Kapital verzockt: SachsenLB: Notverkauf an die LBBW
VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 27.08.2007 - 08:58Düsseldorf (RP). Das gab es in Deutschland noch nicht. Eine irische Tochter der einzigen ostdeutschen Landesbank hat - teilweise an den Bilanzen vorbei - am internationalen Kapitalmarkt deutlich mehr Geld verzockt als bisher bekannt. So viel Geld, dass gestern deutlich wurde: Die SachsenLB kann keinen einzigen Tag mehr auf eigenen Beinen stehen.
Am Wochenende blieb dem sächsischen Ministerpräsidenten Georg Milbradt (CDU) nicht einmal mehr genügend Zeit, um das Parlament über den Verkauf abstimmen zu lassen.
In einer Sondersitzung beschloss das eilig zusammengetrommelte Kabinett deshalb den Notverkauf an die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) im Alleingang. Milbradt begründete das spektakuläre Vorgehen nach einem Gespräch mit dem Chef der deutschen Bankenaufsicht (BaFin), Jochen Sanio, mit der „besonderen Situation“, in der sich die SachsenLB befände. Die SachsenLB gehört zu 37 Prozent dem Freistaat Sachsen und zu 63 Prozent der Sachsen-Finanzgruppe der Sparkassen.
Über ihre Tochter in Dublin war die Landesbank - wie wenige Wochen zuvor schon die Düsseldorfer IKB-Bank - in den Strudel der US-Hypothekenkrise geraten.
Erst vor einer Woche hatten die ostdeutschen Sparkassen versucht, die Sachsen LB mit einer vom Land Sachsen verbürgten Kreditlinie von 17 Milliarden Euro zu retten. Nachdem zum Wochenende aber auch eine zweite Finanzkonstruktion der Tochter zu platzen drohte, brauchte die SachsenLB weitere 400 Millionen Euro, um ihren laufenden Finanzverpflichtungen nachzukommen.
Jetzt wird sie als Zweigstelle in die LBBW integriert. Im Gegenzug schießt die größte deutsche Landesbank sofort 250 Millionen Euro frisches Kapital in die SachsenLB und zahlt den bisherigen Eigentümern weitere 300 Millionen Euro aus. Nach Angaben Milbradts hat sich die LBBW jedoch eine Rückgabeklausel einräumen lassen, wenn sich mehr außerordentliche Verluste ergäben, als in der Eile zu erkennen gewesen seien.
Darüber hinaus erklärte die LBBW, weiterhin am Kauf der ebenfalls kriselnden WestLB interessiert zu sein. Die Vorgänge um die sächsische Landesbank haben in Düsseldorf die Debatte um die Zukunft der WestLB neu entfacht. Einige Beobachter gehen davon aus, dass mit der SachsenLB nun eine Autobahn in Richtung LBBW gebaut worden ist, über die früher oder später auch die WestLB rollen wird.
Düsseldorfer Spitzenpolitiker hingegen machten neue Vorschläge für den Erhalt der Eigenständigkeit der nordrhein-westfälischen Landesbank. Oberbürgermeister Joachim Erwin (CDU) sagte unserer Zeitung gestern, er favorisiere eine engere Zusammenarbeit der WestLB mit der Düsseldorfer Sparkasse und schlug eine gemeinsamen Holding vor.
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