Teure Dienstwagen und hohe Gehälter: Reich dank Armut
VON JÜRGEN STOCK - zuletzt aktualisiert: 07.05.2010 - 08:02Düsseldorf (RP). Manager von Wohlfahrtsverbänden und -unternehmen sind wegen teurer Dienstwagen und hoher Gehälter in die Kritik geraten. Fachleute fordern mehr Transparenz.
Wie viel verdient der Geschäftsführer des Neusser Parkinson-Verbandes? Der "Spiegel" hatte unter Berufung auf ein gestern erschienenes "Schwarzbuch" ein Jahressalär von 200.000 Euro genannt. Tatsächlich sei das Gehalt "wesentlich niedriger", behauptet der Verband. Eine Summe nennt er nicht. Unwidersprochen blieb bislang die Aussage des Magazins, dass der Verband sich die Dienste von zwei Voll- und zwei Teilzeitkräften 350.000 Euro im Jahr kosten lässt. Geschäftsführer Franz Wilhelm Mehrhoff fährt einen 48.000 Euro teuren Audi A6 als Dienstwagen.
"Die Öffentlichkeit ist für überzogene Gehälter von Geschäftsführern gemeinnützig tätiger Organisationen sensibler geworden", sagt Burkhard Wilke vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI). Bestes Beispiel: Der Fall von Harald Ehlert. Der Ex-Geschäftsführer der Berliner Treberhilfe (Jahresumsatz 15 Millionen Euro) reiste bis vor kurzem in einem 100.000 Euro teuren Maserati Quattroporte zu den sozialen Brennpunkten seines Wirkungskreises.
Dann wurde der Maserati bei einer Geschwindigkeitskontrolle geblitzt – und die Luxus-Allüren Ehlerts gerieten in die Schlagzeilen. Erstaunt notierte die Öffentlichkeit, dass der Helfer obdachloser Jugendlicher eine Dienstvilla am See mit Bootshaus und nachträglich eingebauter Sauna samt Dampfbad und Whirlpool bewohnt. Mit 35.000 Euro pro Monat ließ Ehlert sich angeblich seine Dienste vergüten. Inzwischen ermittelt der Staatsanwalt.
Der Geschäftsführer des Frauennothilfevereins "Hatun und Can" sitzt wegen Betrugsverdachts in Untersuchungshaft. Die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer hatte dem Verein, der sich vor allem um Opfer von Zwangsehen kümmert, 500.000 Euro gespendet, die sie bei Günther Jauchs TV-Quiz "Wer wird Millionär?" gewonnen hatte. Für einen Teil der Spenden kaufte sich Udo D. einen 60.000 Euro teuren BMW und für 5000 Euro eine Uhr.
Spendenexperte Stefan Loipfinger von "Charity Watch" weiß, dass es nicht einmal krimineller Energie bedarf, um sich auf Kosten einer Sozialorganisation ein schönes Leben zu machen. "Wenn die Gremien das absegnen, sind auch überzogene Gehälter strafrechtlich in Ordnung", sagt er. Eine Reihe von Organisationen verwende gerade einmal zehn Prozent der Spenden und Mitgliedsbeiträge für den eigentlichen Vereinszweck. Der Rest versickere in der Verwaltung. Dass so etwas möglich ist, liege an der mangelnden Transparenz auf dem Wohlfahrtsmarkt: "Gemeinnützige Vereine müssen ja nicht einmal ihre Zahlen veröffentlichen." Die Kontrolle durch die Finanzämter reichen bei Weitem nicht aus.
Ähnlich argumentiert Wolfgang Seibel von der Universität Konstanz, Autor mehrerer Studien über Non-Profit-Organisationen in Deutschland: "Das Risiko, dass gemeinnützige Vereine zum Selbstbedienungsladen werden, ist strukturell bedingt. Weder gibt es einen Haushalt wie bei der öffentlichen Hand noch eine Bilanz wie bei einem Marktunternehmen. Oft haben die Vereinsvorsitzenden gar kein Interesse daran, dass ihre Geschäftsführer effektiv arbeiten. Da geht es mehr ums Prestige und um den Zugang zu öffentlichen Geldquellen."
Aber wäre es bei Wohlfahrts-verbänden, die oft Tausende von Mitarbeitern und Mitgliedern haben, nicht angemessen, einen Geschäftsführer ähnlich wie in der Industrie zu bezahlen? "Nein", sagt Loipfinger. "Wer eine Organisation mit ihrem besonderen Nimbus leitet, muss sich mit den Zielen identifizieren und darf nicht die Mentalität eines Investmentbankers haben. Qualifizierte Führungskräfte für diese Aufgabe kriegt man auch für unter 100.000 Euro im Jahr."
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