Private Versicherung als Leitbild: Rösler will Patienten zur Vorkasse bitten
zuletzt aktualisiert: 29.09.2010 - 07:34Hamburg (RPO). Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) will die Finanzierung gesetzlicher Krankenkassen stärker am Vorbild privater Versicherungen ausrichten und das Prinzip der Vorkasse bei Krankenkassen attraktiver machen.
Dies kündigte Rösler im Interview mit der "Financial Times Deutschland" laut einem Vorabbericht an. Heute müssten sich gesetzlich Versicherte auf Jahre an einen Tarif mit Kostenerstattung binden und obendrein empfindliche Einbußen hinnehmen.
"Das war eine bewusste politische Entscheidung, die unter SPD-Ägide getroffen wurde, um Erstattungstarife möglichst unattraktiv zu machen. Diese Nachteile wollen wir beseitigen", kündigte Rösler an. Konkret will der Minister die Bindungsfrist von drei Jahren abschaffen und den Wechsel zwischen den Tarifen flexibilisieren.
Außerdem sollen die Kassen künftig nicht mehr nur 90 Prozent der Arztrechnung erstatten, sondern den vollen Betrag. Ob ein Versicherter aber überhaupt die Vorkasse wählt, soll ihm frei gestellt bleiben. Die Änderungen sollten möglichst in die geplante Finanzreform für gesetzliche Kassen eingebaut werden.
Zudem forderte Rösler gesetzliche und private Krankenversicherer zu einer stärkeren Zusammenarbeit auf und stellte die jahrzehntelang heftig umkämpften Grenzen zwischen beiden Systemen infrage.
Langfristig sollten sie sogar komplett durchlässig werden: "Wo sich die Menschen versichern, bei welchem Unternehmen, mit welcher Rechtsform und zu welchen Konditionen, sollte auf lange Sicht Sache des Versicherten sein, der selbst weiß, was die beste Wahl für ihn ist."
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