VW bereitet Übernahme-Angebot vor: Piëch will auch MAN schlucken
VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 16.12.2009 - 08:10Düsseldorf (RP). Angeblich bereiten die Wolfsburger ein Übernahme-Angebot vor. Ist das der wahre Grund, warum Hakan Samuelsson den Chefsessel beim Lkw-Hersteller MAN so plötzlich räumen musste? Offenbar zieht Ferdinand Piëch wieder einmal Strippen.
Drei Wochen nach dem überraschenden Rücktritt von Hakan Samuelsson von der Spitze des Lkw-Bauers MAN rücken neue Insider-Informationen aus dem Top-Management die Personalie in ein neues Licht. Schien damals noch eine Schmiergeldaffäre Grund für die Demission gewesen zu sein, zeichnet sich jetzt ab: In Wahrheit zog wohl wieder einmal Ferdinand Piëch die Strippen.
Der ist nicht nur Chef des VW-Aufsichtsrates, sondern führt auch das Kontrollgremium bei MAN, seit der Lkw-Bauer den Wolfsburgern zu einem Drittel gehört. Offenbar stand Samuelsson Piëchs Plänen, MAN nach einem gescheiterten Versuch Ende 2007 nun doch noch geräuschlos mit dem schwedischen Konkurrenten Scania zu verschmelzen, im Weg. Die "Süddeutsche Zeitung" zitierte am Dienstag einen nicht namentlich genannten Führungsmanager von MAN, demzufolge VW ein Übernahme-Angebot an die MAN-Aktionäre vorbereitet.
Genau darüber soll Piëch nicht nur mit Samuelsson, sondern auch mit dem Ex-MAN-Finanzchef Karlheinz Hornung in Streit geraten sein. Die beiden wollten MAN die Börsennotierung erhalten, was Piëch aber nicht vorsieht. "Die beiden Manager waren Piëch wohl etwas zu selbstbewusst aufgetreten", sagte der MAN-Informant.
Obwohl die zuständige Staatsanwaltschaft öffentlich mehrfach erklärt hat, gegen keinen der geschassten MAN-Manager persönlich zu ermitteln, musste auch der Chef der Nutzfahrzeugsparte, Anton Weinmann, inzwischen seinen Hut nehmen. Der neue MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen führt das Amt zusätzlich. "Aus all dem geht hervor, dass die Korruptionsaffäre nur ein willkommener Vorwand für Piëch war, seine Gegenspieler bei MAN loszuwerden", sagt der Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer. Auch das erwartete Streichen vom Kurszettel, die Verkleinerung des Vorstandes und die Tatsache, dass der neue MAN-Chef sich nicht mehr "Vorstandsvorsitzender", sondern nur noch "Vorstandssprecher" nennen darf, erleichtern Piëchs "Durchregieren" bei MAN.
Nach einem Bericht der "FTD" soll es im MAN-Aufsichtsrat auch massiven Widerstand gegen Piëchs neue Ordnung gegeben haben, zumal das Gremium erst aus den Medien von den Personalien erfahren hat. Verhindern konnten die rebellischen Aufseher das Vorgehen aber nicht: Drei Mandate hat Piëch mit VW-Vertretern besetzt.
Fraglich ist, wie VW nach dem milliardenschweren Einstieg bei Suzuki und dem Kauf von Porsche nun auch noch die Übernahme von MAN finanzieren will. Schließlich bauen die Wolfsburger derzeit ein neues Werk in Nordamerika auf und bauen Kapazitäten in China, Indien, Südamerika und Russland aus. Eine Fremdfinanzierung der MAN-Übernahme wird aus Rating-Gründen ausscheiden.
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