Spannung vor der Aufsichtsratssitzung: Querelen bei der Deutschen Bank
VON MICHAEL BRAUN - zuletzt aktualisiert: 27.07.2009 - 21:35Frankfurt/Main (RP). Bei der Deutschen Bank werden die guten Nachrichten derzeit vom Vorstand verbreitet, die schlechten kommen aus dem Aufsichtsrat. So wird es am Dienstag weitergehen.
Die Halbjahreszahlen werden den Erfolg von Josef Ackermann und Co. aufzeigen, und der negative Kontrapunkt ist die Debatte darum, ob der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Börsig Bespitzelungen von Aktionären anregte.
Börsig, früher Finanzvorstand der Bank und seit 2006 Chef des Kontrollgremiums, hat schon länger einen schweren Stand. Es scheint, als wolle der Vorstand ihn loswerden. Dass er, wie es im Bericht einer Anwaltskanzlei hieß, die „rechtlich bedenkliche” Bespitzelung eines lästigen Aktionärs „auslöste”, belastet das Image der Bank.
Vorstand und Aufsichtsrat im Clinch
Die Spitzen von Vorstand und Aufsichtsrat scheinen nicht miteinander zu können. Josef Ackermann und Clemens Börsig hätten ein „professionellen Verhältnis”, heißt es in der Bank. So wird umschrieben, dass das Verhältnis der beiden „nachhaltig zerrüttet” sei, wie man sich an anderer Stelle am Finanzplatz erzählt. Die Sympathien liegen bei Ackermann. Börsig wird als arrogant und rechthaberisch beschrieben.
Aber dass der Streit heute eskaliert, damit wird nicht gerechnet. Denn Börsig ist gewählt. Nur wenn der Aufsichtsrat seinen Vorsitzenden zum Amtsverzicht auffordern würde, gäbe es die Chance eines Rücktritts. Und selbst wenn Börsig ganz aus dem Kontrollgremium ausschiede, könnte Ackermanns ehemaliger Vorstandskollege Tessen von Heydebreck, den mancher gern als Nachfolger Börsigs sähe, nicht gewählt werden. Er sitzt nämlich nicht im Aufsichtsrat, müsste also erst von einer Hauptversammlung gewählt werden.
So könnte der Aufsichtsratsvorsitz auf den ehemaligen SAP-Vorstand Hennig Kagermann zulaufen, der sich mit internationaler Bilanzierung auskennt, auch wenn er kein Banker ist. Am Wochenende hat Börsig dementieren lassen, dass er die Brocken hinwerfen wolle. Aber einen Image- und wohl auch einen Machtverlust gegenüber Ackermann muss er schon einige Zeit erdulden.
Ackermann mit "breiten Schultern"
Der Schweizer Vorstandschef hat die Bank bislang ohne Finanzhilfen des Staates durch die Krise geführt. Überdies sollte Börsig als Aufsichtsratsvorsitzender einen Nachfolger für Ackermann suchen, weil der ursprünglich im Frühjahr 2010 aufhören wollte. Aber Börsig hatte niemanden gefunden – außer sich selbst. Das wiederum war bei Arbeitnehmern und Großinvestoren im Aufsichtsrat offenbar nicht durchzusetzen.
Nun bleibt Ackermann drei Jahre länger. Das wird der Aufsichtsrat heute offiziell beschließen. Und dann kommen die Zahlen für die vergangenen drei Monate. Als Ergebnis des zweiten Quartals wird ein Gewinn von bis zu einer Milliarde Euro erwartet, nach einem Ergebnis von 645 Millionen Euro nach Steuern im vorigen Jahr.
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