Beteiligungen werden ausgebaut: Porsche will Mehrheit an VW übernehmen
zuletzt aktualisiert: 03.03.2008 - 18:18Stuttgart (RPO). Der Automibilhersteller Porsche will die Mehrheit am Volkswagen-Konzern übernehmen. Der Aufsichtsrat habe bei einer außerordentlichen Sitzung am Montag grünes Licht dafür gegeben, die Beteiligungen auf mehr als 50 Prozent zu erhöhen.
Volkswagen steht vor großen Umwälzungen: Porsche kündigte am Montag an, den Wolfsburger Konzern in den kommenden Monaten zu übernehmen. Der Aufsichtsrat des Stuttgarter Sportwagen-Herstellers gab grünes Licht, um die Beteiligung an Volkswagen von derzeit rund 30 Prozent auf über 50 Prozent zu erhöhen. VW übernimmt derweil die Kontrolle beim schwedischen Lastwagenbauer Scania. Der Konzern kauft der schwedischen Familie Wallenberg deren Scania-Anteile für rund 2,9 Milliarden Euro ab und erhöht damit seinen Stimmrechtsanteil an Scania auf insgesamt 68,6 Prozent. Ob VW nach der Übernahme eine Fusion von Scania dem bayrischen Lastwagenbauer MAN vorantreiben will, ließ der Konzern zunächst offen.
Porsche plant, nach einer Übernahme von Volkswagen die Eigenständigkeit des Wolfsburger Autoherstellers zu wahren. Eine Fusion sei nicht geplant, teilte das Unternehmen in Stuttgart mit. VW begrüßte die Erhöhung der Unternehmensanteile. Volkswagen habe einer Übernahme durch Porsche seit jeher positiv gegenüber gestanden, sagte ein Sprecher in Wolfsburg.
"Unser Ziel ist die Schaffung einer der innovativsten und leistungsstärksten Automobil-Allianzen der Welt, die dem verschärften internationalen Wettbewerb gerecht wird", erklärte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Die Übernahme von weiteren rund 20 Prozent der Volkswagen-Anteile würde Porsche derzeit rund zehn Milliarden Euro kosten, hieß es. Derzeit liegt der Kurs der VW-Aktie nach einem auch von Porsche-Übernahme-Phantasien beflügelten Anstieg bei rund 150 Euro. Die Prüfung der Übernahme von VW dürfte nach Angaben von Porsche noch mehrere Monate in Anspruch nehmen.
Künftig sollten Volkswagen und Porsche als jeweils selbstständige Töchter unter der neuen Porsche-Holding angesiedelt werden, hieß es. In den Aufsichtsrat von Porsche zögen anschließend Arbeitnehmervertreter beider Unternehmen ein. In dem Gremium sollen dann mehr Volkswagen- als Porsche-Vertreter sitzen. Der VW-Betriebsrat hatte sich in den vergangenen Monaten vehement gegen die Porsche-Pläne gestemmt. Die Arbeitnehmervertreter fürchten, nach einer Übernahme im Aufsichtsrat nicht mehr angemessen repräsentiert zu sein.
Volkswagen hat derzeit rund 330.000 Mitarbeiter, Porsche nur 11.400. Im VW-Aufsichtsrat ist eine Zweidrittel-Mehrheit für Entscheidungen notwendig. Deshalb kann die Arbeitnehmerseite wichtige Entscheidungen blockieren. Ob Porsche mit seinem Vorhaben zum Ziel kommen kann, hängt auch von der Neufassung des so genannten VW-Gesetzes ab, die derzeit erarbeitet wird.
Die Übernahme von Scania unterstreiche die strategische Bedeutung, die Volkswagen dem schwedischen Nutzfahrzeughersteller beimesse, erklärte VW-Chef Martin Winterkorn. Volkswagen habe bereits in den vergangenen Jahren erfolgreich mit den Schweden zusammengearbeitet und wolle deren Wachstumskurs weiter unterstützen. Volkswagen betonte, in der Führung des schwedischen Unternehmens solle es keine Veränderungen geben.
Auch der VW-Betriebsrat begrüßte die Übernahme von Scania durch Volkswagen. "Wir sind schon seit langem dafür eingetreten, die Synergieeffekte zwischen MAN, Scania und Volkswagen im Nutzfahrzeugsegment zu nutzen", sagte der Vorsitzende des VW-Konzernbetriebsrates, Bernd Osterloh, der Tageszeitung "Die Welt". "Mit diesem Schritt steht diesem Ziel nichts mehr im Weg." Wichtig sei jedoch, dass die drei Unternehmen künftig ihre Eigenständigkeit bewahren könnten und die Identität der Marken VW, MAN und Scania erhalten bleibe.
Der schwedische Branchenverband der Metall-Industrie zeigt sich angesichts der Übernahme von Scania durch VW zufrieden. "Auf lange Sicht ist Volkswagen ein guter Eigentümer. Wir sind angesichts der neuen Besitzverhältnisse nicht beunruhigt", sagte ein Sprecher in Stockholm. Auch die schwedische Metall-Gewerkschaft äußerte keine Bedenken wegen der Übernahme durch VW.
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