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Briefkästen
Post schränkt Sonntagsleerung ein

Post schränkt Sonntags- und Feiertagsleerung von Briefkästen ein
FOTO: dpa, mg hpl
Berlin. Wegen immer weniger Briefen am Wochenende reduziert die Deutsche Post DHL die Leerung von Briefkästen an Sonn- und Feiertagen. Statt 11.000 sollen nur noch 2000 Briefkästen angefahren werden. Von Reinhard Kowalewsky

Aktuell werden an diesen Tagen 11.000 der 111.000 bundesweit existierenden Briefkästen angefahren, künftig sollen es laut Informationen unserer Redaktion noch 2000 Standorte den bekannten roten Punkt haben. An ihm ist zu erkennen, dass sonntags geleert wird. Kein Briefkasten wird abgebaut.

Die Änderung wird für Bürger auf dem Land besonders zu spüren sein. Denn die Post hat festgelegt, dass es mindestens einen Briefkasten mit Sonntagsleerung in jeder Stadt mit mehr als 20.000 Einwohnern geben wird, ebenso in allen Kreisstädten, allen kreisfreien Städten und allen Bahnhöfen mit ICE-Anschluss. Hinzu kommen alle Briefverteilzentren, wo sonntags oft sogar zweimal geleert wird. Umgekehrt bedeutet dies, dass Bürger in kleineren Orten künftig Probleme haben könnten, einen Brief abseits der Werktage ohne längere Fahrt aufzugeben.

Grund für das Ausdünnen des Sonntagsnetzes ist das Verhalten der Kunden. 85 Prozent der werktäglich in Deutschland ausgetragenen rund 64 Millionen Briefe werden von Firmen aufgegeben – und die geben Post fast nie am Wochenende ab. Privatkunden reduzieren die Zahl der versandten Briefe und Postkarten massiv, weil sie zunehmend auf E- Mail oder soziale Netzwerke setzen.

Als Ergebnis sind laut Post in den meisten Briefkästen sonntags nur zehn Prozent so viele Sendungen enthalten, wie im Schnitt der anderen sechs Tage. Wie unwichtig die Sonntagspost ist, zeigen auch die bei vielen Haushalten leeren Briefkästen am Montag: Laut Post werden nur fünf Prozent der verteilten Briefe am ersten Tag der Woche abgegeben.

Ralph Wiegand, der Chef des deutschen Briefgeschäftes, meint: "Die Sonntagsbriefkästen haben für den Großteil unserer Kunden keine Bedeutung mehr, was wir auch an der Zahl der sonntags eingeworfenen Sendungen ablesen können. Mit den Einsparungen vermeiden wir Sonntagsarbeit und können das gesparte Geld in den Ausbau unserer Verteilzenten stecken."

Dabei weist die Post daraufhin, dass sie zwar zu einer werktäglichen Leerung aller Briefkästen verpflichtet sei, aber nicht zu einer Leerung aller Briefkästen auch an Sonn- und Feiertagen. Diese müsse sich am Bedarf orientieren, sehe das Gesetz vor. Trotz Herunterfahren der Sonntagsleerungen denkt die Post laut eigener Aussage nicht darüber nach, montags keine Briefe mehr auszutragen. Der Grund ist einfach: Sie ist dazu sowieso gesetzlich verpflichtet.

Insgesamt sieht sich das Unternehmen im internationalen Maßstab als führend beim Tempo der Zustellung (deutlich mehr als 90 Prozent am nächsten Tag laut Post-Messungen) und auch bei der Qualität der Zustellung, also der Liefersicherheit. Wiegand sagt dazu unserer Redaktion leicht werblich: "Mit unserer flächendeckenden und leistungsfähigen Infrastruktur, unseren 29.000 Verkaufsstellen und den auch im internationalen Vergleich kurzen Brieflaufzeiten bleiben wir auch weiterhin Qualitätsdienstleister für unsere Kunden. Dies bestätigen uns regelmäßige Kundenbefragungen."

Natürlich geht es bei der ganzen Aktion stark ums Geld. So rechnet die Post schlicht und einfach mit dem Effekt, dass sich ein großer Teil der wenigen Sonntagsbriefe nun eben künftig in den verbleibenden Briefkästen sonntags sammelt – also werden die verbleibenden Fuhren eben etwas vollere Postsäcke zum Verteilzentrum fahren.

Die Umstellung beginnt Anfang Februar. Kunden müssen also ab Montag am Sonntag genauer hinschauen, ob ein bisher für Sonntagsleerung bekannter Briefkasten auch weiterhin an dem Tag geleert wird.

Auf Anfrage erklärt die Post, es sei keine Sonderregelung für Weihnachten geplant. Die meisten Kunden würden ihre Weihnachtskarten relativ früh wegschicken, da mache es wenig Sinn, speziell am Sonntag vor dem Fest Sonderfahrten hin zu sehr viel mehr Briefkästen als den künftigen 2000 einzuplanen.

Kunden, die wissen wollen, wo die nächsten Briefkästen in der Nähe ihrer Wohnung sind und ob diese auch Sonntags geleert werden, können sich jetzt und auch künftig unter dieser Internet-Adresse informieren: www.postfinder.de.

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