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Verbraucherschützern zufolge 70.000 Briefe täglich verloren
Post verliert täglich Tausende Briefe und Pakete

Frankfurt/Main (rpo). Verbraucherschützer gehen gegen die Deutsche Post in Stellung. Ihnen zufolge verschwinden immer mehr Post-Sendungen. Auf bis zu 70.000 Briefe und 2.000 Pakete schätzt der Verband für Post und Telekommunikation (DVPT) die Zahl der täglichen Verluste. Die Post selbst verweigert genaue Angaben.

"Die Zahl der Reklamationen und Beschwerden nimmt merklich zu", sagt DVPT-Vorstand Elmar Müller. Die Post selbst macht keine Angaben über beschädigte und verschwundenen Sendungen. Die DVPT-Zahlen seien jedoch absurd, sagt Post-Sprecher Dirk Klasen. "Die Qualität der Zulieferung hat sich nicht verschlechtert." Natürlich gebe es bei 70 Millionen Briefsendungen täglich auch Verluste. Diese bewegten sich jedoch in einem "kaum messbaren Promillebereich".

Der Post zufolge erreichen 95 Prozent aller Sendungen, die vor der letzten Leerung eingeworfen wurden, am nächsten Tag ihre Empfänger. Der Anteil der Briefe, die spätestens zwei Tage nach Einlieferung beim Empfänger einträfen, liege bei 99 Prozent.

Beschwerden wegen verlorener oder beschädigter Sendungen

Doch eine ganze Reihe Briefe kommt trotzdem nie beim Adressaten an. Nach Angaben Müllers gehen beim DVPT, der 1997 aus dem Verband der Postbenutzer hervorging, täglich zwei bis drei Beschwerden von Postkunden ein, die mit ihren Einwänden bei der Post selbst gescheitert sind.

Und auch bei der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post können sich Verbraucher über Missstände beklagen. Im vergangenen Jahr gingen bei der Behörde 1.531 Anfragen ein - 45 Prozent mehr als im Vorjahr. Rund ein Drittel davon bezog sich allerdings auf den umstrittenen Abbau von Briefkästen, wie Sprecherin Linda Sydow betont. In den vergangenen Monaten sei kein deutlicher Anstieg von Anfragen zu verzeichnen gewesen.

Die meisten Beschwerden hagelt es Müller zufolge wegen verlorener oder beschädigter Sendungen. Aber auch bei der Paketzustellung gibt es immer wieder Klagen: So klingelten einige Paket-Zusteller überhaupt nicht mehr bei den Kunden, sondern legten lediglich eine Benachrichtigung in den Briefkasten, mit der die Kunden ihre Pakete dann selbst am Postamt abholen müssen, beklagt Müller.

"Pro Zustellung eine Minute"

Den Grund dafür sieht der Verband im zunehmenden Zeitdruck, der auf den Zustellern laste. Laut Müller bleibt einigen Austrägern pro Zustellung nur noch etwa eine Minute.

In rund 26.500 der insgesamt 58.000 Brief-Zustellbezirke gibt es mittlerweile eine so genannte Verbundzustellung, bei der die Mitarbeiter sowohl Pakete als auch Briefe ausliefern. Eine Belastung, die nach Einschätzung des DVPT die Auslieferung teilweise massiv verzögert. Im Vergleich zu 2003 "sind Sendungen 90 Minuten länger unterwegs", sagt Müller. Das weist die Post allerdings weit von sich.

Laut DVPT sind nach tariflichen Änderungen und einer Senkung der Wochenarbeitszeit die Zustellbezirke zudem deutlich vergrößert worden. "Mittlerweile machen 15 Prozent aller rund 80.000 Briefzusteller permanent Überstunden", erläutert der Verbraucherschützer. Zudem setze die Post bei einigen Dienstleistungen mittlerweile Teilzeitkräfte und auch Subunternehmer ein, etwa Taxifahrer, die nebenbei Briefkästen leerten. Das komme das Unternehmen zwar deutlich billiger, urteilt Müller. "Aber dadurch leidet die Zustellung". Beim Austragen der Briefe selbst setzt die Post allerdings keine Subunternehmer ein.

Kein leichter Kampf gegen Brief-Diebstahl

Doch der Kampf gegen den Brief-Diebstahl ist für die Post auch nicht unbedingt leicht: So untersagte das Erfurter Bundesarbeitsgericht der Post Ende Juni die Einführung einer Videoüberwachung in einem Briefverteilzentrum, in dem immer wieder Briefsendungen verloren gegangen waren.

Kunden, deren Sendung verschwunden sind, können sich an die Briefermittlungsstelle in Marburg wenden, wo rund 100 Mitarbeiter versuchen, Absender oder Empfänger herrenloser Briefe zu ermitteln. Bei 90 Prozent der Einschreiben seien diese Bemühungen erfolgreich, sagt Post-Sprecher Klasen. Bei Standardbriefen liegt die Ermittlungsquote mit 45 Prozent allerdings deutlich niedriger.

Dafür, die Empfänger falsch adressierter Briefe selbst zu recherchieren, habe heute "ein Briefzusteller keine Zeit mehr", räumt Klasen ein. Dazu habe sich mit der Umwandlung von der Bundesbehörde zur Deutschen Post AG zu viel geändert: "Wir sind eben ein Unternehmen, und dementsprechend müssen wir uns verhalten."

(ap)
 
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