Entscheidung am Mittwoch: Rücktrittsgerüchte um Conti-Chef Wennemer
zuletzt aktualisiert: 21.07.2008 - 17:49Hannover (RPO). In der Übernahmeschlacht der Schaeffler-Gruppe gegen den Autozulieferer Continental überschlagen sich die Ereignisse. Am Montag wurden Spekulationen über einen möglichen Rücktritt von Vorstandschef Manfred Wennemer zurückgewiesen. Gleichzeitig bekräftigte Schaeffler die Bereitschaft zu einem konstruktiven Gespräch. Zum Showdown wird es aber wohl erst bei der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch kommen.
Um die Zukunft von Continental-Chef Manfred Wennemer mehren sich Spekulationen. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete, Wennemer wolle seinen Posten zu Verfügung stellen, wenn es zu keiner einvernehmlichen Lösung mit der Schaeffler-Gruppe komme, die Conti übernehmen will. Wennemer lehnt eine Übernahme ab und bietet dem Familienunternehmen eine Beteiligung von 20 Prozent. Am Mittwoch findet eine Aufsichtsrats-Sondersitzung zum Übernahmeangebot statt.
Continental wies Berichte über Rücktrittsdrohungen Wennemers allerdings klar zurück. Es handele sich "um absolut haltlose Spekulationen", sagte ein Unternehmenssprecher am Montag in Hannover. Die Gerüchte hätten "nur das Ziel, Verunsicherung hervorzurufen und Zwietracht zu säen".
Der Aufsichtsrat von Continental will am Mittwoch ab 13.00 Uhr über das Übernahmeangebot der Schaeffler-Gruppe von rund 11 Milliarden Euro beraten. Wennemer hatte das Angebot vergangene Woche strikt zurückgewiesen und es "egoistisch, selbstherrlich und verantwortungslos" bezeichnet.
Vorsichtiger äußerte sich zuletzt dagegen Conti-Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg. Er will erst nach Abschluss des Meinungsbildungsprozess des Kontrollgremiums zu der Offerte Stellung nehmen. Nach verschiedenen Medienberichten soll er dem Angebot nicht völlig ablehnend gegenüber stehen.
Wulff trifft Spitze der Schaeffler-Gruppe
Unterdessen bestätigte die niedersächsische Staatskanzlei, dass Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) mit Maria-Elisabeth Schaeffler und dem Geschäftsführer ihrer Gruppe, Jürgen Geißinger, zusammengetroffen ist. Das zweistündige Gespräch habe bereits in der vergangenen Woche stattgefunden, hieß es.
Zu Ergebnissen des Treffens wollte sich Regierungssprecherin Nina Hacker nicht äußern. "Wir betrachten die Entwicklung um Conti weiter mit Sorge und messen alles daran, dass Continental ein DAX-Konzern mit Sitz in Hannover bleibt, dass die Arbeitsplätze gesichert sind und das Unternehmen nicht zerschlagen wird", sagte sie lediglich.
Auch der Vorsitzende des Conti-Konzernbetriebsrates, Bruno Hickert, betonte, man wolle Arbeitsplätze, Standorte und Mitbestimmungsrechte erhalten. "Bei der Eigentümerstruktur werden wir ja nicht gefragt", sagte er der AP.
Garantien gefordert
Im 20-köpfigen Aufsichtsrat der Continental sind die IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) mit sechs und die IG Metall mit drei Arbeitnehmervertretern präsent. Eine Zusammenarbeit von Schaeffler und Continental könne grundsätzlich sinnvoll sein, sagte eine Sprecherin des IG-Metall-Bezirks in Hannover. Allerdings müssten Arbeitsplätze und Mitbestimmung bei Conti gesichert sein. "Es besteht weiter die Gefahr, dass zur Finanzierung der Übernahmen Unternehmensteile verkauft werden", sagte die Sprecherin und warnte damit vor einer Zerschlagung des Konzerns.
Nach Ansicht der IG BCE ist von einem Verkauf vor allem die Conti-Kautschuksparte bedroht. "Wir wollen nicht verkauft und zur Handelsware werden", sagte die Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates der Conti-Kautschuksparte, Bärbel Bruns. IG-BCE-Sprecher Rudolf Heim verlangte Garantien dafür, "dass Conti nicht zerschlagen und nicht von der Börse genommen wird". Von vornherein könne man einen neuen Großaktionär aber nicht einfach ablehnen.
Unterdessen prüft die Finanzdienstleistungsaufsicht weiter die Optionsgeschäfte, mit denen sich Schaeffler den Zugriff auf bis zu 36 Prozent der Conti-Anteile gesichert hat. Die Optionsgeschäfte würden in vollem Umfang untersucht, aber nicht gestoppt. "Das Übernahmeverfahren läuft normal weiter", sagte eine Bafin-Sprecherin.
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