Tränen und Wut in Bochum: Rüttgers macht Nokia-Beschäftigten Hoffnung
zuletzt aktualisiert: 16.01.2008 - 17:17Bochum (RPO). Vor den Toren des Nokia -Werkes in Bochum herrscht eine Mischung aus Wut und Verzweiflung. Der finnische Konzern will das Werk schließen, tausende bangen um ihre Existenz. Die Menschen sind für jeden Hoffnungsschimmer dankbar. NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers spricht ihnen aus der Seele, wenn er sagt: "Ich bin noch nicht bereit, den Kampf aufzugeben."
Am Mittwoch, einen Tag nach der Nachricht von der geplanten Schließung des Bochumer Nokia-Werkes, ist der CDU-Politiker zu einem Gespräch mit dem Betriebsrat in die Ruhrgebietsstadt gekommen.
"Wir wollen den Kampf um Nokia Bochum fortführen", verkündete der Ministerpräsident nach dem Gespräch. "Wir wollen, dass hier weiter Produktion der Firma Nokia stattfindet." Rüttgers Worte wurden von den Wartenden vor dem Werkstor mit donnerndem Applaus quittiert. Die Mitarbeiter hätten Vorleistungen erbracht, die sich sehen lassen könnten, betonte der CDU-Politiker.
Die Produktion sei effizienter geworden: "Es gibt keinen Grund, mit Hinweis auf die Arbeitskosten die Produktion von Bochum nach Rumänien und erst recht nicht nach Finnland zu verlegen", fügte er hinzu. Die Arbeit sei in Rumänien nicht effizienter und in Finnland nicht billiger als in Bochum. Rüttgers sagte, er habe dem Betriebsrat die Nachricht überbracht, dass die Bundesregierung der Nokia-Geschäftsleitung Gespräche angeboten habe.
Er wies darauf hin, dass auch das Unternehmen etwas zu verlieren habe: Deutschland sei nicht nur ein Ort, an dem Nokia Handys produziert habe. "Deutschland ist auch ein Markt für Nokia." Es könne nicht im Interesse des Unternehmens sein, wenn der Eindruck entstehe, man sei nur so lange geblieben, wie es Subventionen gegeben habe. Die Worte des Landeschefs waren geradezu Balsam für die Seelen der Mitarbeiter des Unternehmens, die an diesem Tag bei einer Kundgebung bereits viel Unterstützung erfahren hatten.
Neben 150 IG-Metall-Mitgliedern aus der Nachbarstadt Herne waren Hunderte Mitarbeiter anderer Bochumer Betriebe gekommen, darunter auch aus dem Opel-Werk in der Stadt. Transparente der IG BCE und der Gewerkschaft der Polizei flatterten ebenfalls im Wind, viele Bürger stellten sich hinter die Mitarbeiter. Angesichts der breiten Solidarität erklärten viele Nokia-Beschäftigte, auf jeden Fall weiterkämpfen zu wollen.
"Wir müssen doch kämpfen", sagte Vorarbeiterin Birgit Biermann, die seit 22 Jahren für das Unternehmen arbeitet. Sie hatte sich mit vielen anderen am Werkstor versammelt, obwohl ihre Schicht erst Stunden später begann. "Die Hoffnung stirbt zuletzt" fügte sie hinzu: "Wir schreiben doch schwarze Zahlen". Motiviert sei nach der Nachricht von der geplanten Schließung allerdings keiner mehr.
Auch Nokia-Mitarbeiter Marius Miarecki wirkte entschlossen. "Kämpfen ist ja wohl das Mindeste, dann hat man sich nichts vorzuwerfen". Zehn Jahre sei er aus seinem gelernten Beruf als Tischler heraus: "Ich finde doch nichts anderes mehr." Dass ihn Nokia einige Monate zuvor noch unbefristet eingestellt habe, könne er nicht verstehen.
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