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Rüstungskonzern
Rheinmetall will weg vom Kanonenkönig-Image

Rheinmetall will weg vom Kanonenkönig-Image
Armin Papperger in seinem Büro in der Rheinmetall-Zentrale. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Die Marke KSPG Automotive verschwindet. Zudem will der Konzern Rheinmetall neue Märkte erschließen – beispielsweise die Landwirtschaft. Von Maximilian Plück

Wer am Wochenende in Düsseldorf über das NRW-Fest schlenderte, der konnte am Rheinufer an einem Stand einen Blick auf die Produkte von Rheinmetall werfen. Auffällig dabei: Die Rüstungsgüter nahmen deutlich weniger Raum ein als diejenigen der Automobilzuliefer-Sparte. Das dürfte nicht nur daran gelegen haben, dass man die Kanone eines "Leopard 2" nicht ohne Weiteres an den Rhein bekommt. Vielmehr fügt es sich in das neue Bild, das sich der Konzern nach außen geben will.

"Wir werden immer noch als Kanonenkönige von Düsseldorf wahrgenommen", sagt Rheinmetall-Chef Armin Papperger im Gespräch mit unserer Redaktion. "Einerseits schmeichelt so ein Titel, andererseits geht er aber an der Realität vorbei." Kanonen machten drei Prozent des Geschäfts aus. Von 27.000 Beschäftigten seien nur 500 in der Kanonenfertigung tätig. "Die Menschen bringen trotzdem Rheinmetall nur mit Rüstungstechnik in Verbindung."

Kosten für Neuaufstellung im einstelligen Millionenbereich

Als Papperger Sigmar Gabriel (SPD) von KSPG Automotive erzählte, da soll der Bundeswirtschaftsminister überrascht gefragt haben: "Sie sind auch Automobilzulieferer?" Für Papperger ein Schlüsselerlebnis. Er legte die Strategie "One Rheinmetall" auf: "Wir treten jetzt als Rheinmetall Group auf, unter deren Dach und neuem Logo wir Rheinmetall Defence und Rheinmetall Automotive ansiedeln. Die Kunstmarke KSPG Automotive verschwindet."

Hinter der Abkürzung verbergen sich die Traditionsmarken Kolbenschmidt und Pierburg. "Uns ist natürlich bewusst, dass diese starken Namen einen guten Klang haben und Türen öffnen. Deshalb bleiben diese Marken erhalten, bekommen aber ein neues, frischeres Logo mit dem Zusatz Rheinmetall Automotive."

Rheinmetall hat schon damit begonnen, an den Gebäuden die neuen Zeichen zu montieren, die Briefköpfe auszutauschen und den Internet-Auftritt zu ändern. In den kommenden Tagen startet eine Werbekampagne mit Plakaten. Die Kosten für die Neuaufstellung liegen Papperger zufolge im einstelligen Millionenbereich – verteilt auf mehrere Jahre.

"One Rheinmetall" soll aber mehr als eine reine Umbenennung sein. "Mit zehn Initiativen werden wir – Stand heute – an unserer langfristigen Strategie arbeiteten. Wir wollen zahlreiche Synergien zwischen Automotive und Defence heben." Arbeitsplätze sollen dabei nicht wegfallen. Im Gegenteil. "Rheinmetall wird wachsen. Im Defence-Bereich werden wir in diesem und wohl auch im kommenden Jahr zweistellig zulegen. Bei Automotive immerhin noch stärker als der Markt", so Papperger.

"Kanonen werden wir auch weiterhin bauen"

Als Beispiel für den künftigen stärkeren Austausch nennt er die Hybrid-Technologie: "In etwa zehn Jahren werden wir auch schwere Militär-Radfahrzeuge mit Hybridtechnologie bauen." Daran arbeite ein Team, das zum Teil aus Mitarbeitern des Automotive-Bereichs besteht. Umgekehrt werde die Cyber-Sicherheitstechnik, die schon jetzt bei Panzern eingesetzt wird, sich in autonom fahrenden Autos wiederfinden – zur Abwehr von Hackern.

Für "One Rheinmetall" will der Konzern sein Produktportfolio auch ganz grundsätzlich angehen: "Bei Automotive wird der Verbrennungsmotor nicht mehr so stark im Fokus stehen. Wir wollen uns beim Thema Elektromobilität stärker engagieren und zusätzlich Produkte anbieten, die unabhängig von der Antriebsart funktionieren", sagt Papperger. Bei Defence soll stärker auf Anwendungen gesetzt werden, die auch im zivilen Bereich eingesetzt werden. "Diese Grenzen sind ja inzwischen fließend."

Nach dem Terroranschlag auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" in Paris habe Rheinmetall etwa einen Sonderwagen für die Polizei entwickelt, der auch dem Beschuss von Sturmgewehren standhält. Dieser größere Fokus auf den nicht-militärischen Bereich wird sich auch im Namen widerspiegeln. Auf längere Sicht soll aus Rheinmetall Defence dann Rheinmetall Sicherheit werden. "Aber nicht falsch verstehen: Kanonen werden wir auch weiterhin bauen", sagt der Konzernchef.

Tiere und Radartechnologie

Zudem will sich Rheinmetall neuen Märkten öffnen: "Wir haben ein System kurz vor der Marktreife, bei dem ganz feine Infrarotsensoren im Stall frühzeitig feststellen, wenn bei einem Tier die Temperatur steigt – ein Zeichen für eine Erkrankung." So könne man kranke Tiere aussortieren, bevor der ganze Stall infiziert ist.

Ein weiteres Beispiel ist eine neuentwickelte Radartechnologie, mit der an zivilen Flughäfen die Start- und Landebahn erfasst wird. "Wenn dort Teile herumliegen, die gefährlich für startende oder landende Flieger werden können, schlägt das System Alarm. Das sind Lehren aus dem Concorde-Unglück", so Papperger.

Quelle: RP
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