Wegen Untreueverdachts: Razzia bei HSH Nordbank
zuletzt aktualisiert: 26.05.2010 - 15:21Hamburg (RPO). Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat am Mittwoch Geschäftsräume der HSH Nordbank in Kiel und Hamburg sowie fünf Privatwohnungen in Schleswig-Holstein und Hamburg durchsucht. Gegen vier ehemalige und zwei amtierende Bank-Vorstände bestehe ein Untreueverdacht im Zusammenhang mit dem verlustreichen Milliardengeschäft "Omega 55", bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft einen Medienbericht.
Zusätzlich gehe die Behörde in zwei Fällen dem Verdacht der "unrichtigen Darstellung" nach dem Aktiengesetz nach. Im Einsatz waren demnach rund 60 Polizisten und sechs Beamte der Staatsanwaltschaft. Ergebnisse der Aktion wurden zunächst nicht bekannt.
Laut "Focus Online" rückte die Sonderkommission "Nordland" unter anderem bei dem früheren HSH-Vorstandvorsitzenden Hans Berger und den Ex-Vorständen Peter Rieck und Jochen Friedrich an. Das Privathaus des derzeitigen Vorstandsvorsitzenden Dirk Jens Nonnenmacher wurde demnach hingegen nicht durchsucht. Auch die Immobilie von Bernhard Visker, der im Vorstand für Firmenkunden, Immobilien und Privat Banking zuständig ist, blieb dem Bericht zufolge von der Aktion verschont.
Ein Banksprecher bestätigte die Durchsuchungen und sagte, die HSH habe stets umfassend mit den Behörden kooperiert. "Mit einer zügigen Aufklärung ist allen Beteiligten am besten gedient."
Die HSH Nordbank hatte im Januar einen Schlussstrich unter das verlustreiche Milliardengeschäft gezogen und ihr Investment in den Transaktionen "Omega 52" und "Omega 55" aufgelöst. In den Jahren 2007 und 2008 hatte die HSH Nordbank nach eigenen Angaben insgesamt rund 600 Millionen Euro investiert, im Zuge der Finanzmarktkrise aber erhebliche Belastungen hinnehmen müssen. Laut "Focus Online" konnte die Bank die Papiere schließlich für einen Restwert von 300 Millionen Euro abstoßen.
279 Millionen Euro Verlust im ersten Quartal
Die HSH Nordbank hat im ersten Quartal erneut Verluste in dreistelliger Millionenhöhe erlitten. Das Minus belief sich auf insgesamt 279 Millionen Euro, wie die Bank am Mittwoch mitteilte. Im ersten Quartal des Vorjahres hatte der Fehlbetrag 210 Millionen Euro betragen. Die Bilanzsumme der HSH Nordbank sank gegenüber dem ersten Quartal 2009 von knapp 207 auf rund 173 Milliarden Euro. Die Kernkapitalquote der Bank lag nun bei 9,8 Prozent.
Das Ergebnis der ersten drei Monate wurde nach Angaben der Bank durch die starke Aufwertung des US-Dollars gegenüber dem Euro belastet. Das Handelsergebnis sank auf minus 132 Millionen Euro (Vorjahr plus 210 Millionen Euro). Negativ wirkten sich auch die Kosten für staatliche Garantieleistungen in Höhe von 151 Millionen Euro (Vorjahr 20 Millionen Euro) aus. Davon entfielen allein 100 Millionen Euro auf Zahlungen für die Garantien der Hauptanteilseigner Hamburg und Schleswig-Holstein. Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft sank auf 329 Millionen Euro (Vorjahr 424 Millionen Euro).
Die Bank wurde erst im vergangenen Jahr von den Hauptanteilseignern Schleswig-Holstein und Hamburg nach Verlusten in Milliardenhöhe durch eine Kapitalspritze in Höhe von drei Milliarden Euro sowie Garantien über zehn Milliarden Euro gerettet.
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