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Poststreik
Gericht vor dem Kollaps

Hintergrund: Kleine Geschichte der Deutschen Post
Hintergrund: Kleine Geschichte der Deutschen Post FOTO: AP
Leverkusen/Düsseldorf. Der Streik bei der Post bringt nicht nur Verbraucher, sondern auch Behörden zunehmend an ihre Grenzen. Mit dem Beginn der Sommerferien in NRW spitzt sich die Lage weiter zu. Die Gewerkschaft klagt wieder gegen den Einsatz von Beamten als Streikbrecher. Von Peter Korn und Reinhard Kowalewsky

Der in die dritte Woche gehende Streik von rund 25 000 Mitarbeitern der Post hat zunehmend Folgen für viele Kunden. Obwohl der Konzern konstant behauptet, 80 Prozent der Pakete und Päckchen würden pünktlich, also am Tag nach der Einlieferung, zugestellt, häufen sich Berichte über liegengebliebene Lieferungen. So berichtet ein Leser aus der Preußenstraße in Hösel (Ratingen), er warte nun schon eine Woche auf Post. Bei großen Anwaltskanzleien in Düsseldorf werden wichtige Schriftstücke überwiegend per Bote zugestellt - sicher ist sicher.

Im Leverkusener Amtsgericht gab es am Mittwoch eine Krisensitzung. Nachdem die Zahl der eingehenden Postsendungen deutlich zurückgegangen ist, befürchtet man hier eine Nachbearbeitungs-Welle - und das bringt die Behörde an ihre Grenzen, erst recht, wo nun ausgerechnet die Hälfte der Belegschaft in den Sommerurlaub geht. Außerdem sieht Amtsgerichtsdirektor Hermann-Josef Merzbach die Gefahr, dass sich so mancher "Kunde" künftig damit herausreden wird, Bußgeldbescheide, Anhörungsbögen oder auch Vorladungen zu Verhandlungen wegen des Arbeitskampfes nie bekommen zu haben.

Ab dem Beginn der Schulferien in NRW am Wochenende werden sich die Folgen des Streiks wahrscheinlich verschärfen, weil Tausende Zusteller in Urlaub gehen. Damit diese Lücken nicht mit Beamten gefüllt werden, beantragte die Gewerkschaft Verdi erneut eine Verfügung gegen deren Einsatz als Streikbrecher. Der Einsatz von Beamten, die sich ausdrücklich weigerten, sei ungesetzlich, erklärte die stellvertretende Verdi-Chefin Andrea Kocsis.

Große Unternehmen sehen sich vom Streik unterschiedlich betroffen. So berichtet die Versicherung Ergo, es gäbe keine ernsthaften Probleme - Kunden nutzen häufiger E-Mail oder ein Fax zum Kommunizieren. Versandhändler haben dagegen höhere Kosten, weil sie oft auf Kurierdienste ausweichen.

Quelle: RP
 
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