Kursexplosion: Porsche kauft VW-Aktien vom Markt
zuletzt aktualisiert: 27.10.2008 - 15:54Düsseldorf (RPO). Die VW-Aktie hat heute einen sensationellen Kurssprung hingelegt. Das Papier stieg teilweise um mehr als 90 Prozent, während die anderen Dax-Titel ausnahmslos im Minus lagen. Der Grund: Porsche kauft die VW-Aktien vom Markt.
Es war ein Paukenschlag, als die Meldung über den Ticker ging: Der Sportwagenhersteller Porsche hat seinen Anteil an Volkswagen aufgestockt. Wie das Unternehmen am Sonntag mitteilte, hielt Porsche am Ende der vergangenen Woche 42,6 Prozent der VW-Stammaktien. Noch wichtiger war der Umstand, dass Porsche eine Beherrschung von VW anstrebt und seinen Anteil 2009 auf 75 Prozent hochfahren will. "Das war eine neue Qualität", sagte Automobil-Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler im Gespräch mit unserer Redaktion.
Heute schoss der VW-Kurs, der in den letzten Wochen ohnehin Kapriolen geschlagen hatte, deutlich in die Höhe. "Das habe ich vorher für undenkbar gehalten", erklärte Pieper. Die VW-Papiere legten zwischenzeitlich mehr als 90 Prozent zu.
Über die Aufstockung der Anteile hinaus hält Porsche zusätzlich 31,5 Prozent sogenannte cash gesettelte Optionen auf VW-Stammaktien. Im Gegensatz zu normalen Aktienoptionen haben die Schwaben aber keinen direkten Zugriff auf die Aktien. Dieses Instrument dient einzig der Kurssischerung. Werden die Optionen aufgelöst, bekommt Porsche die Differenz zwischen dem zu diesem Zeitpunkt aktuellen VW-Kurs und einer niedriger liegenden Absicherungsnotierung ausbezahlt.
Unterdessen kauft Porsche offenbar munter weiter. Noch im laufenden Jahr soll die 50-Prozent-Hürde genommen werden. "Es sind nahezu alle Aktien vom Markt gekauft", erläuterte Pieper. "Auf der anderen Seite muss Porsche aber noch einen Riesenberg an Aktien erwerben." Durch diese Faktoren werde der Preis weiter nach oben gezogen.
Ein Porsche-Sprecher erklärte, mit der Übernahme-Ankündigung wolle man die Märkte beruhigen. "Der Kurs der VW-Aktie war völlig irrational", sagte der Sprecher. Nachdem Porsche nun Klarheit über seine Pläne geschaffen habe, rechne er beim Thema Aktienkurs damit, "dass sich in ein oder zwei Monaten die Lage entspannen werde". Der Porsche-Sprecher machte klar, sein Unternehmen sei nicht zu Aktienkäufen bei VW "zu irrationalen Preisen" interessiert. Dadurch würde langfristig ein hoher Abschreibungsbedarf entstehen, wenn der VW-Kurs wie erwartet wieder fällt.
Hintergrund der Bekanntgabe waren offenbar die extremen Kursschwankungen der VW-Aktie in den vergangenen Wochen: Zunächst war der Kurs auf rund 400 Euro in die Höhe geschnellt, am Freitag war es dann nur noch 218 Euro wert. Die Ursache dieser Schwankungen waren für Marktteilnehmer unerklärlich und erscheinen durch den realen Wert des Unternehmens nicht gedeckt.
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