Sat1 im Visier: Premiere will Free-TV erobern
VON SILKE FREDRICH - zuletzt aktualisiert: 08.04.2008Düsseldorf (RP). Für Wirbel und einen steigenden Aktienkurs hat gestern der Bezahlsender Premiere gesorgt. Premiere-Chef Michael Börnicke möchte den Sender Sat.1 der ProSieben-Sat1-Gruppe übernehmen. Mit einer Übernahme würde der Bezahlsender zum einen den von der RTL-Mediengruppe und ProSiebenSat.1-Gruppe dominierten Fernsehmarkt aufbrechen und zum anderen einen Einstieg ins deutsche Free-TV möglich machen.
Das Dementi von Sat.1 kam prompt, derzeit gebe es keine Gespräche für eine Übernahme. Doch wie würde der Einstieg von Premiere mit seinem Großaktionär Rupert Murdoch die deutsche Fernsehlandschaft verändern?
Der Einstieg ins Free-TV ist für den Bezahlsender immens wichtig, um die mittelfristigen Konzernumsatzziele von zwei bis drei Milliarden Euro erreichen zu können. Ein Premiere-Sprecher sagte, dass dies nur mit zusätzlichen Geschäftsbereichen wie dem Free-TV zu erreichen ist. Nebenbei würde dem Großaktionär und Medienmogul Rupert Murdoch über seine Beteiligung an Premiere der Einstieg in die deutsche Fernsehlandschaft gelingen.
Immerhin hat er bereits am vergangenen Freitag seine Anteile an dem Sender auf 22,7 Prozent erhöht und einen Sitz im Aufsichtsrat angemeldet. Es gibt bereits eine Zusammenarbeit mit Sat.1 bei den von Premiere produzierten Champions League-Übertragungen. Auch im Bereich Serie wäre es für Premiere vorteilhaft, einen reichweitenstarken Free-TV-Sender zu haben. So könnten etwa neue Staffeln im Pay-TV starten, während im frei empfangbaren Fernsehen die älteren ausgestrahlt und die neuen beworben würden. Vor einigen Monaten hat Premiere-Chef Börnicke auch schon angedeutet, dass bei der Werbevermarktung eine Kombination aus Pay-TV vorstellbar seien.
Auch wenn eine Sprecherin der Sendergruppe einen Verkauf von Sat.1 als abwegig bezeichnet, würden die beiden Sender laut Finanzanalyst Chris-Oliver Schickentanz von der Dresdner Bank mit ihrem Programmkonzept perfekt zusammenpassen. Einen kurzfristigen Einstieg hält er aber für nicht leistbar. Sat.1 wird laut Dresdner Bank derzeit mit 1,5 Milliarden Euro bewertet, was der gesamten Marktkapitalisierung von Premiere entspricht. „Das ist ein zu großer Fisch für den Bezahlsender.“ Dennoch ist Sat.1 laut Finanzexperten ein Übernahmekandidat, denn der Sender kämpft mit schlechten Zuschauerquoten und enttäuschenden Gesamtzahlen.
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