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RWE-Hauptversammlung
"Die Zeiten werden sogar noch rauer werden"

RWE-Hauptversammlung: Aktionäre fordern von Terium: "Ziehen Sie den Karren aus dem Dreck"
Der RWE-Vorstandsvorsitzende Peter Terium spricht in Essen auf der Hauptversammlung zu den Aktionären. FOTO: dpa, obe pzi
Essen. RWE -Chef Peter Terium stellt den Aktionären keine rasche Rückkehr zu den alten Glanzzeiten in Aussicht. "Die Krise ist bei weitem noch nicht ausgestanden. Die Zeiten werden sogar noch rauer werden", sagte der 51-Jährige am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Essen.

Er wolle den größten Stromerzeuger Deutschlands weiter umbauen. "Dafür braucht es Zeit." Auch eine Aufspaltung des Konzerns schloss Terium für spätere Zeiten nicht aus, nachdem der Konkurrent Eon diese im Herbst angekündigt hatte. Dies sei aber derzeit nicht geplant. RWE wolle alle seine Geschäfte weiterentwickeln.

Die Anleger werden angesichts der seit Jahren anhaltenden Krise ungeduldig. "Herr Terium, wir erwarten, dass Sie den Karren aus den Dreck ziehen", forderte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler. Die Probleme erschienen größer als die von Terium präsentierten Lösungen, sagte er vor den rund 2800 Anteilseignern in der Essener Grugahalle. "Ist der Gaul, auf dem wir alle reiten, schon tot?" Es sei unklar, welche Ergebnisse die neuen Geschäfte bringen könnten.

Auch der Portfoliomanager von Union Investment, Ingo Speich, forderte mehr Klarheit, wohin die Reise geht. "RWE steckt strategisch in der Sackgasse und kann derzeit kaum etwas anderes tun, als die Spar- und Effizienzmaßnahmen zu forcieren und auf eine Erholung der Großhandelsstrompreise zu hoffen."

Projekte ausserhalb Europas

Terium stellte verschiedene Projekte vor, konkrete Ergebnisziele dafür blieb er jedoch schuldig. So will RWE das Geschäft mit Energiedienstleistungen ausbauen und setzt neben den Kraftwerken auch auf die Einnahmen aus den Strom- und Gasnetzen. Zudem will Terium das Handelsgeschäft außerhalb Europas vergrößern. Es dauere aber zwei, drei Jahre, ehe Ergebnisse aus Investitionen in neue Wachstumsgeschäfte sichtbar würden, warb der Niederländer um Geduld.

Experten des Versorgers beraten beispielsweise die Regierung von Dubai bei der Entwicklung einer Energiestrategie. Daneben spricht RWE seit Monaten mit einem Investor aus dem arabischen Raum über eine Zusammenarbeit. "Bislang wurde keine Vereinbarung unterzeichnet - von einer Vertraulichkeitsvereinbarung abgesehen", sagte Terium. RWE werde mittelfristig auf einen Wachstumskurs zurückkehren, erklärte der jüngst mit einer Vertragsverlängerung bis 2021 gestärkte Manager, nannte aber keinen genauen Zeitraum. Der Versorger hatte 2013 nach hohen Abschreibungen auf seine Kraftwerke einen Verlust von 2,8 Milliarden Euro eingefahren, konnte im vorigen Jahr aber mit einem Plus von 1,7 Milliarden Euro in die Gewinnzone zurückkehren. Terium bekräftigte die Prognose für 2015.

"Klimaschutzpläne gefährden zehntausende Jobs"

Scharf ins Gericht ging der RWE-Chef mit den Plänen der Bundesregierung, ältere Kohlekraftwerke aus Klimaschutzgründen stärker zu belasten. "Die Abgabe würde nämlich das sofortige Aus für einen Großteil der Braunkohletagebau und Braunkohlekraftwerke bedeuten", sagte er. Zehntausende Arbeitsplätze seien gefährdet. RWE ist der größte Kohlestromerzeuger Deutschlands. Umweltschützer bauten sich am Donnerstag vor der Grugahalle auf. "Stoppt Kohlebagger und Klimakiller" war auf einem Transparent zu lesen. "Kohlestrom gefährdet Gesundheit" stand auf einem anderen.

Anders als Eon strebt RWE nach Teriums Worten derzeit keine Aufspaltung an. "Wir behalten uns jedoch vor, eine Aufspaltung zu prüfen, sollten sich die Marktbedingungen und regulatorischen Bedingungen weiterhin verschlechternd gegen uns wenden. Die Flexibilität für diesen Schritt wollen wir uns erhalten." Der Düsseldorfer Konkurrent Eon will sich 2016 in einen Konzern mit Ökostrom und einen mit Atom- und Kohlekraftwerken aufteilen.

Gröhe: Braunkohle in den kommenden Jahrzehnten notwendig

In die Debatte um Kohlestrom hat sich auch der aus dem rheinischen Kreis Neuss stammende Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) eingeschaltet: "Einen Strukturbruch im rheinischen Braunkohlerevier darf es nicht geben", sagte Gröhe unserer Redaktion. Gröhe verwies darauf, dass die Braunkohle auch in den kommenden Jahrzehnten einen notwendigen Beitrag zur Versorgungssicherheit im Industrieland Nordrhein-Westfalen leisten werde. Verlässliche Rahmenbedingungen seien für die Braunkohle deshalb unerlässlich. "Insofern besteht noch erheblicher Gesprächsbedarf bevor Entscheidungen getroffen werden, sagte Gröhe. Er betonte,  er setze sich für den Erhalt der Arbeitsplätze "in unserer Heimat" ein.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) wirft Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD)
unterdessen vor, er habe kein Klimaschutz-Papier vorgelegt, vielmehr ein solches, das die Überschrift trage: "Die Braunkohle muss weg." Tillich meinte gegenüber unserer Redaktion, damit werde die Brücke zur Energiewende zerstört. Einseitige, die Braunkohle massiv belastende politische Weichenstellungen führten zu nicht hinnehmbaren Arbeitsplatz-Verlusten und gewaltigen Strukturumbrüchen. Es würde letztlich nur der heimischen deutschen Braunkohle an den Kragen gehen, Nachbar Polen hingegen würde sich freuen, Braunkohle-Strom nach Deutschland zu liefern, wenn deutsche Windräder an regnerischen Tagen still stünden.

(RP/REU)
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