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Neues Ambiente
Real erfindet sich in Krefeld neu

So erfindet sich Real in Krefeld neu
So erfindet sich Real in Krefeld neu FOTO: Lothar Strücken
Krefeld. Mit neuem Ambiente, mehr Gastronomie und einer größeren Produktpalette will die Warenhauskette zurück in die Erfolgsspur. An der Krefelder Hafelstraße kann man sich dies schon mal ansehen.  Von Georg Winters

Lange Zeit ist bei der SB-Warenhauskette Real darum gerungen worden, dass Millionen für den notwendigen Umbau des angeschlagenen Unternehmens frei gemacht wurden. Im Juli stimmten dann knapp drei Viertel der rund 35.000 Beschäftigten einem neuen Tarifvertrag zu. Sie verzichteten auf Teile ihres Weihnachts- und Urlaubsgeldes und bekamen im Gegenzug eine Bestandsgarantie für 265 Filialen sowie den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen.

Zudem versprach die Geschäftsführung eine Milliarde Euro Investitionen. Ungefähr ein Prozent davon, also zehn Millionen Euro, dürften in den Umbau jenes Marktes geflossen sein, mit dem Real die neue Zukunft einläuten will. Der Markt steht in Krefeld und hat nicht mehr viel mit dem zu tun, was Real-Kunden bisher vorfanden. Die langen Regalreihen sind gewichen, es gibt eine riesige Bäckerei, mehr Frischeprodukte, Live-Cooking, eine Café-Bar, eine gläserne Metzgerei. Sushi, Austern, Pizza. Mehr Bio-Produkte zum Wohlfühlen. Rund 100.000 Produkte statt der bisherigen 80.000 im Sortiment. Eine Piazza mit Platz für mehr als 100 Personen als Treffpunkt. Einkauf als Event. Alles auf den 11.500 Quadratmetern, auf denen sich das alte Real präsentierte.

Aber das gibt es hier nicht mehr. "Dieser Markt ist der Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung von Real Deutschland", sagt Patrick Müller-Sarmiento, seit April ein Teil der Real-Doppelspitze. Funktioniert Krefeld, wird das Konzept breiter ausgerollt. Eine Handvoll weiterer Märkte soll 2017 nach dem Konzept entstehen. Am Ende könnten es Hunderte sein. Allerdings hat Real noch 285 Standorte, und selbst wenn das Unternehmen in anderen Filialen mit weniger Investitionen auskommt, werden die Mittel nicht für alle reichen, wie Branchenexperten glauben. Da müsste mehr als die angekündigte Milliarde Euro fließen. Oder es fallen eben doch Standorte weg.

"Markthalle" hat Real den neuen Standort benannt; der eigentliche Name taucht nur noch unten drunter als kleiner Schriftzug auf. Das hat dem Vernehmen nach intern für Diskussionen gesorgt, weil Traditionalisten schon den Untergang des Namens Real prophezeiten. Aber wer mit Kunden spricht, hat das Gefühl, dass dies der richtige Schachzug war. Weg vom Image des alten Real, das in der Vergangenheit auch noch durch den Gammelfleisch-Skandal belastet wurde, hin zu einem Namen, der Erlebniseinkauf signalisieren soll und ein Gefühl von Wochenmarkt als regelmäßigem Treffpunkt. "Wir wollten unser bisheriges Konzept nicht einfach nur weiterentwickeln, sondern etwas vollkommen Neues schaffen", erklärt Henning Gieseke, die andere Hälfte der Real-Doppelspitze.

Wobei die Handelsrivalen zumindest die Gastronomie im Markt auch schon für sich entdeckt haben. Und: Natürlich ist die Markthalle an den ersten Tagen voll gewesen, weil viele Neugierige kamen, aber bleibt sie das? Ist der Preisspagat zwischen bisher günstigen Produkten, die geblieben sind, und dem neuen, teuren Teil des Angebots zu groß? Der Handelsprofessor Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein (Mönchengladbach) glaubt nicht, dass das Projekt ein Selbstläufer ist: "Das größte Problem ist der Service. Man kann das vorhandene Personal nicht einfach so auf die Anforderungen eines Premium-Anbieters umdrehen", sagte Heinemann unserer Redaktion. "Für das Luxus-Segment im Lebensmittelhandel gibt es eine Nische, aber die ist schon von Edeka besetzt." Möglicherweise sei das Sortiment auch so deutlich erweitert worden, um die Immobilie besser auszulasten, meint der Handelsexperte.

Real-Co-Chef Müller-Sarmiento ist sich dagegen sicher, dass das Konzept funktioniert - auch in Sachen Service. Das bisherige Personal sei hoch motiviert, außerdem habe man etwa 90 Mitarbeiter zusätzlich eingestellt, sagt der Manager.

Quelle: RP
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