Opel-Tauziehen: Regierung erstmals für Verkauf an RHJI offen
zuletzt aktualisiert: 26.08.2009 - 15:20Berlin (RPO). Die Zukunft des Autobauers Opels bleibt auch nach dem Treffen von Bund und Ländern mit dem Mutterkonzern General Motors (GM) ungewiss. GM ist laut Wirtschaftsminister zu Guttenberg weiter an einer "Investorenlösung" interessiert. Bei den Gesprächen ließen Vertreter der Regierung angeblich erstmals Bereitschaft erkennen, auch einem Verkauf an RHJI zuzustimmen.
Eine Einigung könnte sich jedoch bis nach der Bundestagswahl hinziehen. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sagte angesichts von Spekulationen über ein mögliches Scheitern des Verkaufs, GM sei weiter an einer "Investorenlösung" interessiert. Die Bundesregierung habe seitens der Spitze des Unternehmens-Managements das "ganz klare Interesse signalisiert bekommen, ... dass man eben gerade diesen Investorenprozess weiter vorantreiben will", sagte Guttenberg im "Heute journal" des ZDF.
Die Bundesregierung bleibe gesprächsbereit. Es gehe jetzt darum, "die Dinge zu klären". Guttenberg äußerte die Hoffnung, bald zu einem "tragfähigen Ergebnis" zu kommen. Er zeigte gleichzeitig Verständnis für das Interesse von GM, die Bindungen zu Opel zu erhalten. Dies sehe das Konzept des österreichisch-kanadischen Autozuliefers Magna unter anderem auch vor, sagte Guttenberg.
Wie die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Regierungskreise berichtete, ließen Vertreter der Bundesregierung bei den Gesprächen am Dienstag erstmals Bereitschaft erkennen, einem Verkauf an RHJI zuzustimmen. Voraussetzung sei, dass der Finanzinvestor einen international agierenden Konzern aus der Automobilbranche als "strategischen Partner" präsentieren könne.
Fiat will Feld vielleicht von hinten aufrollen
Nun hat sich auch Fiat wieder ins Rennen um Opel gebracht – allerdings eher als Ersatzfahrer: Die italienische Zeitung "La Repubblica" schreibt, Fiat sei bereit, sein Angebot zu erneuern. Sollten es weder für Magna noch für RHJI eine Einigung geben, könnte der italiensiche Autobauer wieder ins Spiel kommen.
Fiat-Chef Sergio Marchionne hatte früh Interesse an Opel bekundet und wollte Fiat, Chrysler und Opel/Vauxhall unter einem Dach vereinen. Der Italiener war mit seinem Angebot jedoch im Bieterrennen nciht weit gekommen. Nun kam die Ankündigung, dass feld möflicherweise von hinten aufzurollen. Fiat-Aufsichtsratschef Luca Cordero die Montezemolo hatte erklärt: "Wir haben diverse Male wiederholt, dass unser Gebot für Opel bestehen bleibt - unter einer Bedingung: Weder können, noch wollen wir es nachbessern."
Kehrtwende bei General Motors?
GM hatte nach dem Treffen mit Vertretern von Bund und Ländern in Berlin nach AFP-Informationen bestätigt, dass Teile des Verwaltungsrats an Opel festhalten wollen. Ein Verbleib der deutschen Tochter im Mutterkonzern wäre eine Kehrtwende, nachdem es zuletzt nur noch um die Frage gegangen war, ob GM Opel an Magna oder den belgischen Finanzinvestor RHJ International (RHJI) verkauft. Die Bundesregierung favorisierte bislang Magna, GM dagegen RHJI.
EU-Industriekommissar Günter Verheugen forderte die Bundesregierung zu größerer Zurückhaltung auf. Die Verantwortung für die Zukunft der europäischen GM-Unternehmen liege immer noch beim Eigentümer und könne nicht ersetzt werden durch das "Handeln einer Regierung", sagte Verheugen dem "Hamburger Abendblatt". Es sei zudem "riskant, wenn so komplexe Unternehmensentscheidungen in die Zwänge eines Wahlkampfs geraten".
Kuhn: "Einigung vorgeheuchelt"
Kritik kam auch von der Opposition: "Die Bundesregierung hat der deutschen Öffentlichkeit eine Einigung vorgeheuchelt, die keine war", sagte Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn der "Frankfurter Rundschau". FDP-Generalsekretär Dirk Niebel forderte in der "Berliner Zeitung" die Regierung müsse GM zu einer schnellen Entscheidung drängen und notfalls dafür sorgen, dass deutsches Steuergeld aus dem Unternehmen wieder an den Staat zurückfließt.
Bei den Gewerkschaften stieß ein möglicher Verbleib Opels bei GM auf scharfe Kritik. Dies werde den Autobauer die Werke Antwerpen, Bochum und Eisenach kosten, sagte Opel-Betriebsratschef Klaus Franz der "Berliner Zeitung". Der "Welt" sagte Franz, sollte es keine Loslösung Opels von GM geben, werde die Belegschaft die geplanten Arbeitnehmerbeiträge zur Sanierung des Unternehmens in Höhe von 1,5 Milliarden Euro nicht aufbringen. "Nur Geld aufzutreiben, das dann bei GM verbrannt wird, wie in der Vergangenheit, das wird es mit uns nicht geben."
Die vier Szenarien für Opel
Verkauf an Magna
Die Österreicher würden in Deutschland keine Werke schließen, aber 3045 Stellen streichen. Diese Variante kämpft gegen das Veto von GM. Die Bundesregierung drängt jedoch mit Macht darauf. Kanzleramtschef de Maiziere soll Finanzminister Steinbrück gebeten haben, entsprechenden Druck auf seinen US-Amtskollegen Geithner auszuüben.
Verkauf an RHJI
Der belgische Finanzinvestor gilt als Favorit von GM, stößt aber wiederum in Deutschland auf Ablehnung. RHJI will hier 3900 Jobs abbauen, aber entgegen früheren Ankündigungen kein Werk mehr schließen.
Verkauf an GM
Würden die Amerikaner Opel von der Treuhand zurückkaufen, käme ihr Sanierungskonzept „Viability II” vom April zum Tragen. Es deckt sich mit dem Ripplewood-Konzept. Entprechende Begehrlichkeiten wecken offenbar auch die jüngsten Geschäftszahlen von Opel: Der Konzern macht auch Dank des neuen Insignia wieder einen leichten Gewinn.
Insolvenz von Opel
Wenn alle Bieter-Angebote scheitern, geht Opel pleite. GM könnte aus der Konkursmasse gezielt und billig kaufen, was der Konzern für den Erhalt seines Europageschäftes und den Aufbau eines Russland-Geschäftes braucht. Deshalb droht bei diesem Szenario der mit Abstand größte Kahlschlag in der Opel-Belegschaft.
In GM-Kreisen heißt es allerdings, der Konzern wolle dieses Szenario vermeiden, weil dann die Pensionslasten in Höhe von vier Milliarden Euro bei GM auflaufen würden. Hintergrund: Die Treuhandgesellschaft ist nur vorübergehend Besitzer von Opel, Eigentümer ist immer noch GM. Daher muss GM bei einer Opel-Insolvenz für die Schulden aufkommen.
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