAN "auf die billige Tour unter seine Kontrolle bringen".
Auch Hermes-Fonds-Manager Hans-Christof Hürth rief dazu auf, Piëchs Wahl zu verhindern. "Sein Verständnis von Unternehmensführung und -kontrolle entspricht nicht allgemein anerkannten Prinzipien von Corporate Governance", sagte Hürth. Der MAN-Aufsichtsrat brauche bei den Verhandlungen über eine Lkw-Allianz mehr unabhängige Mitglieder.
Piëch schwieg. Es gebe "keine schriftliche Vereinbarung" zwischen Piëch und Gewerkschaftern, sagte der scheidende MAN-Aufsichtsratschef Ekkehard Schulz. "Es gibt keine Vereinbarung jeglicher Art", versicherte Gesamtbetriebsratschef und MAN-Aufsichtsratsvize Lothar Pohlmann mit hochrotem Kopf.
Er hatte noch im Januar VW vorgeworfen, keine Ahnung vom Lastwagengeschäft zu haben - "das sind keine echten Trucker", VW dürfe bei MAN nicht das Sagen bekommen. Nach einem Treffen aller Arbeitnehmervertreter mit Piëch im Februar aber sagte Pohlmann nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Piëch werde MAN nicht zerschlagen und die Mitbestimmung bei einer Fusion nicht antasten: "Das haben wir schriftlich."
Banker Strenger bezweifelte, dass es sich um eine Zeitungsente handle, und SdK-Vorstand Petersen legte Pohlmann den Rücktritt nahe: "So einen möchte ich nicht im Aufsichtsrat von MAN haben." Zugleich drohte der Aktionärsschützer Piëch mit einer Sonderprüfung und Haftungsforderungen.
Rasche Verhandlungen mit Scania erwartet
Die Stimmung der 1.800 anwesenden Kleinaktionäre zeigte auch der Beifall, mit dem sie MAN-Vorstandschef Hakan Samuelsson den Rücken zu stärken versuchten. Samuelsson hatte das beste Ergebnis der MAN-Unternehmensgeschichte vorgelegt und steuert auf neue Rekordmarken zu. Aber Piëch soll Wirtschaftszeitungen zufolge seine Ablösung planen. Samuelsson müsse bleiben, forderten Aktionärsvertreter einmütig unter großem Applaus.
Angesichts starker Geschäftszahlen geht Samuelsson mit breiter Brust in die neuen Verhandlungen. "Vor uns steht nun die gemeinsame Suche nach einem neuen Weg zur Kombination von Scania, dem Lkw-Geschäft von VW und MAN auf gleicher Augenhöhe, in der jede Marke ihre eigene Identität behält", sagte er. Das neue Unternehmen wäre Europas größter Lkw-Hersteller, aber immer noch weit zurück hinter dem Weltmarktführer DaimlerChrysler. Nur gemeinsam könnte das Trio auf den Wachstumsmärkten in Asien wirklich Fuß fassen.
Noch im Mai könnte VW neue Gespräche über den Lkw-Dreierbund starten, im Herbst könnte das Gerüst stehen, sagte der Analyst Gregor Claussen von der schwedischen SEB-Bank. Überlegungen von VW, auch sein renditeschwaches Geschäft mit Kleintransportern in das Bündnis einzubringen, würden wahrscheinlich am Widerstand der anderen Aktionäre von MAN und Scania scheitern.
Piëch und die anderen MAN-Vertreter legten ihre Pläne nicht offen. Piëch wurde in den Aufsichtsrat gewählt - wenn auch mit nur 73 Prozent der Stimmen.
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