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Börsen im Nahen Osten brechen ein: Ratingagentur droht USA mit weiterer Herabstufung

zuletzt aktualisiert: 07.08.2011 - 17:51

Berlin (RPO). Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) schließt eine weitere Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA nicht aus. Sollten sich die Bedingungen in den kommenden sechs bis 24 Monaten verschlechtern, bestehe eine Wahrscheinlichkeit von 1:3, dass sein Unternehmen die USA eine weitere Stufe abwerte, sagte der geschäftsführende Direktor von S&P, John Cambers, am Sonntag in der ABC-Sendung "This Week".

Die Sorge vor einem weltweiten wirtschaftlichen Einbruch hat die Spitzen der führenden Wirtschaftsnationen am Wochenende zu einer regen Krisendiplomatie veranlasst. Mit Bangen blickten Politiker und Ökonomen auf die Reaktion der Märkte auf die Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur Standard & Poor's und die Verschärfung der europäischen Schuldenkrise. Ergebnisse der Besprechungen drangen zunächst nicht nach draußen, die Bundesregierung hielt sich bedeckt.

Vertreter der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G-20) berieten am Sonntag in einer Telefonkonferenz über die Marktturbulenzen, wie die südkoreanische Zentralbank mitteilte. Ziel sei ein gemeinsames Vorgehen zur Stabilisierung der Märkte. Danach sollten die Finanzminister der G-7 in einer Telefonkonferenz über die Krise beraten, wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo meldete. Dies solle noch vor der Eröffnung der japanischen Börse in Tokio geschehen.

Herabstufung nicht ausgeschlossen

S&P hatte den USA am Freitagabend nach Handelsschluss an der Wall Street erstmals die Bestnote entzogen und die Bewertung der US-Kreditwürdigkeit von "AAA" auf "AA+" gesenkt. Zur Begründung hieß es, die am Dienstag vom Kongress beschlossenen Schritte zum Abbau des Staatsdefizits gingen nicht weit genug, um den Haushalt nachhaltig zu stabilisieren. Mit der Herabstufung wurde zugleich der Ausblick für die US-Bonität auf "negativ" gesenkt. Die Ratingagentur teilte mit, dass sie eine weitere Herabstufung nicht ausschließe.

China kritisierte Washington nach der Entscheidung von S&P scharf und forderte umfangreiche Sparmaßnahmen. Peking hält 1,2 Billionen Dollar an US-Staatspapieren, mehr als jedes andere Land. Die amerikanische "Schuldenabhängigkeit" gefährde die Weltwirtschaft, hieß es in einem von der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua veröffentlichten Kommentar.

S&P wehrt sich gegen Kritik

Dass die Herabstufung die Regierung von US-Präsident Barack Obama verärgerte, war mehr als deutlich. Aus Regierungskreisen in Washington hieß es, die Analyse der Ratingagentur weise "fundamentale Fehler" auf. Das US-Finanzministerium teilte mit, ein Urteil, das mit einem Fehler von zwei Billionen Dollar behaftet sei, "spricht für sich selbst". Leitende S&P-Mitarbeiter verteidigten die Bonitätsabstufung dagegen und erklärten, die Ratingagentur sei zu dem durchdachten Schluss gekommen, dass die USA Schwierigkeiten haben würden, ihr ausuferndes Defizit in den Griff zu bekommen.

Obama räumte ein, dass Washington mehr zur Reduzierung seiner Schulden unternehmen müsse. Sein Sprecher Jay Carney nahm zwar nicht direkt auf die Entscheidung der Ratingagentur Bezug. Die Diskussionen bis zur Einigung auf einen Schuldenkompromiss hätten aber "zu lang" gedauert und seien "manchmal zu kontrovers" gewesen.

Börsen im Nahen Osten brechen ein

Als erste erreichten die Turbulenzen am Sonntag die Börsen im Nahen Osten. In Dubai brach der Leitindex kurzzeitig um mehr als fünf Prozent ein, und auch andere Börsen in der Golfregion öffneten mit Verlusten. In Israel wurde der Handelsstart verschoben, nachdem der Leitindex TA-25 zuvor um mehr als sechs Prozent gefallen war. Der japanische Vize-Finanzminister Fumihiko Igarashi deutete an, dass Tokio erneut auf dem Devisenmarkt intervenieren könne, falls die Turbulenzen weiter anhalten.

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"Schlechte Nachrichten sind immer unangenehm für Märkte", sagte der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, der "Bild am Sonntag". Er rechne mit weiteren Kurseinbrüchen, aber nicht mit einem weltweiten Börsencrash. Die deutschen Verbraucher könnten die Folgen der Krise aber bald zu spüren bekommen. "Die Zentralbanken werden eine höhere Inflation nicht nur tolerieren, sondern sogar im Namen der Finanzstabilität herbeiführen", sagte der Volkswirt dem Blatt.

US-Staatspleite ausgeschlossen

Der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, sagte der Nachrichtenagentur dapd, er erwarte einen Ausverkauf amerikanischer Staatsanleihen und weitere Turbulenzen an den Märkten.

Eine Staatspleite der USA halten Mayer und der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hingegen für ausgeschlossen. "Die USA können nicht insolvent werden", sagte Bofinger. Notfalls werde die amerikanische Notenbank weitere Staatsanleihen aufkaufen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte wegen der Verschärfung der Krise am Freitagabend ihren Urlaub unterbrochen, um sich mit wichtigen europäischen Partnern und den USA über die aktuellen Entwicklungen in der Eurozone und auf den Finanzmärkten zu beraten.

Merkel telefoniert mit Sarkozy

Sie telefonierte mit dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, dem britischen Premierminister David Cameron und dem US-Präsidenten Obama. Einzelheiten der Gespräche wurden nicht bekannt

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler äußert sich ebenfalls nicht zur Herabstufung der US-Bonität. Dem "Focus" sagte der Minister aber, dass er eine Ausweitung des Euro-Rettungsschirms ablehne, wie sie von manchen europäischen Politikern gefordert worden war.

"Wir setzen jetzt die beim Sondergipfel am 21. Juli gefassten Beschlüsse entschlossen um", sagte der FDP-Vorsitzende. Damit werde den Kapitalmärkten signalisiert, "dass wir das Eurosystem verteidigen". Wer aber meine, "diese Entscheidungen nach gerade einmal zwei Wochen bereits wieder infrage stellen zu müssen, erreicht genau das Gegenteil und verunsichert die Märkte".

Sorge um Italien

Unterdessen wachsen in der Bundesregierung laut einem Bericht des "Spiegels" die Zweifel, ob Italien durch den europäischen Rettungsschirm EFSF gerettet werden könnte, selbst wenn er verdreifacht würde. Regierungsexperten seien der Ansicht, die italienische Volkswirtschaft sei einfach zu groß, um gestützt werden zu können, hieß es.

Eine Garantie der gesamten italienischen Staatsschuld von über 1,8 Billionen Euro könne auch Deutschland überfordern. Deshalb bestehe die Bundesregierung darauf, dass Italien durch Einsparungen und Reformen selbst aus der Krise findet.

Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Joachim Poß, forderte eine Neubestimmung des Verhältnisses von Politik und Finanzmärkten. Er verlangte unter anderem europäische Staatsanleihen (Eurobonds), eine Finanztransaktionssteuer und stärkere Haushaltskontrollen.

Die stellvertretende Vorsitzende der Linkspartei, Sahra Wagenknecht, machte sich ebenfalls für Eurobonds, aber auch für eine europaweite Vermögensabgabe stark.

Quelle: apd/AP/nbe

 
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