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Neuss und Nettetal betroffen: Pierburg streicht 250 Jobs

VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 22.03.2007 - 07:32

Düsseldorf (RP). Pierburg will 250 Arbeitsplätze abbauen. Betroffen sind vor allem Nettetal und Neuss. Gleichzeitig will der Mutterkonzern Rheinmetall wegen der guten Geschäftszahlen die Dividende erhöhen und geht vom Zusammenschluss mit Krauss-Maffei aus.

Trotz überraschend guter Geschäftszahlen verlieren bei der Rheinmetall-Tochter Kolbenschmidt Pierburg bis Ende diesen Jahres 250 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Nach Angaben von Kolbenschmidt-Chef Gerd Kleinert sind davon 170 Beschäftigte an den Standorten Neuss und Nettetal sowie weitere 80 in Berlin betroffen.

„Wir müssen diese Arbeitsplätze ins Ausland verlagern“, gab Kleinert im Gespräch mit unserer Redaktion zu. Soeben hat der Automobil-Zulieferer mit 80 Mitarbeitern neue Produktionskapazitäten im tschechischen Usti aufgebaut. „Das werden bald 160 sein“, so Kleinert.

Die Standorte Neuss und Nettetal sollen weitgehend in Nettetal zusammengelegt werden. In Neuss werden Magnetventile und Vakuumpumpen produziert, „im wesentlichen Auslauf-Modelle“, so Kleinert. In Nettetal unterhält Pierburg eine Druckgießerei. An beiden Standorten zusammen sind derzeit noch 1339 Mitarbeiter beschäftigt, in Berlin 356. Die 251 Arbeitsplätze im vierten deutschen Pierburg-Werk im ostdeutschen Hartha stehen nicht zur Disposition.

Ein IG-Metall-Sprecher reagierte gestern gegenüber unserer Zeitung überrascht auf die Pläne. „Das Unternehmen wollte in Neuss und Nettetal zunächst überhaupt nicht mehr produzieren“, erinnert sich Wolfgang Nettelstroth. „Aber gemeinsam mit dem Betriebsrat und den Beschäftigten haben wir erreicht, dass die Standorte gesichert werden.“ Seines Wissens liefen die Verhandlungen über den Stellenabbau noch. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es zu einem Abbau in dieser Größenordnung kommt.“

Was genau aus den 250 Betroffenen wird, weiß Kleinert noch nicht. „Eventuell regeln wir das über eine Auffanggesellschaft“, so Kleinert gegenüber unserer Redaktion.

Rheinmetall-Konzernchef Klaus Eberhardt rechtfertigte die Verlagerung von deutschen Jobs ins Ausland mit dem „hohen Niveau sowohl der Steuern als auch der Löhne“ in Deutschland. Schließlich ginge es auch darum, zur Sicherung der in Deutschland verbleibenden Jobs die Kosten zu senken.

Die Bilanz 2006, die Eberhardt gestern vorstellte, fällt besser als von Analysten erwartet aus. Obwohl der Konzern wegen der weltweiten Knappheit 82 Millionen Euro mehr als im Vorjahr für den Rohstoffeinkauf berappen musste, stieg der Jahresüberschuss des MDax-Unternehmens um 4,2 Prozent auf 123 Mio. Euro. „Noch konnten wir die Rohstoff-Mehrkosten überwiegend an die Kunden weitergeben“, so Eberhardt.

Zum Umsatz hat die Automotive-Sparte 2,2 Milliarden und die Rüstungssparte 1,4 Milliarden Euro beigetragen. Das 215 Millionen Euro (-4,4 Prozent) angesichts der Rohstoffkrise erstaunlich stabile Betriebsergebnis (Ebit) erkärte Eberhardt mit einer erhöhten Pro-Kopf-Produktivität und einer dank Internationalisierung des Konzerns gesunkenen Steuerquote. Für das laufende Jahr versprach er eine Ergebnissteigerung.

Der Rheinmetall-Chef geht inzwischen vom Zusammenschluss mit dem zweiten großen deutschen Rüstungskonzern, der Krauss-Maffei Wegmann (KMW) aus, obwohl diese Ende vergangenen Jahres vom Konkurrenten noch abgelehnt worden war. „Wir reden derzeit zwar nicht, aber früher oder später wird das kommen“, so Eberhardt. Er sei sich hinsichtlich der Wehrtechnik „mit der Bundesregierung einig, dass eine nationale Konsolidierung vor einer europäischen Integration das Beste wäre für unseren deutschen Einfluss.“


 
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