50 Millionen Euro: Quelle erhält Rettungskredit
zuletzt aktualisiert: 24.06.2009 - 19:46München (RPO). Nach dem Scheitern einer Staatsbürgschaft für Quelle haben sich der Bund, Bayern und Sachsen grundsätzlich auf einen Rettungskredit für das insolvente Versandhaus geeinigt. Quelle solle 50 Millionen Euro bekommen, erklärten Regierungskreise am Mittwochabend in Berlin. Allerdings hänge die Bewilligung des Kredits noch von einer Reihe von Bedingungen ab. Dazu gehöre unter anderem die Zustimmung aus Brüssel.
Die Quelle-Beschäftigten reagierten erleichtert. "Damit ist die wichtigste Hürde genommen", sagte Gesamtbetriebsratschef Ernst Sindel der AP. "Darauf haben die 8.000 Beschäftigten lange gewartet." Er gehe davon aus, dass jetzt der normale Geschäftsbetrieb wieder aufgenommen werde. Mit dem Staatskredit kann Quelle den Winterkatalog fertig drucken und Bankkredite über weitere 300 Millionen Euro erwarten, die an die Staatshilfe geknüpft sind.
Die zunächst geplante Staatsbürgschaft hatte der Ausschuss abgelehnt, weil Quelle überschuldet sei. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück sagte, er schließe sich dieser Entscheidung an. Der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil erklärte, bei einem Massekredit sei das Ausfallrisiko für den Staat wesentlich geringer, denn der Kredit sei über die Insolvenzmasse abgesichert. "Ich habe volles Verständnis für die Entscheidung, dass die Bürgschaftslösung nicht in Betracht kommt", sagte er. Zum Staatskredit sollen der Bund 25 Millionen, Bayern 21 Millionen und Sachsen 4 Millionen beisteuern.
Der Staatskredit ist eine Voraussetzung, damit Quelle seinen Winterkatalog ausliefern kann, von drei Banken weitere Darlehen über 300 Millionen Euro bekommt und den Geschäftsbetrieb in den nächsten Monaten fortsetzen kann. Für den Staatskredit müssten aber alle Voraussetzungen erfüllt werden. "Wir tun alles, - aber nichts Unmögliches", betonte der bayerische Wirtschaftsminister.
Unternehmen will Technik-Center rasch abbauen
Weil Quelle-Kunden bei Ratenkäufen oft erst im Laufe von Jahren zahlen, braucht das Versandhaus Überbrückungskredite, um seine Lieferanten zu bezahlen oder den Katalog zu drucken. Bekommt Quelle den Staatskredit, wollen die Quelle-Hausbank Valovis, die Commerzbank und die BayernLB weitere 300 Millionen Euro Kredit geben. Der Kredit sei für die Banken so gut wie die Bürgschaft. Entscheidend sei, dass Quelle liquide bleibe und operativ weiterarbeiten könne, hieß es aus Verhandlungskreisen.
Einen bayerischen Alleingang zur Rettung des Fürther Traditionsunternehmens hatte Zeil (FDP) abgelehnt. Der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) warf Steinbrück (SPD) vor, schon vor der abschließenden Sitzung des Bürgschaftsausschusses vollendete Tatsachen geschaffen zu haben: "Schlechter Stil, insbesondere gegenüber den Menschen in Nürnberg und Fürth", kritisierte er im Bayerischen Rundfunk.
Arcandor-Vorstandsmitglied Marc Oliver Sommer sagte der Wochenzeitung "Die Zeit", Quelle verbrenne kein Geld mehr. Lediglich Abschreibungen auf alte Forderungen hätten das Ergebnis zuletzt ins Minus gedrückt. "Wir sind dort seit Oktober 2008 Cashflow positiv", sagte der Manager. Quelle könnte nun unnütze, aber noch lange laufende Mietverträge vorzeitig kündigen und den einzig wirklich maroden Teil des Unternehmens, die Technik-Center, schnell verkleinern. Gleichzeitig sänken die Marketingkosten, weil "wir schon eine Million Neukunden im Jahr im Internet gewinnen", sagte Sommer.
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