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RWE-Dividende
"Übertrifft schlimmste Alpträume"

RWE-Dividende - "Übertrifft schlimmste Alpträume"
RWE plant fast die komplette Streichung der Dividende für 2015. FOTO: dpa
Essen. Bei RWE bricht das Geschäft immer weiter ein. Der Energieriese muss zusätzliche Milliarden abschreiben und kündigt die Streichung fast der kompletten Dividende an. Kommunale Aktionäre sind entsetzt.

Der schwer gebeutelte Energiekonzern RWE greift zu weiteren schmerzhaften Mitteln. Nach einem Verlust im vergangenen Jahr will der Vorstand den Großteil der Dividende streichen, wie das Unternehmen am Mittwoch in Essen mitteilte. Zudem kündigte RWE nun an, das laufende Sparprogramm im Konzern noch einmal zu verschärfen.

2016 rechnet der Vorstand mit weiteren Ergebnisrückgängen. "Wir wissen, dass wir mit der heutigen Entscheidung viele Aktionäre enttäuschen. Sie ist jedoch notwendig, um unser Unternehmen zu stärken", erklärte Vorstandschef Peter Terium laut Mitteilung.

Lediglich die Vorzugsaktionäre sollen noch eine Mini-Ausschüttung von 13 Cent je Anteilsschein bekommen. Für die Stammaktionäre soll es nichts geben. In den vergangenen beiden Jahren hatte der in der Vergangenheit für seine verlässlichen Ausschüttungen bekannte RWE-Konzern noch einen Euro pro Aktie gezahlt. Das entsprach einer Gesamtauszahlung von 615 Millionen Euro. Jetzt sollen gerade noch insgesamt fünf Millionen Euro an die Vorzugsaktionäre fließen.

Kommunen verlieren 150 Millionen Euro

Die kommunalen Aktionäre von RWE sind schockiert von der Dividendenstreichung. "Das ist ein Schock für die kommunalen RWE-Aktionäre. Wir sind von der Streichung der Dividende überrascht worden", sagte Lars Martin Klieve, Kämmerer der Stadt Essen, unserer Redaktion. "Allein für die Stadt Essen bedeutet dies Einnahmeausfälle von 18 Millionen Euro. Wir hatten schon nur noch neun Millionen Dividende für 2016 erwartet und galten damit als Pessimisten im kommunalen Lager. Jetzt zahlt RWE gar nichts, ein herber Schlag". Das werfe die Stadt auch bei der Haushaltssicherung zurück. "Nun müssen wir prüfen, ob wir kommunale Leistungen streichen." Weiter kritisierte Klieve: "Der RWE-Vorstand muss sich fragen lassen, ob seine Strategie und die Kommunikation mit den Kommunen richtig sind."

Zuletzt hatte RWE noch 150 Millionen Euro an die kommunalen Aktionäre gezahlt, die rund 25 Prozent der Anteile besitzen.

2015 hatte sich die Talfahrt des zweitgrößten deutschen Versorgers beschleunigt. Vor allem in der konventionellen Stromerzeugung brechen die Gewinne angesichts des durch den Ökostrom-Boom ausgelösten Verfalls der Preise im Großhandel weg. RWE musste wegen der immer schlechteren Aussichten rund 2,1 Milliarden Euro auf seine Kohle-, Atom- und Gaskraftwerke abschreiben. Unter dem Strich stand ein Netto-Verlust von 200 Millionen Euro.

Ein Ende des Absturzes ist 2016 nicht in Sicht. So soll der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 7 auf 5,2 bis 5,5 Milliarden Euro sinken, wie RWE am Mittwoch mitteilte. Dabei rechnet das Unternehmen mit einem weiteren Verfall der Gewinnanteile seiner Kohle-, Atom- und Gasmeiler. Hinzu kommen dürften weitere Belastungen wegen großer Probleme im britischen Geschäft.

Das betriebliche Ergebnis soll von 3,8 auf 2,8 bis 3,1 Milliarden Euro sinken. Um Sondereffekte bereinigt, rechnet der Vorstand noch mit einem Überschuss zwischen 500 und 700 Millionen Euro nach 1,1 Milliarden im vergangenen Jahr. Schulden und Mitarbeiterzahl sollen sich hingegen kaum verändern. RWE beschäftigt knapp 60.000 Menschen.

(lukra/dpa/afp)
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