Das erfolgreichste Spielzeug Deutschlands: Playmobil – Spielen mit System
VON CHRISTIAN MERTEN - zuletzt aktualisiert: 02.01.2010 - 15:18Düsseldorf (RP). Das Unternehmen ist der erfolgreichste Spielzeughersteller in Deutschland. In den vergangenen dreieinhalb Jahrzehnten entstanden mehr als zwei Milliarden Püppchen. Auch hier wird das Ausland immer wichtiger.
Mit ihren 35 Jahren haben sie es ins Museum geschafft. In Paris, gleich gegenüber dem Louvre, stellt das Museum "Les Arts Décoratifs" bis Anfang Mai 2010 Playmobil-Figuren in ihrer "natürlichen" Umgebung aus: im Zirkus, zu Hause, am königlichen Hof. Das Design-Museum würdigt damit das in dieser Art einzigartige und höchst erfolgreiche Spielzeug. Seit der Markteinführung im Jahr 1974 erblickten 2,2 Milliarden Püppchen aus Kunststoff das Licht der Welt, und jedes Jahr kommen rund 100 Millionen dazu.
Ihre Wiege steht in Nordbayern: Hier beauftragte Horst Brandstätter, der Chef des Familienunternehmens geobra Brandstätter, den gelernten Möbelschreiner und passionierten Modellbauer Hans Beck Anfang der 70er Jahre, ein Serienspielzeug aus Figuren und Zubehör zu entwickeln, das zu einem ganzen System wachsen konnte. Bei der ersten Präsentation vor Fachpublikum kam die Idee nicht gut an. Gerade mal ein holländischer Großabnehmer zeigte sich Anfang 1974 begeistert.
Das Ausland wird immer wichtiger
Doch im Herbst desselben Jahres, als die ersten Playmobil-Packungen in den Regalen der Spielwarenländen erschienen, sorgten Eltern und Kinder für den durchschlagenden Erfolg. Mittlerweile ist Playmobil das erfolgreichste Spielzeug in Deutschland mit einem Marktanteil von 8,6 Prozent.
Aber auch in anderen Ländern erobern die 7,5 Zentimeter großen Figuren den Markt. "Wir sehen großes Potenzial jm Export", sagt Andrea Schauer, Geschäftsführerin Entwicklung, Marketing, Vertrieb von Playmobil. Rund 60 Prozent seines Umsatzes erzielt das Unternehmen heute im Ausland. In Deutschland lässt sich das Geschäft kaum noch ausweiten. Hier geht es in erster Linie darum, die Marktführerschaft zu verteidigen.
Jedes Jahr neue Ideen
Jedes Jahr stellen die Franken neue Spielszenarien vor. Zum Teil gehen sie auf Ideen von Kindern zurück. Rund 2000 Briefe, Zeichnungen und E-Mails bekommt das Unternehmen jährlich zugesendet. Im vergangenen Jahr griff Playmobil das alte Ägypten als Thema auf. "Das war für uns schon ein Wagnis, denn bislang hatte sich niemand im Spielzeugbereich damit beschäftigt", erzählt Schauer.
Das Wagnis wurde belohnt: Die neu entwickelte Pyramide, als zentrales Bauwerk mit Schatzkammer, Falltreppe und Rutsche konzipiert, läuft gut und wurde als "Spielzeug des Jahres 2008" ausgezeichnet. Auch das "Kaspertheater zum Mitnehmen", das in diesem Jahr auf den Markt gekommen ist, wurde bereits als "Produkt des Jahre 2010" ausgezeichnet, und zwar vom Industrieverband Halbzeuge und Konsumprodukte aus Kunststoffe – denn Playmobil steht nicht nur für beliebtes Spielzeug, sondern auch für anerkannt hohe Qualität in der Kunststoffverarbeitung.
Ein Klo allein reicht nicht aus
Neben der handfesten Produktqualität kommt es den Spielzeugmachern bei Playmobil auch auf die spielerische Qualität an. Die Playmobil-Welten sollen als reduzierte Abbilder des realen Lebens die Phantasie anregen. Die wesentlichen Züge müssen allerdings der Wirklichkeit entsprechen. "Unser neues Schulgebäude musste unbedingt zwei Toiletten bekommen, eine für Jungs, eine für Mädchen – eine für alle würden die Kinder nicht akzeptieren", weiß Schauer.
Playmobil liegt richtig mit seiner Strategie, das scheinen die Zahlen zu bestätigen. Die stehen für 2009 zwar noch nicht fest, doch bei der Playmobil-Mutter geobra Brandstätter geht man von Wachstum aus. Das Unternehmen wird mit den Marken Playmobil und Lechuza (Pflanzsystem) wohl mehr als 500 Millionen Euro umsetzen.
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