| 15.19 Uhr

Hauptversammlung bei RWE
Rote Karte für Kohle, grünes Licht für Null-Dividende

RWE-Hauptversammlung: Proteste gegen Kohle-Verstromung
Martin Schmitz am Donnerstag in Essen. FOTO: rtr, TS/LA
Essen. Unter großem Sicherungsaufwand stellte sich der neue RWE-Chef Rolf Martin Schmitz erstmals den Aktionären. Von Antje Höning

RWE war schon immer ein Feindbild für Umweltschützer. Erst recht, seit der Konzern das Ökostromgeschäft in die Tochter Innogy abgespalten hat. Und so gab es auch zur gestrigen Hauptversammlung viele Proteste. Vor der Grugahalle in Essen entrollten Aktivisten ein 80 Meter langes rotes Band, dass die "rote Linie" symbolisieren soll, die sie bei der Kohleverstromung überschritten sehen. "Rheinland wird Reinland" plakatierten sie und griffen damit ausgerechnet einen Slogan von Innogy auf. "Raus aus RWE" und "Zeigt RWE die Rote Karte" forderten sie die Aktionäre auf. Eine Aktivistin versuchte, an einer Säule vor der RWE-Zentrale hochzuklettern. Sie wurde von Sicherheitskräften daran gehindert und kam in Polizeigewahrsam.

Doch in der Halle blieben die ganz großen Proteste aus, RWE hatte mit massiven Sicherheitschecks vorgesorgt. Nur einmal stürmten einige Aktivisten zur Bühne und skandierten: "Kohle zerstört das Klima." Zwölf Sicherheitskräfte schirmten Vorstand und Aufsichtsrat ab. RWE ist der größte Emittent von Kohlendioxid in Europa.

Der Verband kritischer Aktionäre überreichte RWE-Chef Rolf Martin Schmitz 32.000 Unterschriften, mit denen sich Bürger gegen die Abholzung des Hambacher Forstes für den Tagebau wehren. Schmitz nahm die Listen auf der Bühne souverän entgegen.

Proteste von Umweltschützern vor der RWE-Hauptversammlung. FOTO: rtr, TS/LA

Zu den RWE-Kritikern gehören Verbände wie Nabu und Urgewald - sowie die Grünen. Sie haben beim "Forum Ökologische Soziale Marktwirtschaft" ein neues Gutachten zu den Folgekosten in Auftrag gegeben, das unserer Reaktion vorliegt. Darin heißt es: "Die Finanzierungsvorsorge der Braunkohle-Folgekosten in NRW ist durch die RWE-Umstrukturierung noch unsicherer geworden." RWE hat zwar 2,4 Milliarden Euro an Bergbau-Rückstellungen gebildet, doch Vermögensteile in Innogy ausgelagert. "Dieses Vermögen kann im Fall der Insolvenz (von RWE) für Verbindlichkeiten genutzt werden. Die Verfügbarkeit für diesen Zweck ist jedoch nicht gesichert, da die Beteiligungen der RWE an der Innogy veräußert werden können", kritisiert das Gutachten. Zugleich hat NRW-Umweltminister Johannes Remmel eine Untersuchung zum Grundwasser in Auftrag gegeben. Bis 2019 will er ermitteln, wie sich der künftige Anstieg des Grundwassers auswirkt, welche Bereiche "vernässen" und was Politik und RWE tun müssen. Zur Gewinnung der Braunkohle wird zunächst das Grundwasser gesenkt.

Der RWE-Chef hielt den Kritikern entgegen: "Braunkohle bleibt ein wichtiger Faktor für bezahlbare und sichere Energie." 25 Prozent des deutschen Stroms kämen aus Braunkohle. Zugleich habe RWE eine "klaren Fahrplan" zur Minderung des Kohlendioxid-Ausstoß vorgelegt, betonte Schmitz. Braunkohle trage zum Klimaschutz bei.

Die meisten Aktionäre interessierten sich aber mehr fürs Kapital als fürs Klima. RWE will zum zweiten Mal in seiner 119-jährigen Geschichte keine Dividende zahlen. Für 2016 sollen nur die wenigen Vorzugsaktionäre 13 Cent je Aktie erhalten. "Die treuen Aktionäre gehen wieder leer aus", kritisierte Johannes Kregel, Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Mit Blick auf das geringe Eigenkapital von acht Milliarden Euro sagte er: "Ich habe keine Lust, dass RWE ein Junk-Bond (Schrottpapier) wird."

RWE-Chef Schmitz räumte mit Blick auf die Dividende ein: "Damit verlangen wir Ihnen viel ab. Aber die Zahlen sprechen eine klare Sprache." Der Konzern, den Schmidt seit Herbst 2016 führt, hatte wegen Abschreibungen auf Kraftwerke und Rückstellungen für den Atomfonds 5,7 Milliarden Verlust gemacht. Schmitz bekräftigte, dass RWE für 2017 wieder 50 Cent auf Stamm- und Vorzugsaktien zahlen will. "Das Niveau wollen wir auch in den Folgejahren mindestens halten."

Wolfgang Schäfer vom Verband der kommunalen Aktionäre sagte, man trage die Null-Dividende mit, habe aber Zweifel am Geschäftsmodell. "Ob das zweite Bein von RWE, die Supply&Trading, auch so stabil ist, davon muss der Vorstand uns nach dem Vorjahresverlust noch überzeugen." Schmitz versprach: "Wir erwarten 2017 ein deutlich höheres Ergebnis als im Vorjahr." RWE werde weiter auf zwei Beinen stehen - Erzeugung und Handel.

(anh)
 
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