Wiedeking-Rücktritt dementiert: Porsche-Betriebsrat bittet Eigner zur Kasse
zuletzt aktualisiert: 15.07.2009 - 17:17Weissach (RPO). Porsche hat einen Bericht dementiert, dass eine Ablösung von Vorstandschef Wendelin Wiedeking in Kürze bevorstehe. Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück fordert unterdessen den Einstieg eines externen Investors. Er erwartet zudem eine Entschuldung des Konzerns mithilfe der Eignerfamilien Porsche und Piech.
Porsche hat Berichte über einen möglichen Rücktritt von Wendelin Wiedeking heftig dementiert. Konzern-Sprecher Albrecht Bamler sagte am Mittwoch in Stuttgart: "Das dementieren wir hart." Wiedeking sei auch nächsten Donnerstag noch Vorstandschef der Porsche Holding.
Zuvor hatte die "Wirtschaftswoche" berichtet, Wiedeking verlasse das Unternehmen. Schon in Kürze solle über den Nachfolger entschieden werden. Als kommissarischer Nachfolger solle ein Konzernmanager gewonnen werden, der sowohl bei Porsche als auch bei VW Führungsaufgaben hatte.
Hück für Einstieg eines externen Investors
Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück forderte unterdessen nach einer Betriebsversammlung den Einstieg eines externen Investors, ohne allerdings Katar explizit zu nennen. Zugleich sprach er sich für die Entschuldung von Porsche, auch durch die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch, aus.
Hück sagte in Weissach bei Stuttgart: "Wir dürfen das Geld von VW nicht dafür verwenden, dass Milliardäre reicher werden." Volkswagen brauche seine Gelder selber. Die Krise in der Automobilindustrie fange erst an.
Kapitalerhöhung im Gespräch
Das Porsche-Management favorisiert den Einstieg von Katar bei dem Stuttgarter Konzern. Katar bietet früheren Angaben zufolge insgesamt sieben Milliarden Euro für den Einstieg und den Erwerb von Optionen auf VW-Aktien. Außerdem liegt auch noch der Vorschlag des VW-Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch auf dem Tisch, wonach die Wolfsburger knapp 50 Prozent am Sportwagenbauer übernehmen sollen.
Früheren Angaben zufolge ist bei der Porsche-Holding eine Kapitalerhöhung von bis zu 5 Milliarden Euro im Gespräch. Der Betriebsratschef erklärte, beide Familien sollten sich an einer Kapitalerhöhung beteiligen.
Eigentümerfamilien in der Pflicht
Hück, der auch stellvertretender Aufsichtsratschef der Porsche-Holding ist, sagte weiter, die Eigentümerfamilien hätten den Arbeitnehmervertretern versprochen, dass der Sportwagenbauer selbstständig bleibe. Hück erklärte, eine Entscheidung über die Zukunft sei noch nicht gefallen. "Wir werden das geordnet im Aufsichtsrat diskutieren." Zuvor hatte "Bild.de" unter Berufung auf Informationen aus Konzernkreisen berichtet, dass der Porsche-Aufsichtsrat auf seiner außerordentlichen Sitzung am 23. Juli lediglich über das Angebot des Wüstenstaats Katar abstimmen werde.
Das Konzept von Volkswagen stehe vorläufig nicht mehr zur Entscheidung an. Der Entwurf aus Wolfsburg sei nur noch als "Informationspunkt" auf die Tagesordnung genommen worden, nicht mehr als "Entscheidungspunkt", hieß es in dem Bericht weiter.
Hück fordert Merkel-Machtwort
Hück machte massiv Front gegen den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff. Der Gewerkschaftsfunktionär warf dem CDU-Politiker vor, bei Banken dafür gesorgt zu haben, dass der Sportwagenbauer kein Geld mehr bekomme. "Dafür haben wir Beweise." Porsche ist mit rund 9 Milliarden Euro verschuldet und hält knapp 51 Prozent an Volkswagen. Bei der Übernahme des Wolfsburger Konzerns hatten sich die Stuttgarter übernommen. Niedersachen ist nach Porsche zweitgrößter Aktionär bei Europas größten Autobauer.
Hück sagte, der Betriebsrat habe eine Unterschriftensammlung gegen Wulff gestartet. Es müsse Bundeskanzlerin Angela Merkel ein Machtwort sprechen, weil der CDU-Politiker die Arbeitsplätze in Gefahr bringe.
Wulff schloss derweil eine feindliche Übernahme des VW-Konzerns durch Porsche aus. Dies werde "nicht klappen", sagte der CDU-Politiker zu "Sueddeutsche.de". Porsche und VW funktionierten nur miteinander, nicht gegeneinander. Er sei sicher, "dass wir in den nächsten Tagen zu einem integrierten Konzern VW/Porsche kommen, in dem die Familien Piech und Porsche die Mehrheitsaktionäre sind und zu Niedersachsen noch Katar als Aktionär hinzukommt". Dann werde VW 2018 der größte Automobilkonzern der Welt sein.
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