ProSieben-Poker: Saban will neu mit Springer verhandeln
zuletzt aktualisiert: 12.01.2006 - 17:31München (rpo). Einem Zeitungsbericht zufolge ist der US-Medienmogul Haim Saban bereit, mit dem Springer-Verlag neue Konditionen für den Verkauf der von Saban gehaltenen Sendergruppe ProSiebenSat.1 auszuhandeln. Am Mittwoch hatte Springer überraschend bekannt gegeben, auf Pro Sieben zu verzichten.
In der kommenden Woche wollten Saban und Springer-Chef Mathias Döpfner neue Verhandlungen aufnehmen, schreibt der "Tagesspiegel".
Die Medienaufsicht KEK signalisierte am Donnerstag gute Aussichten für eine Genehmigung der abgespeckten Übernahmepläne des Verlages. Entscheidend dürfte nun sei, ob sich Springer und der Besitzer von ProSiebenSat.1, Haim Saban, auf einen neuen Vertrag einigen können. Die TV-Gruppe reagierte überrascht auf die Springer-Pläne. Angeblich gibt es erheblichen Widerstand im Vorstand von ProSiebenSat.1
"Die ProSiebenSat.1 Media AG war an den Besprechungen mit dem Kartellamt über einen möglichen Verkauf des Senders ProSieben nicht beteiligt", erklärte das Unternehmen. Auch sei der TV-Konzern weder vorab noch im Nachhinein von Springer über dessen Pläne näher informiert worden. Die "Financial Times Deutschland" berichtete von erheblichen Widerstand im Vorstand von ProSiebenSat.1 gegen die Springer-Pläne. "Das kann der Vorstand nicht unterstützen", zitierte die Zeitung aus Unternehmenskreisen. Konzernsprecherin Katja Pichler wollte die Berichte nicht kommentieren.
Die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) nannte wie das Bundeskartellamt als Bedingung für eine Genehmigung, dass ProSieben vor einer endgültigen Übernahme der TV-Gruppe an einen unabhängigen Dritten verkauft werden müsse. KEK-Geschäftsstellenleiter Bernd Malzanini wies in Potsdam darauf hin, dass die restlichen Kanäle Sat.1, Kabel Eins, N24 und 9Live nur auf einen Zuschaueranteil von 15 Prozent kämen. Damit sei die Entstehung vorherrschender Meinungsmacht nicht mehr zu befürchten.
Den ursprünglichen Plan Springers zur Übernahme der gesamten ProSiebenSat.1-Gruppe für drei Milliarden Euro von US-Investor Saban hatten die Medienwächter wegen Gefährdung der Meinungsvielfalt abgelehnt. Auch das Kartellamt hatte sich in einem Zwischenbescheid gegen die Übernahme ausgesprochen, signalisierte nun aber Zustimmung.
Ertragsbringer ProSieben
ProSieben war seit der Fusion mit Sat.1 stets der renditestärkste Sender der TV-Familie und hielt den Konzern in den schwarzen Zahlen. Erst im vergangenem Jahr konnte Sat.1 zu den Erträgen des Partnersenders aufschließen. In Branchenkreisen hieß es deshalb, Springer gehe ein hohes betriebswirtschaftliches Risiko ein, wenn auf den Hauptertragsbringer des Konzerns verzichtet werde.
Mehrere Beteiligte verwiesen zudem auf die hohen Synergien innerhalb der Sendergruppe, die gegen eine Aufspaltung sprächen. So sei ProSieben wichtig für den Lizenzeinkauf von internationalen Spielfilm- und Serienproduktionen, wovon insbesondere Kabel 1 als auch Sat.1 profitierten.
Allerdings hieß es in Branchenkreisen auch, dass Sat.1 mit seiner Programmvielfalt inhaltlich und seiner breiteren Zielgruppe besser zu Springer passe als ProSieben. Springer könnte mit Sat.1 seine strategischen Ziele erreichen: Der Verlagskonzern strebt früheren Angaben zufolge neben dem Printgeschäft ein zweites starkes Standbein an und will sich inhaltlich für die bevorstehende Welle der Digitalisierung rüsten. Zudem werde die Schuldenlast des Springer-Konzerns ohne eine ProSieben-Übernahme deutlich geringer ausfallen, hieß es.
Als erstes wird es für Springer Medienberichten zufolge in den Verhandlungen mit Saban nun darum gehen, die Zinsen auf den Kaufpreis vom Tisch zu bekommen, die fällig werden, wenn der Kauf nicht bis zum 23. Januar abgeschlossen ist.
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