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  Foto: AP, AP
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Kredit gibt sechs Monate Zeit: Quelle muss sich radikal verändern

VON PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 30.06.2009 - 15:18

Düsseldorf (RPO). Quelle hängt am Tropf. Der Notkredit in Höhe von 50 Millionen Euro gibt dem Unternehmen eine Überlebensfrist von sechs Monaten. Bis Ende des Jahres muss sich der Traditionskonzern neu aufstellen. Und tunlichst versuchen, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen.

Die Erleichterung unter den Beschäftigten war groß an diesem Dienstag. In der Nacht zuvor hatte der Bund sein Ok für einen Notkredit von 50 Millionen Euro gegeben, der den Versandhändler vorerst am Leben erhält. Die EU-Kommission genehmigte den Kredit am Dienstag sofort. "Wir waren seit Wochen zwischen Hoffen und Bangen, ein riesiges Auf und Ab", sagt Gesamtbetriebsratschef Ernst Sindel. "Gott sei Dank hat das jetzt ein positives Ende gefunden."

Doch Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg dämpft die Euphorie. "Quelle ist mitnichten, wie einige sagen, jetzt gerettet", warnt der CSU-Politiker. Quelle habe eine faire Chance bekommen. "Aber ein solcher Kredit kann auch dazu dienen, dass eine geordnete Insolvenz inklusive Abwicklung stattfinden kann", sagte Guttenberg im ZDF-Morgenmagazin.

Ein neues Konzept muss her

Der Ball liegt nun bei Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg. Er rechnet damit, dass Quelle Ende der Woche wieder flüssig ist. Ist der Katalog erst ausgeliefert, kommen auch wieder die Geld- und Warenströme in Fluss. Die vergangenen Wochen hatte das Unternehmen nur überlebt, weil Zulieferer und die Katalog-Druckerei in Vorleistung gegangen waren. Die Quelle-Konten waren leer. Selbst Telefon- und Stromkosten konnten nicht mehr bezahlt werden.

Görg hat kostbare Zeit gewonnen. Bis zum September will er ein Sanierungskonzept ausarbeiten. Wie das aussehen wird, steht freilich noch in den Sternen. Hilfreich wäre ein Investor, der den verschuldeten Versandhändler zukunftsfest macht. Der aber ist bisher nicht in Sicht. 

Das Internet verschlafen?

Kritiker sind skeptisch. Sie fragen sich, wie ein ehemaliger Marktführer derart in die Misere manövrieren konnte. Auch die Konkurrenten Otto und Neckermann leiden. Dem Abgrund am nächsten steht Quelle. Der Versandhändler, früher einmal ein fester Bestandteil des deutschen Wirtschaftswunders, wirkt heute wie ein Relikt aus der Steinzeit. Sinnbild dafür: der 1400 Seiten schwere Katalog. Allein der Druck der acht Millionen Exemplare soll das Unternehmen 20 bis 25 Millionen Euro kosten.

Doch den Vorwurf, das Internet verschlafen zu haben, weist der Gesamtbetriebsratschef in Bausch und Bogen zurück. Fast die Hälfte des Umsatzes von 2,5 Milliarden Euro werde über das Internet erzielt, betont er. "Wir sind nach Ebay und Amazon die Nummer drei bei den E-Commerce-Versendern", sagt Sindel.

Veraltetes Geschäftsmodell

Die Gründe für die Quelle-Misere sind an anderer Stelle zu suchen. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC hat sie laut einem Bericht des Handelsblatts in einem Gutachten ermittelt, das auch der Bundesregierung vorliegt. Es beschreibt Quelle als komplizierten Moloch, in dem die eine Hand nicht so recht weiß, was die andere tut. Von "struktureller Komplexität" und "Ineffizienz" ist die Rede, außerdem von "Schwierigkeiten im Bestandsmanagement sowie hohen Verwaltungs- und Gemeinkosten", die die finanzielle Situation verschärft hätten."

Branchenkenner suchen die Gründe für die Quelle auch in einem hoffnungslos veralteten Geschäftsmodell. Demnach hat der Versandhändler dieselben Fehler gemacht wie die großen Warenkaufhäuser. Küchenbauteile, zehnteilige Kochtopf-Sets, Plasma-Fernseher, FC-Bayern-Bettwäsche – alles unter einem Dach.Die Idee, möglichst alle Produkte unter einem Dach zu horten, gehört nach Ansicht der Kenner der Vergangenheit an. In Zeiten des Internets weist der Trend eindeutig in Richtung Spezialisierung.


 
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