Führungswechsel: Rewe-Chef geht nach nur eineinhalb Jahren
zuletzt aktualisiert: 01.09.2006 - 18:23Düsseldorf (rpo). Innerhalb von zweieinhalb Jahren trennt sich der Handelskonzern Rewe von seinem fünften Topmanager: Konzernchef Achim Egner nahm nach nur eineinhalb Jahren an der Spitze des Unternehmens seinen Hut.
Der frühere Debitel-Manager Egner hatte erst im April 2005 den Chefsessel bei Rewe übernommen und dem in der Vergangenheit oft eher behäbig agierenden Unternehmen drastische Reformen verordnet. "Wir müssen jetzt investieren und die Dinge in den nächsten zwei bis drei Jahren nach vorne bringen", predigte der Manager.
Eine seiner ersten Initiativen war es, dem Namenswirrwar bei den 2500 Rewe-Supermärkten ein Ende zu machen. Statt Minimal, HL, Otto Mess oder Stüssgen soll noch in diesem Jahr über allen Geschäften einheitlich der Name Rewe prangen.
Bei seinen Aufräumarbeiten nahm Egner aber offenbar zu wenig Rücksicht auf die gewachsenen Strukturen des genossenschaftlichen Unternehmens. Der Manager habe sich über Hierarchien und Einwände im eigenen Haus hinweggesetzt und sich vor allem auf externe Berater gestützt, schrieb die gewöhnlich gut informierte "Lebensmittelzeitung". Bereits in der vergangenen Woche hätten sich deshalb mehr als ein Dutzend hochrangige Manager bei Aufsichtsratschef Klaus Burghard über Egners Führungsstil beschwert.
Der Riss zwischen Egner und dem restlichen Führungspersonal war offenbar nicht mehr zu kitten. Am Freitag bat der Manager nach Angaben des Unternehmens auf einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung das Kontrollgremium um die Aufhebung seines Vertrages. Der Aufsichtsrat dankte Egner für seine Verdienste - und nahm den Rücktritt an.
Mit Reischls Abgang begann die Führungskrise
Statt Egner soll künftig der gebürtige Franzose Alain Caparros die Leitung des Handelsriesen übernehmen. Caparros hatte in den 90er Jahren die Aldi-Nord Tochter in Frankreich geleitet und war dann zu Rewe gewechselt. Zuletzt war er für das florierende Auslandsgeschäft und die wachstumsstarke Discounttochter Penny verantwortlich. In der Rewe Führungsspitze war er nach Informationen der "Lebensmittelzeitung" in den vergangenen Monaten einer der profiliertesten Gegner Egners.
Für das 1927 gegründete Unternehmen setzt sich mit dem überraschenden Machtwechsel die Führungskrise fort, die begann, als der langjährige Konzernchef Hans Reischl im April 2004 seinen Hut nahm. Erst Reischl, "Mr. Rewe", hatte aus der Einkaufsgenossenschaft einen internationalen Handelskonzern geschmiedet. In seinen 27 Jahren als Rewe-Chef verachtfachte er den Umsatz des Unternehmens und wagte die ersten Schritte ins Ausland. Doch dann verließ er den Konzern im Streit.
Für noch größere Aufregung sorgte sein Nachfolger Dieter Berninghaus. Er musste bereits nach knapp sechs Monaten zurücktreten, nachdem bekannt geworden war, dass er das Unternehmen beim überteuerten Kauf einer Internetfirma um Millionen betrogen hatte.
Danach übernahm zunächst ein Dreigestirn aus den Vorstandsmitgliedern Gerd Bruse, Josef Sanktjohanser und Hans Schmitz die Leitung des Konzerns. Doch auch das war nur eine Zwischenlösung. Bereits sechs Monate später beendete Europas drittgrößter Lebensmittelhändler das Experiment mit der Dreifach-Spitze und berief den früheren Debitel-Manager Egner im April 2005 zum neuen Rewe-Vorstandssprecher. Bruse und Schmitz verließen kurz darauf den Handelsriesen. Doch auch Egner erwies sich nur als Zwischenspiel.
Was der Führungswechsel für den Kurs des Handelsriesen bedeutet, blieb zunächst offen. Der eingeschlagene Modernisierungskurs werde fortgesetzt, hieß es lakonisch im Aufsichtsrat.
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