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Panorama Lufthansa Cargo
  Foto: ddp, ddp
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Notfallplan steht: Piloten-Streik bei Lufthansa

VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 17.02.2010 - 13:08

Frankfurt/M. (RP). Umbuchungen auf andere Fluggesellschaften, größere Flugzeuge und Ausweich-Tickets für die Bahn: Mit einem ausgefeilten Notfallplan bereitet sich die Lufthansa auf den größten Pilotenstreik seit 2001 vor.

Der letzte große Piloten-Streik bei der Lufthansa ist dem Konzern und seinen Passagieren noch schmerzhaft in Erinnerung: 2001 stürzten die Kranich-Kapitäne den Flugverkehr in halb Europa tagelang ins Chaos, weil sie 30 Prozent mehr Gehalt haben wollten. "In dieser Größenordnung wird sich das jetzt auch abspielen", sagte ein mit den Streikvorbereitungen vertrauter Organisator der Pilotenvereinigung Cockpit gegenüber unserer Redaktion, "kleine Warnstreiks werden nicht reichen. Dafür ist der Streit diesmal zu grundsätzlich."

Heute endet die Urabstimmung. Nach Informationen unserer Zeitung hat der überwältigende Teil der Lufthansa-Piloten für einen Arbeitskampf gestimmt. "Wenn die Lufthansa nicht noch in letzter Sekunde ein Angebot macht, wird sich ein Arbeitskampf nicht vermeiden lassen", sagte gestern ein Cockpit-Sprecher.

Die Lufthansa bereitet sich bereits mit einem Notfallplan auf einen großflächigen Ausstand ihrer 4500 Piloten vor. Flüge sollen in größeren Maschinen zusammengefasst werden, die Kunden müssen mit Umbuchungen auf andere Fluggesellschaften und kostenlose Ausweich-Tickets für die Deutsche Bahn rechnen. "Wir müssen leider davon ausgehen, dass es zu Streiks kommt", sagte gestern ein Lufthansa-Sprecher gegenüber unserer Zeitung, "wir fordern Cockpit aber weiterhin zu einer Lösung am Verhandlungstisch auf."

Formal wollen die Piloten "nur" eine Jobgarantie und bieten im Gegenzug beim Gehalt eine Nullrunde an. Mit einer Jobgarantie wäre die Lufthansa sogar einverstanden. Aber es geht um das Wie: Die Piloten wollen ausschließen, dass die Lufthansa zunehmend schlechter bezahlte Piloten ihrer zugekauften Töchter aus dem Ausland auf bisherigen Lufthansa-Strecken einsetzt. Die Entscheidung, welches Personal auf welcher Maschine eingesetzt wird, will sich die Lufthansa-Geschäftsführung aber auf keinen Fall aus der Hand nehmen lassen.

Außerdem wehrt sie sich vehement gegen die Behauptung von Cockpit, der Konzern würde die Lufthansa-Piloten gegen Personal aus dem Ausland ausspielen. So schrieb Personalvorstand Stefan Lauer vor Wochen noch einen Brandbrief an die Piloten und warnte vor den desaströsen Folgen, die ein Streik mitten in der Luftfahrtkrise für das Unternehmen haben kann. Vor fünf Jahren habe die Lufthansa die Schweizer Fluggesellschaft Swiss übernommen, heißt es darin. Seither habe die Lufthansa keine eigenen Piloten abgebaut, sondern im Gegenteil 18 Prozent zusätzlich eingestellt.

Die Lufthansa ist in den vergangenen Jahren stark durch Zukäufe gewachsen. Mit Töchtern wie der Swiss, Brussels, Austrian oder der britischen BMI hat sie nun eine Vielzahl von Tarifstrukturen im eigenen Haus, von denen der Tarif der klassischen Lufthansa-Piloten mit Abstand der teuerste ist.

Gleichzeitig hat die Lufthansa zunehmend Probleme mit ihrem innereuropäischen Punkt-zu-Punkt-Verkehr. Einerseits sind gute Direktverbindungen ihr Markenzeichen. Andererseits sind diese Flüge wesentlich kostenintensiver als Zentralflüge über die großen Lufthansa-Drehkreuze. Bislang konnten die Kosten über die Ticketpreise ausgeglichen werden. Seit Billigflieger wie Air Berlin aber ebenfalls stark auf Direktverbindungen setzen, hat die Lufthansa kaum noch Spielraum bei der Preisgestaltung.

Quelle: RP/AFP

 
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