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Vielfältige Gründe
Rentner gehen arbeiten

Vielfältige Gründe: Rentner gehen arbeiten
Das längere Arbeiten von vielen Senioren kann viele Gründe haben. (Symbolbild) FOTO: dpa, Federico Gambarini
Berlin. Jeder neunte 65- bis 74-Jährige ist erwerbstätig, doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Viele sind darauf angewiesen, viele tun es aus Interesse. Von Birgit Marschall

Das Weiterarbeiten im Rentenalter ist für immer mehr Ältere in Deutschland kein Tabu mehr. Jeder Neunte in der Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen ging im vergangenen Jahr einer Erwerbstätigkeit nach, wie das Statistische Bundesamt gestern anhand erster Ergebnisse aus dem Mikrozensus 2016 mitteilte. Damit habe sich der Anteil der Werktätigen unter den Rentnern binnen eines Jahrzehnts von fünf auf elf Prozent mehr als verdoppelt. Das liegt auch daran, dass seit 2012 die Altersgrenze für die gesetzliche Rente schrittweise auf 67 Jahre angehoben wird. Ende 2016 galt bereits eine Altersgrenze von 65 Jahren und fünf Monaten. Als erwerbstätig gilt, wer mindestens eine Stunde in der Woche für Geld arbeitet.

Gründe gibt es viele

Das längere Arbeiten kann viele Gründe haben. Nach Darstellung von Sozialpolitikern müssen viele Rentner zusätzlich arbeiten, weil ihre Bezüge aus der gesetzlichen Rente zum Leben nicht ausreichten. Allerdings gibt es auch viele Rentner, die in Umfragen angeben, gerne weiter einer Tätigkeit nachzugehen, um Jüngeren Erfahrungen weiter zu geben, Sinnvolles zu tun oder einfach fit zu bleiben. Die steigende Lebenserwartung und Fitness älterer Menschen spricht jedenfalls dafür. Zudem hat die Bundesregierung das längere Arbeiten durch viele Maßnahmen attraktiver gemacht. Denn Wirtschaft und Sozialstaat sind angesichts der demografischen Entwicklung auf mehr Erwerbsbeteiligung der Älteren angewiesen.

Männer (15 Prozent) sind im Alter eher erwerbstätig als Frauen (acht Prozent) in der Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen, so die Statistiker. 2006 hatten diese Werte noch bei sieben Prozent bei Männern und vier Prozent bei Frauen gelegen.

Für gut ein Drittel oder 37 Prozent der insgesamt 942.000 älteren Arbeitnehmer war die ausgeübte Tätigkeit 2016 die Hauptquelle ihres Lebensunterhalts: 346.000 Menschen lebten damit im Rentenalter überwiegend vom eigenen Arbeitseinkommen. 58 Prozent der Senioren, und damit die Mehrheit, erklärten, sie lebten in erster Linie von ihrer Rente und verdienten sich nur etwas dazu. Dabei war der Anteil derer, die überwiegend auf die Rente angewiesen sind, bei den Frauen mit 61,5 Prozent höher als bei den Männern (55,8 Prozent).

Rentner in Armutsgefahr

"Die Gründe, warum Ältere weiter arbeiten, sind sicher vielfältig", sagte die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Ulrike Mascher. "Aus unserer Sicht belegen die Zahlen aber erneut, dass viele Menschen im Ruhestand arbeiten, weil sie mit ihrer Rente kaum über die Runden kommen. Viele arbeiten also, weil sie müssen, nicht weil sie wollen." Dies zeige sich auch in steigenden Zahlen armutsgefährdeter Rentner.

Länger zu arbeiten, ist seit Jahresbeginn noch interessanter geworden. Denn seitdem können sich Arbeitnehmer, die nach dem Erreichen der regulären Altersgrenze weiter arbeiten, freiwillig entschließen, weiter Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zu zahlen. Dadurch erhöht sich die monatliche Rente. Man kann sich aber auch für die noch bessere Variante entscheiden, einfach beitragspflichtig weiter zu arbeiten und die Altersrente erst später zu beantragen. Dann gibt es neben höheren Rentenansprüchen auch noch einen Bonus: Für jeden Monat, der länger gearbeitet wird, steigt die Rente um 0,5 Prozent.

Immer mehr Rentner steuerpflichtig

Zudem gelten seit dem 1. Juli bessere Hinzuverdienstregeln. Wer vor Erreichen der Regelaltersgrenze nur einen Teil seiner Rente mit Abschlägen beziehen möchte, kann jetzt mehr Geld hinzuverdienen. Von jedem zusätzlich verdienten Euro werden jetzt 40 Cent auf die Rente angerechnet, die anderen 60 Cent bleiben auf dem Konto. Zuvor waren diese Regeln deutlich unattraktiver. Die Regierung erhofft sich davon, dass Ältere, die frühzeitig in Rente gehen wollen, zumindest in Teilzeit länger erwerbstätig bleiben.

Nicht nur mehr Erwerbseinkommen und in den letzten Jahren deutlich gestiegene Renten führen allerdings dazu, dass immer mehr Rentner steuerpflichtig werden. Seit Einführung des Alterseinkünftegesetzes 2005 nimmt zudem für jeden neuen Rentnerjahrgang der steuerpflichtige Anteil der Rente zu. Lag er 2005 erst bei 50 Prozent, sind es 2017 bereits 74 Prozent der Rente.

Quelle: RP
 
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