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Tarifverhandlungen bei der Post
Kein Durchbruch in Sicht

Hintergrund: Kleine Geschichte der Deutschen Post
Hintergrund: Kleine Geschichte der Deutschen Post FOTO: AP
Bad Neuenahr. Siebte Tarifrunde bei der Post: Im Streit um die Ausgliederung von Tausenden Paket-Jobs scheinen die Positionen kaum vermittelbar. Auch nach fast vier Wochen Streik kommen die Unterhändler der Tarifparteien kaum voran.

Am ersten Verhandlungstag am Freitag in Bad Neuenahr (Rheinland-Pfalz) kamen Gewerkschaft und Post-Vertreter kaum vom Fleck. "Wir treten auf der Stelle", sagte ein Verdi-Sprecher, "ein Durchbruch ist nicht in Sicht."

Es gebe keine wesentlichen neuen Entwicklungen, hieß es bei der Post am Abend. Am ersten Tag sei eine Einigung schon wegen der Menge der Gesprächsthemen gar nicht möglich. Die Post bleibe aber optimistisch, zu einem Ergebnis für die 140 000 Beschäftigten zu kommen.

Sie halte dabei an den zum Jahresbeginn ausgegliederten Paketgesellschaften mit geringerer Bezahlung fest. Diese Gesellschaften mit aktuell rund 6500 Beschäftigten sind der Hauptstreitpunkt in dem Konflikt mit der Gewerkschaft.

Die Tarifverhandlungen sollten am Samstagmorgen fortgesetzt werden.
Auf dem Tisch liegt die Verdi-Forderung nach 5,5 Prozent mehr Geld und einer Arbeitszeitverkürzung von 38,5 auf 36 Stunden bei vollem Lohnausgleich. Außerdem geht es um eine Verlängerung des Kündigungsschutzes für die Mitarbeiter, der Ende des Jahres ausläuft.

Die Post hat bisher keinen konkreten Entgeltvorschlag vorgelegt. Sie hatte zu Beginn der Tarifrunde aber ein Modell zur Flexibilisierung der Arbeitszeit zwischen 41 und 34 Wochenstunden präsentiert und Bereitschaft gezeigt, über den Kündigungsschutz zu verhandeln.

Vor allem im Streit um die ausgegliederten Gesellschaften bei der DHL Delivery GmbH stehen sich die Positionen des Unternehmens und der Gewerkschaft Verdi kontrovers gegenüber. Post-Chef Frank Appel hatte die Paket-Gesellschaften öffentlich als "nicht verhandelbar" bezeichnet. Verdi sieht in der Ausgliedrung der Beschäftigten dagegen einen "einseitigen Vertragsbruch" der Post und fordert vehement die Eingliederung der Beschäftigten in den Post-Haustarifvertrag.

Der Unterschied für die Mitarbeiter ist erheblich: Die Post-Mutter zahlt im Schnitt gut 17 Euro, bei Delivery gibt es nur durchschnittlich 13 Euro.

Auch diese 13 Euro basierten aber auf einem mit Verdi verhandelten Tarif, dem Logistik-Tarif, betont die Post. Außerdem gehe es bei Delivery nur um neue Jobs. Die bestehenden Post-Angestellten würden nicht schlechter gestellt. Die Ausgliederung sei nötig, um mit der deutlich schlechter zahlenden Konkurrenz mitzuhalten, so die Post.

Verdi lässt die bundesweiten Streiks mit täglich rund 30 000 Teilnehmern auch während der Verhandlungen weiterlaufen, um den Druck auf die Arbeitgeber aufrecht zu erhalten. In Hamburg gab es am Freitag eine Demonstration mit mehr als 2000 Postbeschäftigten. Bei der Abschlusskundgebung versicherte DGB-Chef Reiner Hoffmann den Postbeschäftigten, dass die Gewerkschaften hinter ihnen stünden und die Verdi-Forderungen unterstützen.

Der Streik kostet das Unternehmen jeden Tag Millionen Euro und drückt auf das Image. Nach anfänglicher Gelassenheit dringen mit der langen Dauer des Streiks zunehmend auch Beschwerden von Kunden nach draußen.
In manchen Städten bleiben Briefe nach Schilderungen von Betroffenen wochenlang liegen. Stark betroffen ist demnach zum Beispiel Berlin.
Kunden haben allerdings keine Handhabe gegen die Post, weil das Unternehmen beim gewöhnlichen Brief keine Laufzeitgarantie übernimmt.

In der Bevölkerung findet der Streik einer Umfrage zufolge weiter Rückhalt in der Bevölkerung. Wie das Meinungsforschungsinstitut YouGov in einer am Freitag veröffentlichten Befragung ermittelte, haben 63 Prozent der Bundesbürger Verständnis für den Arbeitskampf.
Nur 29 Prozent lehnen ihn kategorisch ab.

Dabei hat fast die Hälfte der Bundesbürger inzwischen die Auswirkungen des Streiks persönlich zu spüren bekommen. Insgesamt 42 Prozent der 1370 Befragten gaben an, durch den Streik bereits wichtige Post zu spät erhalten zu haben.

(dpa)
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