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Sany-Konzern irritiert eine ganze Gemeinde
Roter Milliardär baut Bedburg um
Sany-Konzern irritiert eine ganze Gemeinde: Roter Milliardär baut Bedburg um
Liang Wengen, Gründer und Inhaber von Sany, pflegt eine wenig verlässliche Unternehmensstrategie. FOTO: dapd, Ng Han Guan
Bedburg. In dem Sany-Werk nahe Köln sollen jetzt Bagger statt Betonpumpen entstehen. Von Jan Drebes

Auf den wohl reichsten Chinesen der Welt sind viele deutsche Facharbeiter nicht mehr gut zu sprechen. Liang Wengen, Gründer und Inhaber des größten chinesischen Baumaschinen-Konzerns Sany, hat sie mit einer schnelllebigen Unternehmenskultur vergrätzt.

Verunsicherung bleibt – obwohl die Zukunft des Werks in Bedburg (Rhein-Erft-Kreis) jetzt gesichert scheint.

Der Ort des Unmuts liegt nahe Köln und Grevenbroich. Auf der grünen Wiese in Bedburg baute Sany ein Werk zur Herstellung von Betonpumpen. 2010 feierte das Unternehmen Richtfest. 600 Jobs stellte Liang Wengen als Vorstandschef bis 2015 in Aussicht – ein Jackpot für Bedburgs Bürgermeister Gunnar Koerdt.

Kehrtwende macht vielen Angst

Doch nachdem bis Januar 2012 bereits 280 Mitarbeiter eingestellt worden waren, kam der Paukenschlag: Sany kaufte Putzmeister, den Weltmarktführer für Betonpumpen. Mit einem Mal wurde das nagelneue Werk in Bedburg nicht mehr für die Produktion solcher Maschinen gebraucht. Die Angst ging um.

"Für die Kollegen in Bedburg war nach der Übernahme von Putzmeister lange keine Strategie erkennbar, wie es dort weitergehen soll", sagt ein ehemaliger Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte. "Viele Kollegen waren bereits nach Bedburg umgezogen."

Massenetlassungen

Dann kamen die Entlassungen. Von 280 Mitarbeitern (einschließlich Außendienst) blieben laut Firmen-Sprecherin noch 120 übrig. Offenbar wurde sogar einem Mitarbeiter gekündigt, der seine Arbeit noch gar nicht aufgenommen hatte. "Die Massenentlassungen sind aus meiner Sicht auch darauf zurückzuführen, dass sich Sany teure Umschulungen sparen wollte", sagt der Insider.

Tatsächlich ist Sany in Bedburg jetzt wieder auf der Suche nach Arbeitskräften. Auf der Internetseite werden restliche Lkw zum Verkauf angeboten, auf denen Betonpumpen montiert sind. Mehrere Stellen für Entwicklungs-Ingenieure sind ausgeschrieben. Denn in Bedburg will Sany künftig Maschinen wie Raupenbagger und Hafenkrane bauen. Mit wie vielen Arbeitskräften das geschehen soll, will der Konzern nicht sagen – und so vermeiden, wieder an einem Versprechen gemessen zu werden.

Bürgermeister Koerdt sagt: "Sany hat mir schlaflose Nächte beschert. Aber der Konzern kann eine Lebensversicherung für die Zukunft Bedburgs werden." An dessen Tropf hänge die Stadt aber nicht. Mitte 2013, so die Sany-Sprecherin, wolle man spätestens mit der Produktion begonnen haben.

Quelle: RP/pst/jre
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