Konjunktur 2009: Regierung will Prognose offenbar doch nicht senken
zuletzt aktualisiert: 24.03.2009 - 11:45Berlin (RPO). Bereits mehrere Organisationen haben ihre Wirtschaftsprognosen für das laufende Jahr deutlich nach unten korrigiert. Einen Medienbericht, nach dem auch die Bundesregierung mit einem stärkeren Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) rechne, hat Berlin dementiert.
Die "Bild"-Zeitung hatte unter Berufung auf Regierungskreise gemeldet, das Bundeswirtschaftsministerium gehe intern von einem BIP-Rückgang in Deutschland um vier bis 4,5 Prozent aus. Der Einbruch würde damit doppelt so stark ausfallen wie bisher angenommen: Im Januar hatte das Wirtschaftsministerium noch einen BIP-Rückgang von 2,25 Prozent für 2009 vorausgesagt.
Wirtschaftsstaatssekretär Walther Otremba wies den Bericht zurück. "Das ist definitiv falsch, wir haben noch gar keine Berechnungen begonnen", sagte er der Wirtschaftsnachrichtenagentur Dow Jones Newswires. Die neue Prognose der Regierung soll Ende April veröffentlicht werden.
Am Montag hatten mit dem Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) und dem Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) erneut zwei Forschungsinstitute ihre Konjunkturprognosen kräftig revidiert. Das RWI rechnet nun mit einem BIP-Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 4,3 Prozent. Die Experten des IMK erwarten eine Schrumpfung um fünf Prozent. Die Volkswirte der Commerzbank erwarten einem Zeitungsbericht zufolge für das laufende Jahr einen BIP-Rückgang um bis zu sieben Prozent und zeichnen damit das bislang pessimistischste Bild.
Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) erwartet in diesem Jahr eine Abnahme des Bruttoinlandsproduktes um 3,5 bis 4 Prozent. Grund sei ein deutlicher Rückgang der Exporte und der Importe, sagte BGA-Präsident Anton Börner am Dienstag in Berlin.
Düstere Aussichten auch von der WTO
Als Folge der Finanzkrise befürchtet die Welthandelsorganisation (WTO) den schwersten Einbruch des Welthandels seit dem Zweiten Weltkrieg. Das Handelsvolumen werde 2009 um neun Prozent zurückgehen, sagte die Organisation am Montag in Genf voraus.
Die weltweite Nachfrage sei angesichts der schlimmsten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten zusammengebrochen. Den Industrienationen droht demnach ein Rückgang der Handelsvolumen um zehn Prozent, die Handelsströme der Entwicklungs- und Schwellenländer dürften um zwei bis drei Prozent schrumpfen.
Im vergangenen Jahr wuchs der Welthandel nach WTO-Angaben noch insgesamt um zwei Prozent, verlor aber seit Sommer 2008 drastisch an Fahrt. Deutschland wurde demnach mit Ausfuhren im Wert von 1,47 Billionen Dollar vor China Exportweltmeister. Größte Importnation waren die USA mit Gütereinfuhren im Volumen von knapp 2,2 Billionen Dollar.
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