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Position für Ex-Kanzleramtsminister wird neu geschaffen
Pofalla soll Vorstand der Bahn verstärken

Fotos: Pofalla – Christdemokrat, Bahn-Vorstand, Weezer
Fotos: Pofalla – Christdemokrat, Bahn-Vorstand, Weezer FOTO: dpa, hsc lre kde
Berlin / Saarbrücken. Überraschung in Berlin: Der bisherige Kanzleramtsminister und enge Vertraute von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Ronald Pofalla, wechselt in den Vorstand der Deutschen Bahn AG. Von Birgit Marschall

Die Spitzenpersonalie wurde gegenüber unserer Redaktion in Bahn-Kreisen und in Koalitionskreisen bestätigt. Pofalla könnte demnach Mitte 2014 in den Bahn-Vorstand wechseln. Die Entscheidung soll der Aufsichtsrat in seiner nächsten regulären Sitzung Ende März fällen. Sie dürfte allerdings nur noch Formsache sein.

Die Bahn-Vorstände verdienen in der Regel zwischen 1,3 und 1,8 Millionen Euro brutto pro Jahr, wie aus dem Bahn-Geschäftsbericht hervorgeht. Mit diesem Einkommen könne auch Pofalla rechnen, hieß es in den Kreisen. Die Karenzzeit zwischen seinem Ausscheiden aus der Regierung im November und seinem Amtsantritt bei der Bahn Mitte 2014 wird in Bahn-Kreisen als angemessen angesehen. Man lege Wert darauf, dass der Politiker nicht sofort bei der Bahn anfange, sondern einige Monate dazwischen lägen, hieß es.

Zuvor hatte die "Saarbrücker Zeitung" über den Wechsel berichtet. Von der Bahn hieß es gegenüber der Zeitung lediglich, dass man zu Personalspekulationen grundsätzlich öffentlich nicht Stellung nehme. Der 54-jährige CDU-Politiker soll an der Spitze des Transportunternehmens ein eigens für ihn geschaffenes Ressort übernehmen, das die langfristige Unternehmensstrategie und Kontakte zur Politik umfasst. Der von Pofalla künftig verantwortete Bereich ist bisher keinem Vorstand direkt zugeordnet.

Transpareny Deutschland prangert Personalie an

Der Geschäftsführer von Transparency Deutschland, Christian Humborg, hat sich kritisch zu Pofallas Wechsel geäußert. "Angela Merkel unterzeichnet den Koalitionsvertrag mit Plänen zu Regelungen zum Drehtüreffekt und dann erlaubt sie ihrem Vertrauten Pofalla, zu einem Staatsunternehmen zu wechseln", sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "Dieser Wechsel zum Staatsunternehmen Deutsche Bahn ist unseres Erachtens ein weiteres Beispiel für den Verfall politischer Sitten. Pofalla wird sein Bundestagsmandat zurückgeben müssen. Wir finden es unanständig, wenn er sich erst von den Menschen wählen lässt, um nur wenige Wochen später auf einen lukrativeren Job in der Wirtschaft zu wechseln. Und wir finden es problematisch, wenn der Cheflobbyist ein Vorstandsressort erhält."

 

(felt)
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