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Urabstimmung bei der DPV
Weitere Post-Gewerkschaft will streiken

Hintergrund: Kleine Geschichte der Deutschen Post
Hintergrund: Kleine Geschichte der Deutschen Post FOTO: AP
Bonn. Bei der Deutschen Post hat nach Verdi eine weitere Gewerkschaft zum unbefristeten Streik aufgerufen. Die Fachgewerkschaft DPV teilte am Donnerstag mit, bei einer Urabstimmung hätten sich mehr als 92 Prozent der befragten Mitglieder für einen unbefristeten Ausstand ausgesprochen.

Daher rufe die Gewerkschaft ihre Mitglieder ab Freitag bundesweit zu unbefristeten Streiks auf, die schrittweise ausgeweitet werden sollten.

"Das ist ein deutliches Votum und das sollte der Deutschen Post zu denken geben", erklärte DPV-Chef Volker Geyer. Die bei der Post beschäftigten DPV-Mitglieder würden die "Verweigerungshaltung des Arbeitgebers" nicht mehr länger hinnehmen und erwarteten, dass die Post "endlich über die berechtigten Forderungen" der Gewerkschaft verhandle.

Während ein DPV-Sprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP sagte, der Arbeitgeber werde den Streik "sehr deutlich merken", sagte eine Post-Sprecherin, dass der DPV-Ausstand "keine größeren Auswirkungen" haben werde. Die Post werde ihn dennoch ernst nehmen.

Die DPV fordert für die mehr als 85.000 Brief- und Verbundzusteller 5,5 Prozent mehr Lohn und eine Arbeitszeitverkürzung von 38,5 auf 38 Stunden pro Woche. Zudem will sie die Arbeitsmenge gerechter verteilen und bei der Festlegung der sogenannten Bemessungswerte mitreden.

Diese legen laut DPV fest, wie viel Zeit ein Zusteller etwa für die Übergabe eines Einschreibens oder Pakets hat. Genau wie die Gewerkschaft Verdi fordert die DPV außerdem die Post auf, die neu gegründeten Regionalgesellschaften zurückzunehmen. Dort werden Mitarbeiter nicht nach dem Haustarif der Post bezahlt, sondern nach dem niedrigeren Tarif der Speditions- und Logistikbranche.

Vor anderthalb Wochen hatte bereits Verdi einen unbefristeten Streik bei der Post begonnen und seither immer mehr Mitarbeiter in den Ausstand gerufen. Der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske forderte das Unternehmen am Donnerstag zum Einlenken auf. "Der Konfrontationskurs des Vorstands geht zulasten des Unternehmens", erklärte Bsirske vor Streikenden in Bonn.

Insgesamt befinden sich nach Angaben von Verdi mittlerweile rund 23.000 Beschäftigte im Ausstand. Sie streikten in den Bereichen Brief-, Paket-, und Verbundzustellung sowie in Brief- und Paketzentren. Verdi kündigte erneut an, den Arbeitskampf in den nächsten Tagen auszuweiten.

Die Post gab an, es seien mehr als 24.000 Beschäftigte an den Streiks beteiligt. Damit liege die Beteiligung "auf dem Niveau der Vortage", erklärte eine Sprecherin. Der Umfang der Sendungen, die nicht pünktlich zugestellt werden könnten, sei regional aufgrund der unterschiedlichen Streikbeteiligung sehr verschieden.

Die Post gewährleiste derzeit durch "Ausgleichsmaßnahmen", dass bundesweit täglich rund 80 Prozent der Briefe und Pakete zeitgerecht zugestellt würden.

(AFP)
 
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