Reaktion auf Flugsteuer: Ryanair streicht 30 Prozent der Flüge von Hahn
zuletzt aktualisiert: 27.10.2010 - 12:55Frankfurt/Main (RPO). Der Billigflieger Ryanair will den Flugbetrieb auf dem Flughafen Hahn im Hunsrück im kommenden Jahr deutlich reduzieren. Ab Sommer 2011 sollen dort nur noch 45 statt bisher 54 Ziele angeflogen werden, teilte die Fluggesellschaft am Mittwoch in Frankfurt am Main mit.
Die Zahl der wöchentlichen Flüge von Frankfurt-Hahn aus sinkt demnach von 532 auf 382. Ryanair begründet die Streichung der Flugverbindungen mit der von der Bundesregierung angekündigten Luftverkehrsabgabe. "Wir wollen nicht als Unternehmen arbeiten, das Steuern für die deutsche Regierung einsammelt", sagte Ryanair-Geschäftsführer Michael Cawley.
Von den elf im Hunsrück stationierten Fliegern will Ryanair drei abziehen. Bereits ab kommendem Januar soll die Strecke von Hahn nach Berlin nicht mehr angeflogen werden. Ab dem Sommerflugplan 2011 sollen dann auch die Verbindungen nach Agadir, Breslau, Danzig, Göteborg, Klagenfurt, Santiago de Compostela, Sevilla und Prag gestrichen werden. Zudem sollen 15 weitere Städte seltener angeflogen werden. Ryanair kündigte an, auch an anderen deutschen Flughäfen Verbindungen streichen zu wollen. Derzeit gebe es intensive Gespräche mit den Flughäfen in Weeze bei Düsseldorf und Bremen.
Nach den Plänen der Bundesregierung soll es ab dem 1. Januar eine entfernungsabhängige Luftverkehrsabgabe geben. Die Strecken von Ryanair werden demnach mit acht Euro pro Flug besteuert. Ein Flug bei Ryanair kostet nach Angaben des Unternehmens derzeit durchschnittlich 35 Euro. "Das ist fast ein Viertel des gesamten Flugpreises", betonte Geschäftsführer Cawley. Der Billigflieger rechnet damit, dass in Hahn im kommenden Jahr rund eine Million Passagiere weniger abgefertigt werden und rund 1.000 Jobs in und um den Flughafen wegfallen. Bislang hat der Flughafen jährlich knapp vier Millionen Passagiere abgefertigt.
Die Flughafenbetreiber wollen als Reaktion auf die Ankündigung von Ryanair weitere Frachtflüge für den Standort gewinnen. Zudem versprachen die Betreiber, keine Mitarbeiter entlassen zu wollen.
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