| 16.08 Uhr

Mindestens 1000 Mitarbeiter müssen gehen
Pin bestätigt Massenentlassungen wegen Mindestlohns

Mindestlöhne 2007 in Europa
Mindestlöhne 2007 in Europa FOTO: ddp
Berlin (RPO). Der private Briefdienstleister PIN sieht sich gezwungen über 1000 Mitarbeiter zu entlassen. Wie unsere Redaktion vorab berichtete ist die Einführung des Mindestlohns für Briefzusteller Ursache für die Entscheidung des Unternehmens.

Der Stellenabbau solle zunächst vor allem in Bayern und Niedersachsen erfolgen, kündigte der zum Axel-Springer-Konzern gehörende Dienstleister am Dienstag in Luxemburg an. Darüber hinaus sei eine Vielzahl weiterer Arbeitsplätze in dem Unternehmen gefährdet. Die SPD, die Linke und die Gewerkschaft Verdi reagierten mit scharfer Kritik. Pin sei in der Lage, seinen Leuten "mehr als Hungerlöhne" zu zahlen, sagte Verdi-Sprecherin Cornelia Hass.

Die Pin Group will schon in den nächsten Tagen die Massenentlassungen bei den Arbeitsagenturen beantragen. Ferner prüfe das Unternehmen derzeit gemeinsam mit einem großen deutschen Beratungsunternehmen das "Geschäftsmodell und künftige Strategie im Hinblick auf den Fortbestand des Unternehmens". Der Konzernchef der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, hatte bereits am Montag in einem Zeitungsinterview eine Schließung der Post-Tochter nicht ausgeschlossen.

Springer hatte erst im Sommer die Mehrheit an PIN übernommen und dafür 510 Millionen Euro gezahlt. Medienberichten zufolge summieren sich die Verluste in diesem Jahr auf 55 Millionen Euro. Wegen des Mindestlohns hatte auch der Logistiker Hermes am Montag seinen Einstieg ins Briefgeschäft abgeblasen.

Mit dem "überhöhten Mindestlohn" hätten die Regierungsparteien bewusst in Kauf genommen, "dass Investments in Milliardenhöhe am Standort Deutschland zunichte gemacht werden und zigtausende von Arbeitsplätzen bei den privaten Briefdienstleistern verloren gehen", kritisierte der Chef der Pin Group, Günter Thiel.

Besonders bedauerlich sei, dass dies vor allem Geringqualifizierte und frühere Langzeitarbeitlose treffe. Sie würden nun zu Lasten der Staatskassen wieder in die Arbeitslosigkeit und eine ungewisse Zukunft geschickt. "Und das aus unserer Sicht nur, damit die Deutsche Post, als einer der größten deutschen Konzerne mit staatlicher Beteiligung, auch künftig wettbewerbslos bleibt."

Verdi-Sprecherin Hass hob dagegen hervor, dass durch die zum 1. Januar geplante Liberalisierung des deutschen Briefmarkts ein "Fünf-Milliarden-Euro-Markt" entstehe. Das sei genug Geld, um den Leuten "mehr als Hungerlöhne zu zahlen". Die Pin Group zahle ihren Mitarbeitern etwa fünf Euro die Stunde. Manche Mitarbeiter seien sogar noch auf Hartz IV angewiesen. Auch die stellvertretende SPD-Chefin Andrea Nahles nannte die Abbau-Pläne bei Pin unverständlich. Ab dem 1. Januar verbessere sich die Wettbewerbssituation für die Konkurrenten der Post deutlich, sagte sie dem Berliner "Tagesspiegel" (Mittwochsausgabe). Wenn sie diesen Wettbewerb nur "mit Dumpinglöhnen" bestehen könnten, die der Staat aufstocken müsse, "dann stimmt mit etwas mit ihrer Kalkulation nicht".

Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Gregor Gysi, sprach von einem "brutalen Erpressungsversuch gegenüber der Politik und Manchesterkapitalismus pur". Springer hoffe damit, die Entscheidung zum Mindestlohn doch noch verhindern zu können. Dagegen sieht sich der Wirtschaftsflügel der CDU durch die Ankündigungen der Springer-Tochter in seiner Kritik am Mindestlohn bestätigt. "Jetzt drohen die Konsequenzen, vor denen wir immer gewarnt haben", sagte der Präsident des CDU-Wirtschaftsrats, Kurt Lauk, dem "Tagesspiegel".

Die große Koalition hatte sich vor wenigen Tagen auf einen Mindestlohn für die Postbranche geeinigt, der zwischen acht Euro und 9,80 Euro liegen soll. Diesen Lohn hatte die Deutsche Post mit Verdi vereinbart.

(afp)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Mindestens 1000 Mitarbeiter müssen gehen: Pin bestätigt Massenentlassungen wegen Mindestlohns


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.