Bolivien: Präsident Morales will Bergwerke verstaatlichen
zuletzt aktualisiert: 16.10.2006 - 13:33La Paz (rpo). Die Enteignung wichtiger Rohstoff-Unternehmen in Bolivien geht weiter: Nach den Erdöl- und Gasreserven will Präsident Evo Morales nun auch die Bergwerke des Landes verstaatlichen. Mineralien wie Zinn, Silber und Gold müssten unter gesellschaftliche Kontrolle kommen, erklärte Morales am Sonntagabend in der Stadt Challapata.
Bergbauminister Guillermo Dalence sagte, mit der Verstaatlichungsaktion werde am 31. Oktober begonnen. Auslöser des Plans ist Beobachtern zufolge die Situation in einer der wichtigsten Zinnminen Südamerikas in Huanuni, wo es Anfang Oktober zu Kämpfen rivalisierender Bergleute mit 16 Toten kam. In diesem Bergwerk arbeiten sowohl staatliche Bedienstete als auch privat Angestellte.
Die Mitglieder der unabhängigen Kooperativen verlangten eine größere Beteiligung an den Einnahmen. Die Staatsdiener starteten eine Gegendemonstration, woraufhin die Auseinandersetzungen eskalierten. Mit seinem Verstaatlichungsprogramm will Morales nun offensichtlich einheitliche Verhältnisse schaffen.
In der ersten Jahreshälfte exportierten bolivianische Minen nach Angaben des Instituts für Außenhandel Mineralien im Wert von 483 Millionen Dollar (385 Millionen Euro). Diese Rohstoffe waren damit nach Erdgas das wichtigste Exportprodukt des Landes. Die Öl- und Gasreserven des Landes verstaatlichte Morales bereits am 1. Mai und setzte ausländischen Firmen eine Frist von sechs Monaten, um die Kontrolle über ihre bolivianischen Betriebe abzugeben oder das Land zu verlassen.
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