Gezerre um fairen Preis der Postbank-Aktie dauert an: Postbank: Börsengang nicht gefährdet
zuletzt aktualisiert: 17.06.2004 - 14:36Frankfurt/Main (rpo). Das Gezerre um den Preis der Postbank-Aktie hat bis zum Ende der Zeichnungsfrist angehalten. Berichte über eine kurzfristige Absage des Börsengangs dementierte eine Post-Sprecherin am Donnerstag.
Vor allem große Fonds drängten bis zuletzt auf eine Senkung der von der Post festgesetzten Preisspanne von 31,50 bis 36,50 Euro, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am Donnerstag. Darauf wollte sich der Konzern offenbar nicht einlassen: Sollte der Handel wie vorgesehen am Montag beginnen, hätte eine Preissenkung laut Börsenprospekt spätestens am Donnerstag in der "FAZ" veröffentlicht werden müssen. Dies war jedoch nicht der Fall. Nach Angaben einer Post-Sprecherin hält der Konzern wie geplant an dem Börsengang fest.
Die Post-Sprecherin relativierte damit auch einen Bericht der "Financial Times Deutschland" vom Donnerstag. Das Blatt hatte einen Unternehmensvertreter mit den Worten zitiert: "Es ist alles möglich. Auch eine heruntergesetzte Tranche oder eine Absage." Dies sei jedoch eine "sehr theoretische Möglichkeit", sagte die Konzernsprecherin dazu.
Ohne eine Preissenkung bleiben der Post nicht viele Möglichkeiten: "Die Mutter der Postbank kann den Börsengang dann nur noch wie geplant durchziehen oder komplett absagen", sagte ein Bankenvertreter der Tageszeitung "Die Welt". An eine Absage scheint jedoch niemand glauben zu wollen. "Die werden das irgendwie über die Runden bringen", sagte ein Investor der "FAZ". Eine Umfrage der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstagsausgabe) ergab, dass die Mehrheit der Großanleger an einen erfolgreichen Börsengang glaubt. Laut Emissionsprospekt haben sich die 19 Konsortialbanken ohnehin verpflichtet, Aktien unter "bestimmten Bedingungen" zu kaufen.
Möglich ist auch, die Zahl der ausgegebenen Aktien zu verringern. Die Post hatte sich diese Option mit der Formulierung, "bis zu" 49,9 Prozent der Anteile an der Tochter-Bank an die Börse bringen zu wollen, stets offen gehalten. Nach Informationen der "FAZ" will sich die Post mit einer Entscheidung bis zum Wochenende Zeit lassen, da viele Profiinvestoren erst in den letzten Stunden ihre Bestellung abgeben. Während die Zeichnungsfrist für private Anleger am Freitag bereits um 12.00 Uhr ausläuft, haben Großinvestoren noch bis 18.00 Uhr Zeit, ihre Order abzugeben.
Neuer Ärger droht der Post unterdessen aus Brüssel. Ein Konkurrent, die EP Europost, legte bei der EU-Kommission Beschwerde wegen unerlaubter staatlicher Beihilfen ein. Das Gemeinschaftsunternehmen der niederländischen Royal TPG Post und der Hermes Logistikgruppe stützt sich auf ein Gutachten, demzufolge die Deutsche Post der Postbank Gebäude und Personal teilweise unentgeltlich überlasse und die Kosten dem Briefbereich zuschlage. Laut Geschäftsbericht hat die Postbank jedoch allein im vergangenen Jahr 454 Millionen Euro an die Konzernmutter für Miete, Personalkosten und Provisionen überwiesen und hält das für angemessen.
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